Unsere Heimatkirche

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Unsere Heimatkirche


Gründung der Essener Pfarrkirche


Mit der Einführung des Christentums in unserer Gegend begannen sich neue Verhältnisse in kultureller, sittlicher und wirtschaftlicher Hinsicht anzubahnen. Wann die ersten Glaubensboten in unsere Gegend gekommen sind, wird wohl nie genau auf das Jahr festgelegt werden können. Sicher aber ist, daß unsere Vorfahren, obgleich in ihrer Art religiös eingestellt. [Götterglaube, Sonnenkult, Totenbestattung], den Gedanken der neuen Lehre grundsätzlich ablehnend gegenüberstanden und daß die ersten Pioniere des Christentums, die Benediktiner, ein schwer zu bearbeitendes Ackerfeld vorfanden, nicht nur in der Zeit vor dem Sachsenkriege, sondern auch in den dreiunddreißig Jahren, die Kaiser Karl zur Bezwingung des Sachsenvolkes gebrauchte. Er sah in den Mönchen, die er in das widerstrebende Land sandte, nicht nur Verkünder der wahren Lehre, sondern eben sosehr Schrittmacher für die Idee des von ihm geplanten Weltreiches ["Dienen muß der Kirchenmantel ,..."]


Noch nicht geklärt ist die Frage, ob der Hasegau [Löningen und Essen] von Meppen oder von Visbek aus missioniert wurde. Die Löninger Kirche verehrt als Patron den heiligen Vitus, was auf eine Verbindung mit Visbek hinweist. Die Missionszelle wurde 783 gegründet, in demselben Jahre, wo am 13. September der heilige Willehad als Bischof über den Lerigau gesetzt wurde, "damit er mit bischöflicher Autorität den Völkern vorstände." Um 819 wurden die Mutterkirchen des Lerigaues Visbek unterstellt und von allen Lasten befreit. Um 855 kamen sie mit dem Kloster Visbek an Corvey. Dem Frankenkönig wurde es bald klar, daß sich das urwüchsige Sachsenvolk nie und nimmer dem [art]fremden Joch eines artfremden Volkes beugen würde. Immer wieder flackerte der Aufstand auf. Als sich z.B. 782 Widukind, der in Wildeshausen begütert war, gegen die Franken erhob und auch die schon vorher bekehrten Friesen zum Abfall bewog, gingen überall die Kirchen in Flammen auf und einer heftigen Christenverfolgung fielen der fränkische Gaugraf Emmig und der Priester Folcard zum Opfer. Ein anderer Weg mußte als beschritten werden, der, wenn auch langsamer, so doch sicherer zum Ziel führte. Er zog die Sprossen der sächsischen Heerführer, vor allem des Sachsenherzogs Widukind, an seinen Hof, oft mit Gewalt, erzog sie im christlichen Geiste und gab sie dem Sachsenvolke als Führer zurück. Ihnen folgte das Volk auch in religiöser Hinsicht.


Zuletzt nahm auch Widukind selbst das Christentum an und nun konnte die neue Lehre langsam aber sicher Eingang finden. Um die Sachsen auch in weltlicher Hinsicht nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen, ließ Karl ihnen ihre alten Gaueinteilungen und setzte nach Bezwingung des Sachsenvolkes einheimische Gaugrafen an ihre Spitze. So lebte im Hasegau um die Mitte des 10. Jahrhunderts der Gaugraf Heinrich, ein Nachkomme Widukinds. Seine Gemahlin, die Gräfing Alaburg oder Aldburg entstammte, wie man verschiedentlich nachzuweisen versuchte, ebenfalls dem Geschlechte Widukinds. Allgemein nimmt man an, daß der Gaugraf auf der Burg Arkenoa seinen Wohnsitz hatte. Um 970 ließ die Gräfin Alaburg in der Bauerschaft Assini [von ahasa, das am Wasser [hasa] liegende Dorf] eine Kirche zu Ehren des heiligen Pankratius und anderer Heiligen, deren Reliqien in der Kirche niedergelegt werden sol1ten, errichten, die sie mit reichen Einkünften ausstattete [siehe Urkunde]. Die Gründungsurkunde ist in den Regierungsjahren des Bischofs Ludolf [968 – 978] von Osnabrück, eines Sohnes der Stifter in der Kirche, ausgefertigt und hat in Übersetzung folgenden Wortlaut:


