Vorgeschichtliche Funde und Denkmäler

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Vorgeschichtliche Funde und Denkmäler in der Gemeinde Essen

Die Gemeinde Essen ist uralter Kulturboden. Das beweisen die vielen vorgeschichtlichen Denkmäler und Funde aus den nördlichen hochgelegenen Bauerschatten der Gemeinde.

1. Steindenkmäler

Größere Steindenkmäler wie in Visbek, Damme, Markhausen findet man in der Gemeinde Essen nicht mehr. In Barlage und Herbergen sind aber aller Wahrscheinlichkeit nach mehrere dieser Zeugen vorchristlicher Zeit vorhanden gewesen. Ihre Findlinge sind von den Bewohnern zu Fundamenten ihrer Häuser und Ställe verwendet worden. Pastor Kühling ließ eine große Anzahl gewichtiger Findlinge nach Essen befördern, um den Kirchplatz damit auszuschmücken. Andere dienten zur Errichtung einer Lourdesgrotte im Vorgarten des Krankenhauses. Die größten Findlinge vom Kirchenvorplatz wurden 1936 auf Anregung des Heimatbund - Obmannes beim Straßendreieck Kleier an der Einmündung der Schulstraße in die Straße nach Vechta als bleibendes Denkmal aufgestellt. Zwei schwere Felsblöcke aus der Barlager Heide wurden 1922 in der Südspitze des Märktplatzes unter einer Linde tief in die Erde versenkt. Sie sollten ursprünglich zu einem Kriegerdenkmal Verwendung finden, aber man fand sie für diesen Zweck nicht geeignet. Eine Urkunde wurde den beiden Riesen mit ins kühle Grab gegeben.

2. Schmelzgruben.

In Stadtsholte. 1 ½ Stunden östlich vom Orte Essen, entdeckte der Altertumsforscher Exzellenz von Alten- Oldenburg eine Stätte, wo der in den sumpfigen Wiesen reichlich vorhandene Ortstein (Raseneisenerz) zum Schmelzen gebracht worden war. An den Resten der Schmelzgruben, welche mit Ton ausgeschmiert waren, war dies noch deutlich zu erkennen. Auch im Hülsenmoor, wo im Mittelalter die Glocken der Essener Kirche gegossen wurden, und in Calhorn will man die Reste solcher Schmelzgruben gefunden haben.

3. Urnenfunde

Südöstlich des Hofes gr. Darrelmann in Darrel lag früher ein großer Landhügel, dessen Erde man zur Anlage des Weges Warnstedt—Beverdiek abgetragen hat. Im Innern waren zwei Reihen großer Steine aufgestellt, in dessen Zwischenräumen Urnen standen. In der Nähe dieses großen Hügels liegen noch kleinere, so daß man (nach Reinke: Wanderungen, Band 7) auf einen alten Urnenfriedhof schließen kann.

Nicht weit von dieser Fundstätte entfernt wurden vom Leiter des Museumsdorfes Cloppenburg und seinem leider zu früh verstorbenen Assistenten Dr. Paul Clemens im August 1949 in Calhorn 19 verschiedene Urnen geborgen. Allein in einem Hügelaustritt von nur 7 qm fand man neben Urnen verschiedener Bestattungszeiten ein Knochenlager ohne Urnen sowie eine Brandgrubenschüttung. Unter den Urnen befand sich eine vom Harpsteder Typ, eine andere mit Zierbfändern, Kreis- und Querrillen geschmückte Urne konnte nur in Stücken geborgen werden. Sie gehört wahrscheinlich der Billendorfer Kultur an und stammt aus der Bronzezeit, während die Brandgrubenschüttung aus der Zeit herrührt, wo man von der Hügelgrabbestattung zur Urnenbeisetzung in Flachgruben überging, also aus der Zeit von 500—600 v. Chr. Die Tatsache, daß die aus der jüngeren Bronzezeit stammenden Hügelgräber hauptsächlich Urnen der Eisenzeit enthalten, daß ferner in ein und demselben Hügel Bestattungsgefäße verschiedener Bestattungszeiten dicht beieinanderstanden, kommt daher, daß die Hügel auch nach der Bronzezeit laufend zu Nachbestattungen benutzt wurden. Wieder eine andere Urne, die beim Herausnehmen zerfiel, enthielt ein 3,4 cm langes durch drei querlaufende Rillen verziertes, röhrchenartiges Bronzestück als Beigabe, das wahrscheinlich von einem Armring oder einem anderen Schmuckstück stammt. Es kann aus der Bronzezeit, aber auch aus der Eisenzeit herrühren, da die Gegenstände der ersten Epoche auch in der zweiten benutzt wurden. Die durch Jahrhunderte gehende Bestattung auf diesem heidnischen Urnenfriedhof in Calhorn rechtfertigt die Annahme, daß Calhorn als älteste Siedlung der Gemeinde Essen anzusprechen ist. Nebenbei sei an dieser Stelle erwähnt, daß ein an der Kapelle in Calhorn angestellter Geistlicher, der französische Emigrant Dollhofen, es war, der sich als erster mit der Erforschung vorgeschichtlicher Funde beschäftigte.