"Im Namen des Gottes des Herrn und unseres Erlösers Jesu Christi, Wir Aldburgis geben durch Gottes ordnende Vorsorge unter dem Herrlichen Kaise Otto mit Wissen der Erben im Dienste Gottes zum Bau einer Kirche einen an dieser Stelle bekannt gemachten Teil unseres Gutes dort und einen Teil der Gebung des zehnten Teils und wir suchen dort unser ferneres sterbliches Leben hinzu[geben] bringen. Daher wollen wir, daß es allen unseren Getreuen, gegenwärtigen und zukünftigen, bekannt werde, daß wir auf dem Meierhofe unserer Besitzung, welche Essen genannt wird, eine Kirche zu Ehren des heiligen Pankratius und der anderen Heiligen; deren Überreste hier zurückzuhalten beschlossen ist, erbaut und mit Zustimmung meiner Erben, des Bischofs Ludolf und des Gaugrafen Gottschalk, meiner Söhne, dauernd diese Ausstattung bewilligt haben. Auch zur Mitgift der vorgenannten Kirche zwei Höfe in Essen, der eine, der hier gelegen ist, mit jeglichem Gebrauch der Wegnehmung des zehnten Teils, den andern aber ohne Wegnehmung des zehnten Teils, den dritten in Evenkamp, den vierten in Lage, den fünften in Herbergen, den sechsten in Suhle, den siebenten in Garthe, den achten in Addrup, den neunten in Carum - von dem zehnten ist Besitz genommen -, und befestigen sie mit Eigentums - und einigen anderen Rechten zum Gebrauch des Priesters, damit der Gottesdienst ganz und gar von der Geistlichkeit verrichtet werden kann. Wenn jemand diesen Vorbenennungen widerspricht, indem ihn Übermut oder eine andere rasende Begierde antreibt, der möge aus Christi Vorsehung und der aller Erwählten und von mir und aus der bischöflichen Regierung meines [Sohnes] gegenwärtig herrschenden Sohn Ludolf, der jenen Ort mit dem Segen Gottes geschmückt hat, ausgeschlossen werden. Ich, Bischof Ludolf, habe dieses unterschrieben und zugestimmt und, damit es fest geglaubt werden kann, mit bischöflichem Bann bekräftigt," Nun besaß Assini einen eigenem Geistlichen, der in der eigenen Kirche die Bewohner zur Predigt und zum Gottesdienst versammeln konnte. Es wird ein schlichtes, notdürftig hergerichtetes Holzkirchlein gewesen sein. Geschickte Bauhandwerker, wie z.B. die Klöster sie damals schon kannten, wird sie zum Bau nicht gefunden haben, denn schon einige Jahre nach dem Tode des Bischofs Ludolf stürzte das Kirchlein ein. Ein zweiter Sohn Alaburgs, wahrscheinlich der Nachfolger des Vaters im Gaugrafenamte, Graf Gottschalk [Godscalk] stellte sie in den Jahren 978 - 980 wieder her und der Nachfolger Bischof Ludolfs, Bischof Kuno von Osnabrück, weihte sie ein, wie folgenden Nachfuge unter dem Gründungsprotokoll beweist: "Ich, Kuno, durch Gottes Gnade Bischof, habe diese zusammengefallene und vom Gaugrafen wieder erbaute Kirche zu Essen eingeweiht und auf Bitten desselben die oben beschriebenen Widmungen erneuern lassen und mit eigener Hand unterzeichnet."


Die nächsten beiden Jahrhunderte lassen uns ohne weitere Mitteilungen über die Kirche. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts ging sie durch Erbschaft in den Besitz der Familie von Tekeneburg [Teklenburg] über.


Stand in Essen ein Mönchskloster ?


Auf dem g1eichen Platze, auf dem ddie Gräfin Alaburg oder Altburg in der Zeit von 968 – 978 die erste Kirche in Assini zu Ehren des heiligen Pankratius und anderer Heiliger errichten ließ, soll zweihundert Jahre später ein "coenobium" gestanden haben, ein einfaches Mönchskloster, worauf zwei Urkunden kurz hindeuten. In der ersten wird erwähnt, daß Graf Simon von Teklenburg und Graf Moritz von Oldenburg in einem Streit zwischen den Mönchen des Klosters in Essen und dem Erzbischof von Bremen zu vermitteln suchten. In der zweiten Urkunde aus dem Jahre 1170 ist die Rede von einer Schenkung des Erzbischofs von Bremen an das Coenobium in Essen oder vielmehr wörtlich "an die Brüder des Ortes", also an Mönche. Der Erzbischof vermachte den Zehnten über den vierten Teil eines Hofes, welchen ein gewisser Thetwardus, vermutlich in der Wesermarsch wohnend, dem Kloster übertragen hat. Als Zeugen fungierten beider Schenkung die oben genannten Grafen Simon von Teklenburg und sein Vetter Moritz von Oldenburg. Niemann bezweifelt aber in seiner "Geschichte der alten Grafschaft Cloppenburg", daß mit dem Ausdruck "Coenobium" ein Kloster im heutigen Sinne zu verstehen sei. Er nimmt vielmehr an, daß die Kleriker in alten Zeiten vielfach eine gemeinsame Lebensweise führten, wodurch der Ausdruck "Coenobium" gerechtfertigt würde, Die Tatsache, daß über die Gründung des Klosters keine Urkunde vorliegt, daß keine weiteren Angaben vorhanden sind, daß auch nichts über die Zerstörung und Aufhebung des Klosters berichtet wird, scheint Niemann vollauf recht zu geben. Herr Sudendorf [Mitteilungen des hist.Vereins zu Quakenbrück] befürwortet aber aufgrund obiger Urkunden das Bestehen eines Mönchsklosters und nimmt an, daß die Kirche in Essen beim Untergange des vermutlichen Mönchsklosters entweiht oder zerstört worden sei.


Nonnenkloster in Essen


Während das Bestehen eines Mönchsklosters in Essen nur auf vage Vermutungen basiert, so ist unumstrittene Tatsache, daß im Jahre 1175 Graf Simon von Teklenburg [1168 – 1202], vermutlich ein Sohn des Grafen Gotschalk, mit dem die Stammreihe der mächtigen Grafen von Teklenburg eröffnet wird, gemeinsam mit seiner Mutter Eilike, einer geborenen Gräfin von Oldenburg, auf ihren Gütern in Essen ein Nonnenkloster gründete. Zum Unterhalt des Klosters wies Graf Simon ihm die Kirche in Essen, die bei der Gründung der Kirche erwähnten Güter, die dem Grafen nach Erbrecht zustanden, ferner die Mühle in Calhorn und dreizehn Bauernstellen im Kirchspiel Essen und seiner Umgebung zu. Über die Gründung des Nonnenklosters, in dem Benediktinerinnen ein Heim finden sollten, stellte Graf Simon im Jahre 1186 folgende Urkunde aus, die in deutscher Sprache übersetzt lautet: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes! Ich, Graf Simon von Teklenburg, advocatus der Osnabrücker Kirche, mache Gegenwärtigen und Zukünftigen bekannt, auf welche Weise ich und meine Mutter Eilica in Hoffnung eines ewigen Geschenkes und zum Seelenheil meiner Vorfahren mit Zustimmung meiner Gattin und meiner Söhne auf unserer Besitzung in Essen ein Kloster errichtet und dort die Gott dienenden Nonnen versammelt haben. Wir haben ihnen zum notwendigen täglichen Unterhalt die in demselben Dorf gelegene Kirche, die uns nach dem Erbrecht gehörte, mit Mitgift und jeden Vorteil des Nutzens in feierlicher Schenkung übergeben, nachdem darin auch das Beten bestimmt war. Der Herr Bischof Arnold traf, vom Konvente aufgefordert und auf unsere Bitten in Anordnungen und weihte die Kirche ein und versicherte dann, wie es recht war, den Ort, die Bewohner und alles, was zu ihnen gehörte, mit seinem Bann. Wie viel daher uns gehört, haben wir festgelegt und bestimmt, damit der Ort selbst dann mit seinen Bewohnern in Sicherheit, dieses Friedens verbliebe und was von unserer Ausstattung für jeden Getreuen oder der eigenen Ankaufung oder dem Eigentumsrechte an Häusern, Äckern, Wiesen, Wäldern, kultivierten und unkultivierten Sümpfen abwiche von ihrem Recht, ihnen unverletzt und ungeschmälert verbliebe.