Auch die Bauerschaft Herbergen ist reich an Funden vorgeschichtlicher Art. Exzellenz von Alten, Dechant Wulf und Apotheker König haben hier zu ihrer Zeit manche Urne geborgen. In den Jahren 1925—1930 sind bei Hügelabtragungen zahlreiche Urnen mit Asche und Knochenresten gefunden worden, ebenfalls 1921 beim Bau des Chausseekörpers von Essen nach Lastrup.

4. Landwehre.

Im Norden der Gemeinde liegt die Barlager Landwehr. Sie schließt den Raum zwischen dem Barlager Moor und den Barlager Bruchwiesen ab, welche sich bis in die Haseniederung erstrecken. Der nördliche Teil dieser Landwehr besteht aus zwei Wällen und zwei östlich davor liegenden Gräben. Im südlichen Teil rücken die beiden Wälle auseinander und machen einem dritten Platz, der von dem östlichen Walle abzweigt und mit einer jetzt ganz zerstörten Burganlage in Verbindung steht. Ihr innerer Raum war 54 m lang und 36 m breit, und ihre 14 m breiten Wälle boten bei Gefahr einen nicht zu verachtenden Schutz.

5. Alte Burgen.

In die Wende der vorgeschichtlichen und geschichtlichen Zeit (für unsere Gegend) fällt die Gründung der beiden Essener Burgen, von denen in ihrer Anlage noch die Plätze, auf denen sie gelegen haben, nachweisbar sind. Die älteste von ihnen, die Arkenowa. wurde aller Wahrscheinlichkeit nach vor mehr als tausend Jahren von den ersten bei uns seßhaften Teklenburger Grafen gegründet. Sie lag auf einer jetzt zum Hofe gr. Arkenau in Brockstreek gehörenden Wiese. Eine kleine am Rande der sumpfigen Niederung liegende Erhöhung, im Volksmunde „Hohenburg" genannt, soll der Burgplatz gewesen sein. (Parzelle 107, der Flur 12.) Der Platz war klein und bot kaum einem einfachen Bauernhause Raum. Das viele Wasser, welches die Hase damals noch ungeteilt von Osnabrück herüber und an Essen vorbeiführte und das niedrige Gebäude unter Wasser hielt, wird die Anlage begünstigt haben.

Ebenso war es mit der zweiten umfangreicheren Burganlage im SW des engeren Ortes Essen. In den Parzellen 118 (G. Wehage, Ww.), 561/121 (A. G. Diekmann) und 128 (Böckmann, Emma) sind noch heute Erhöhungen und Grabenzüge sichtbar und nachweisbar. Im Volksmunde hatte sich der Name „Wehagenburg" bis heute erhalten. Südlich davon, am jetzigen Haseufer, lag die Eckardsburg, ein gräfliches Vorwerk. (Parz. 425, 426. 427 und 428 J. M. Schnetberg.) Die anliegenden Parzellen heißen noch heute „bei der Eckardsburg". Auch eine Mühle wird hier gestanden haben, worauf der Name „Möhlenkamp" (Kamp und Besitzer) noch heute hinweist.

In dieser Zeit wird auch der bischöfliche Meierhof im Orte Essen entstanden sein, mit dem der Richterdienst verbunden war und der daher bis zum heutigen Tage Richthof genannt wird. Der jeweilige Richter mußte zur Uebernahme des Richteramtes qualifiziert sein. Als vorgeschichtliche Burganlage wäre endlich noch die sog. „Iburg" in der Nähe der Bauerschaft Herbergen zu erwähnen. Es handelt sich hier wahrscheinlich um eine kleine Schutzanlage, wohin zu Kriegs- und Fehdezeiten die Bewohner mit ihrem Vieh und ihren Habseligkeiten flüchteten.


Benutzte Quellen.

Erschienen 1953, Auflage 22, Seite 4, in Volkstum und Landschaft

Beilage der Münsterländischen Tageszeitung Cloppenburg, Druck Fa. Imsieke

Aufgearbeitet: H. Brümmer

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