Namentlich aber dies: Der Ort, wo die Vorratskammer [Zellen der Nonnen] gelegen ist, die Kirche mit der Mitgift [Wedum, das Allodium aus dem östlichen Teile des Dorfes [wahrscheinlich der Karkenberg in Osteressen], aus dem nächsten die Mühle, den Acker neben der Mühle, eine andere Mühle in Colahorne [Calhorn], je ein Haus in Laghe [Lage], in Lusche [Lusche], in Knem [Kneheim], in Emsbura [Hemmelsbühren bei Cloppenburg oder Ambühren], in Stapelvelde [Stapelfeld], in Hirnelte [Hemmelte], in Ecopen, in Evineheim [Evenkamp)] in Ederen 8Ehren], zwei Häuser in Herbergen, zwei Häuser in Lo [Uptloh], ein Haus in Garta [Garthe], ein Haus in Beveren [Bevern], je ein Haus in Padberge [Badbergen], in Arkensteden [Arkenstedt], in Arkenfelde [in Brokstreek)]und uppfn Vorste [que una est cum Otburga]. Und damit ihnen diese unversehrt und unvermindert verbleiben und durch keine Gewaltsamkeit der Nachfolger oder unserer Erben zerbrochen werden sollten, haben wir ihnen diese Karte abfassen lassen und zur Bekräftigung unserer Ausführungen mit unserem Siegel bekräftigen lassen. Wenn aber irgend eine wiewohl mächtige Person diese unsere Versicherung ändern und die vorbesagten Dienerinnen Gottes durch irgend eine Machenschaft in unrechter Weise zu schädigen versuchen würde, der sei angeklagt auf die ewige Rache und zu schärfster Prüfung, um auf diese Sache zu antworten, vor den höchsten Richter gestellt. Außerdem wollen wir, daß über den Prozeß über diesen Ort selbst allen bekannt sei, daß wir diesen keinem aus Gefälligkeit übergeben, sondern uns selbst den Vorzug vor allen anderen vorbehalten und gemäß dem Stande der Zeit und dem Nutzen der Sache für sie als Vermittler sorgen werden. Dieses ist zuerst geschehen im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1175; darauf aber befestigt und verstärkt vor Zeugen im Jahre 1186."


Was mag den Grafen veranlaßt haben, auf seinen Essener Gütern ein Kloster für Benediktinerinnen zu errichten? Ausgeprägter religiöser Sinn läßt sich weder bei ihm noch bei seinen Nachfolgern feststellen, wenn auch sein Sohn, Bischof Adolph von Osnabrück, 1224 im Rufe der Heiligkeit starb. Der Sinn der Teklenburger war vielmehr auf Erweiterung ihrer Macht gerichtet und es gelang ihnen, vom Hasegau aus fast den ganzen Teil des jetzigen Amtes Cloppenburg bis zum Barßeler Tief in Besitz zu nehmen. Es müssen schon andere Gründe maßgebend gewesen sein. Wahrscheinlich lag der Hauptgrund zur Klostergründung bei Mutter und Sohn darin, ein Hauskloster zu schaffen, das ihnen nach ihrem Tode als Begräbnisstätte und zugleich als Asyl für unverheiratet gebliebene Töchter dienen sollte. Daher auch der Bau des Klosters in unmittelbarer Nähe ihres Wohnsitzes, der Arkenoa.


Wenn man weiter berücksichtigt, daß die Menschen im Mittelalter gegenüber der Jetztzeit eine viel engere Bindung an die Kirche hatten und wenn man ferner bedenkt, daß infolgedessen Adelige, wohlhabende Bauern, alte und kranke Leute der Kirche reiche Stiftungen und Legate vermachten, so wird das Vorgehen Otto I. schon eher verständlich. Dann ist auch der Grund, den die Sage über die Gründung des Nonnenkloster zu erzählen weiß, nicht ganz von der Hand zu weisen. Sie berichtet: Graf Simon erkrankte schwer an einem bösartigen Geschwür am Schienbein. In kurzer Zeit hatte die Krankheit den Knochen zerfressen. Als Menschenhilfe versagte, wandte er sich auf den Rat seiner Mutter Eilike an die heilige Jungfrau Maria und gelobte, ihr zu Ehren ein Benediktinerinnenkloster zu erbauen.


Wie durch ein Wunder wurde sein Gebet erhört und nun zögerte er nicht, sein Gelübde zu erfüllen. Jedenfalls lag die treibende Kraft zur Klostergründung in dem Wunsche und in dem Drängen der Mutter. Das geht sowohl aus dem Wortlaut und dem Sinn der Urkunde wie auch aus der Sage hervor. Sie tritt, ein Beweis für ihre Klugheit und Energie, in der Zeit von 1175 - 1184 häufiger gemeinsam mit ihrem Sohn bestimmend oder mitwirkend in Urkunden auf.


Graf Simon selbst suchte auf die billigste und einfachste Weise seinem Versprechen nachzukommen. "Er hob einfach die Essener Pfarre auf, bestimmte ihre Einkünfte zum Unterhalt des Klosters und beauftragte das Kloster mit der Seelsorge in der Kirchengemeinde. Zum notdürftigen Unterhalt der Schwestern überwies er ihnen außer den bisher der Kirche gehörenden Ländereien, der Mühle in der Wiek und verschiedenen Gütern in der Umgegend die Mühle in Calhorn und die Einkünfte der in der Urkunde näher bezeichnetem Bauernhöfe, die durchweg alter corveyischer Besitz waren. Fast in ein Nichts zerrinnt also der Grund, der den Grafen urkundlich zur Gründung des Klosters veranlaßte "in Hoffnung eines ewigen Geschenkes und zum Seelenheil meiner Vorfahren." Vom Segen und Wirken der Benediktinerinnen in Essen wird in Urkunden nicht weiter berichtet. Nur acht Jahre hat die Niederlassung bestanden; 1194 brannte es bis auf den Grund nieder und böse Zungen behaupten, Graf Simon habe beim Brande seine Hand im Spiele gehabt. Das Kloster wurde nicht wieder aufgebaut; es wurde vielmehr mit den neugegründeten Kloster Malgarten bei Bramsche vereinigt, dem auch die Rechte und Einkünfte des Essener Klosters überwiesen wurden. Damit endet die Geschichte des Nonnenklosters in Essen, der ersten und einzigen mittelalterlichen Klostergründung im Amte Cloppenburg.


Folgen der Klostergründung

Vom Segen des Klosters in Essen weiß die Geschichte nichts zu berichten; ganze Seiten dagegen sind ausgefüllt mit der Aufzählung der ungünstigen Auswirkung der Klostergründung durch volle sechs Jahrhunderte auf die Kirchengemeinde Essen [1194 – 1803]. Nach dem Übergang an Malgarten mußte dieses Kloster die Seelsorge an der Kirche in Essen übernehmen, mußte also dort wieder einen Weltgeistlichen ernennen und unterhalten. Diesem wurde zwar ein neues Pfarrhaus erbaut, an Einkünften wurde ihm aber nur soviel zugebilligt, als er zu einem einigermaßen anständigen Leben notwendig hatte. Er war zunächst außer den Stolgebühren auf Haus, Garten und den Gosekamp angewiesen; alles andere behielt Malgarten für sich. Späterhin [1651] mußte er sogar noch von seinen Einkünften, die sich aus Roggenlieferurig und Geldrente zusammensetzten, jährlich im Oktober 1 Reichsthaler an den Pastor zu Malgarten geben. Nach und nach wurden die früheren Kirchengüter an private Hand veräußert, so die zum Wehdumb gehördende Wehdemeierstelle, die wahrscheinlich in den ersten zwei Jahrhunderten nach Gründung der Kirche den Pfarrhof bildete, das Malgartenland nördlich vom Orte [jetzt Sägewerk von Taphorn] und die ehemaligen Klostergüter in der "Magorde" und an der "Magordebrücke", Namen, die noch jetzt an Malgarten erinnern.


Nach dem Register von 1439 bezog Malgarten aus Essen Einkünfte:


De Wedemeyer to Essen: de verde garve ower al syn lant, 2 Schill, an den Dinstgelik de andere (sc 7 Malter Rogge, 7 Malter Havern),


Henke ton Velde: 1 Goldg. Pacht van unser Erve,


Herrn mijt der Quebbe: 1 Schill, von eynem stück 1andes ijn einen Garden,


To den Quaden [jetzt Tellmann, Bevern]: 10 Schill, Pacht von unsern Erve,


Hynriehw Bus to Lacje [Gut: Lage] up der Wuluona [Wnlfenau]: elf verde garve over als syn lant , 2 emmer Bottern, 2 fette swyne und to allen 4 hocfhtydt.en Vysche vor 2 schill. ghewert van onser Vyseherie u.p usen Water ter Wuluena to Malgarten to brengen.


Außerdem bezog das Kloster den Zehnten aus Drantum und Lüsche, ferner hatte es zwei Höfe in Warnstedt [Klostermann und Menke], fünf Höfe in Lastrup, einen Hof in Bunnen, vier Höfe in Neuenkirchen, einen Hof in Steinfeld und einen Hof in Langförden.


Die übelste Folge der Verlegung des Klosters nach Malgarten aber war, daß mit den Klostergütern auch das Besetzungsrecht Präsentationsrecht der Essener Pfarre auf Malgarten übergegangen war.


Um 1613 heißt es: "Patoratus in Essen patronatus habet Abbatissa Malgardensis" und 1651 "Die Domina, in Malgarten hat das Patronatsrecht." Dieses Recht wurde ausgeübt durch die Äbtissin oder Domina allein oder durch den Konvent, der nur aus Frauen bestand. Um das Patronatsrecht entstanden im Laufe der Jahrhunderte heiße Kämpfe, die im 17. und 18. Jahrhundert zeitweise revolutionären Charakter annahmen. Die Unannehmlichkeiten setzten schon ein in der sogenannten lutherischen Zeit, die offiziell von 1543 - 1613 dauerte und in der acht lutherische Prediger in Essen amtierten. In den ersten dreißig Jahren setzte die Domina nur katholische Geistliche als Pastoren ein, ließ es aber zu, daß sie in ihrem Amte durch einen lutherischen Vizekuraten unterstützt wurden. Seit 1570 aber, als die Gemeinde vollständig lutherisch geworden war, präsentierte Malgarten nur lutherische Prediger, von denen Pastor Schlingmann den bekannten Kampf um den Gosekamp entfachte, der die höchsten kirchlichen und weltlichen Stellen lange Jahre beschäftigte. 1613 gab der bischöfliche Kommissar Hartmann die Kirche in Essen dem katholischem Kultus zurück und die Domina Alheit von Langen präsentierte gemeinsam mit dem ganzen Konvent den Osnabrücker Kleriker Konrad Grüther, der 1614 die Essener Stelle antrat. Ihm gelang es, die unwissende Bevölkerung wieder mit der neuen Ordnung zu befreunden, doch erregte sein Lebenswandel Anstoß. Auch die drei folgenden von der Domina in Malgarten ernannten Geistlichen hatten ihre Fehler und Schwächen, so daß im religiösen Leben Kälte und Gleichgültigkeit herrschten. Angesehene Leute in Essen, so der Richter Hülshorst, schoben die Schuld an diesen Zuständen Malgarten zu und als 1661 die Domina Maria von Münster gegen den Willen der Bevölkerung den fremden Geistlichen Hermann Brogbeeren präsentierte, erhob sich gegen ihn ein heftiger Widerspruch, der zu Aufruhr und Tumult führte. Von Richter Hülshorst aufgestachelt, griffen die aufgeregten Bewohner das Präsentrationsrecht an und erklärten:


"Wir wollen keine Geistlichen, der uns vom Weibe geschickt ist!" Sie sprachen sich vielmehr für den jungen Kaplan von Krapendorf, Hermann Wernsing aus, der ein Verwandter des Richters war und als Prediger einen guten Namen hatte. Als Malgarten aber auf seinen Willen bestand und den vorgeschlagenen Pastor in sein Amt einführte, übersah man ihn und ließ einen fremden Geistlichen nach Essen zum Beichte hören kommen. Noch stärker erregten sich die Gemüter, als die Äbtissin von Malgarten nach dem Tode Brogbeerens den Alfhauser Kaplan Schröder und wiederum nicht den von ihnen gewünschten Kaplan Wernsing präsentierte. Sie stellten der Domina vor, daß Wernsing zwar noch jung sei, aber fromm und beständig und sich Mühe gebe, die "unkatholischen" Bewohner Essens wieder zum katholischen Glauben zurückzuführen [Wernsing war nämlich längere Zeit zur Aushilfe in Essen tätig gewesen]. Trotzdem bestand die Domina auf ihren Kopf, weil sie der Meinung war, daß nur einzelne Ortseingesessene, nicht aber das ganze Dorf den von ihr vorgeschlagenen Alfhauser Kaplan ablehnten. Nun t raten die Essener den Gegenbeweis an. Die Provisoren der Kirche und der Ausschuß des Gerichts Essen setzten ein Protokoll auf, in dem sie den von Malgarten vorgeschlagenen Kaplan Schröder ablehnten, für ihn den Krapendorfer Kaplan Wernsing begehrten und für den Fall, daß dieses nicht mög1ich sei, zwei oder drei Prediger [wie in lutherischer Zeit] zur Probe nach Essen kommen lassen sollten.


Das Protokoll wurden nach dem Gottesdienste auf Richters Kamp allen Erb- und Heuerleuten vorgelesen und von ihnen einstimmig angenommen. Es wurde als Anlage einer Eingabe an den Bischof von Münster gerichtet. In dieser ungehörig scharf gehaltenen Erklärung wurde behauptet, "der Älfhauser Kaplan sei ein schlechter Prediger und könne dazu beitragen, daß die unerfahrenen Laien wegen geringer oder gar keiner Erbauung zur unkatholischen Lehre veranlaßt würden und zu befürchten sei, daß die Leute aus der Kirche herausgepredigt würden und sich nach Quakenbrück zur lutherischen Kirche wendeten. "Von der Domina in Malgarten behauptete die Eingabe, daß "seit der Reformation bis jetzt noch kein einziger Geistlicher präsentiert worden sei, der sich recht geistlich verhalten habe. Die Domina habe mehr auf den Weinkauf [Handgeld], als auf die Qualifikation gesehen."


In einer ähnlichen Eingabe setzten sich kurz darauf auch die Adeligen für die Wünsche der Bewohner ein. Es war klar, daß sich die Domina diese plumpen Anschuldigungen nicht gefallen lassen konnte, und sie bat den Fürstbischof Christoph Bernard von Galen um seine Protektion als Landesherr, wie die Pfarreingesessenen, "ihrem bösen Gebrauch nach, wonach sie sich sechs abgelebten Pastoren allemal widersetzt hätten, jetzt wiederum sich erkühnten und zwar auf Anreizen eines sicheren und bekannten Menschen hin [gemeint war der Richter Hülshorst] den Kaplan zu Cloppenburg propria auctoritate einzusetzen." Daraufhin befahl der Bischof kurzerhand am 04. Januar 1667 den Beamten in Cloppenburg, daß Kaplan Schröder zum Besitz der Essener Pfarre zugelassen werden, da dieser ihm wegen seines exemplarischen und seiner Gelehrsamkeit gerühmt worden sei. Elf Tage darauf wurde er vom Pastor von Friesoythe und dem Richter in Essen in sein Amt eingeführt, "wird aber", wie in den Malgartener Akten zu lesen ist, "folgenden Tages von den wütenden Bauern (a furentibus rusticis] vertrieben, aber auf Befehl des Bischofs von Münster, Christoph Bernard, zur Zeit als die geist1iche Jurisdiktion noch bei Osnabrück stand [März 1667] wieder zurückgeführt".


Erwähnt wird noch, daß die führenden Köpfe des Aufstandes zur Verantwortung gezogen wurden, so daß man in Zukunft nicht mehr von einer aufständischen Bewegung hört. Trotzdem hatte Malgarten auch bei den Nachfolgern Schröders im Pfarramt Schwierigkeiten und zwar mit dem Bischof von Münster, der sich inzwischen die geistliche Jurisdiktion im Niederstift erworben hatte und das Präsentationsrecht für Essen für sich beanspruchte. Nach dem Tode Schröders wurde von der Domina Anna Elisabeth von Uterwich der Geistliche Nikolaus Christoph Vincke zum Pastor von Essen ernannt, der aber drei Jahre später von der bischöflichen Behörde in Osnabrück zum Pfarrer nach Damme berufen wurde. Dagegen protestierte aus dem obengenannten Grunde der Bischof von Münster und erklärte, die Pfarre Essen wäre durch den Fortgang Vinckes nicht erledigt und Vincke sein nach wie vor Pastor in Essen. Malgarten aber präsentierte am 31. März 1692 den Kaplan Bernard Kerstiens, was aber vom bischöflichen Generalvikar Bordewieck zurückgewiesen wurde mit der handschriftlichen Bemerkung: "Die Präsentation steht Frauen nicht zu," die dem Sinne nach mit der Einste1lung der Essener Einwohner übereinstimmte. Nach dem Tode Kerstiens übertrug Malgarten dem Johann Vagedes aus Löningen die erledigte Pfarrstelle, aber Generalvikar Bordewieck bestand darauf, daß Vincke noch rechtmäßiger Pastor von Essen sei und er daher die Präsentation von Vagedes nicht anerkennen könnte. Gegen dieses Vorgehen protestierte Malgarten und wandte sich an den Fürstbischof selbst.


In einem Dekret vom 29. Oktober 1701 wurde Pastor Vincke für abgesetzt erklärt und die Pfarre Essen als vakant bezeichnet. Somit war der Weg für Vagedes offen, der 1702 die Stelle antrat.


Der Prozeß um das Patronatsrecht aber lief weiter und am 14. Juni 1718 entschied das Generalvikariat, die Kirche in Essen sei kein Patronat Malgartens, die Vergebung der Pfarre stehe einzig und allein dem Bischof von Münster zu. Die Domina, Anna Marie von Schade, nahm aber auf die Entscheidung keine Rücksicht und präsentierte nach dem Tode Vagedes den Vikar von Emstek, Hermann Frye, für die Essener Pfarrstelle. Der alte Streit setzte wieder ein und als der neu ernannte Pfarrer drei Jahre vergebens auf die Bestätigung durch die bischöfliche Behörde gewartet und die Stelle als Vizekurat bedient hatte, legte er 1748 im Auftrage der Äbtissin Protest gegen die Entscheidung des Generalvikariats mit folgender Begründung ein:


1. Die Äbtissin sei in ruhigem, langjährigen um nicht zu sagen unvordenklichem Besitz des Patronatsrechts gewesen und dürfe


2. in einem solchen Besitz: nicht gestört, sondern müsse von der richterlichen Autorität geschützt werden,


3. Weder sie noch ihre Vorgängerin hätten vor jener Entscheidung Kenntnis erhalten; eine Erkenntnis gegen Unwissende sei aber ohne Rechtskraft. Wohl auf diesen Protest hin wurde Frye am 20. Februar 1849 vom Bischöfe Clemens August das Pfarramt übertragen "um jeden Schaden abzuwenden und ihm eine Gunst zu erweisen, ohne damit in den schwebenden Prozeß einzugreifen."


Zum letzten mal übte Malgarten das Präsentationsrecht aus im Jahr 1780. Franziska Theresia von Schade als Domina bat schon vor dem Tode des Pastors Frye in einem Briefe, für den Fall der Erledigung der Pfarre Essen den Kaplan Backmann in Lohne in Vorschlag zu bringen, der dann auch die Pfarre erhielt. In der sogenannten Malgartener Akte sind auch die Vikarie – Präsentationen verzeichnet, eine am Altare des hei1igen Pankratius und eine am Altare der heiligen Anna. Beide Vikarien, deren Inhaber nicht in Essen, sondern auswärts residierten, verfügten über je einen Hof [Helmerichs Hof in Felde bei Essen und Helmerichs Hof in Ahausen]. Als Äbtissinnen werden noch genannt Kunigunde von Lutten [1545], Angela Dorgeloh [1564] und Barbara Schlepegrell [1635], Im Jahre 1803 wurde das Kloster Malgarten säkularisiert und vom Könige Hironymus [Jerome] von Westfalen, einem Bruder Napoleons, in Besitz genommen, der auch die Rechtsnachfolge des Klosters für sich in Anspruch nahm. Von ihm ging es auf Hannover über, das 1849 erklärte, es wolle das Essener Patronat nicht weiter in Anspruch nehmen. Seit dieser Zeit wurde es bis auf den heutigen Tag ohne Widerspruch von anderer Seite von Münster ausgeübt.


Die alte Essener Kirche

Im Kriegsjahre 1870 begann man in Essen mit dem Abbruch der alten Kirche, der Vorgängerin unseres jetzigen stattlichen Gotteshauses. Sie war ein schmuckloser Findlingsbau und stammte aus dem Jahre 1601. In diesem Jahre hatte nämlich ein großer Brand den größten Teil des Dorfes samt Kirche, Glockenhaus [und Schule?] in Asche ge1egt. Auch die vier kostbaren Kircheng1ocken waren, was von allen Kirchspielseingesessenen am meisten bedauert wurde, in der Glut geschmolzen. Nach vorliegenden Aufzeichnungen und Überlieferungen der ältesten Essener Einwohner hat alte Kirche dem Orte nicht zur Zierde gereicht.


Schon die Tatsache, daß sie auf dem beim Brande stehen gebliebenem Mauerwerk errichtet wurde beweist, daß sie für die volkreiche Gemeinde viel zu klein war.


Ferner läßt die Bemerkung, daß die Kirche mit Hilfe von Spenden, die den Abgebrannten zuflössen, "alsbald notdürftig wieder hergestellt wurde", darauf schließen, daß auf eine würdige Ausgestaltung der Kirche wenig Wert gelegt wurde. Bei den damaligen Verhältnissen ist das zu verstehen, denn die Landwirtschaft war dem Ruin nahe; die Räubereien der spanischen und niederländischen Soldaten hatten den Leuten die letzten Werte genommen, so daß sie für den Bau kein bares Geld geben konnten. Die Kirche wird daher auch in Zukunft mehrmals ein "finsterer, eintöniger Steinhaufen" bezeichnet, in den so wenig Licht hineindrang, daß man selbst an hellen Tagen darin nur mit Mühe lesen konnte.


1619 wird geklagt, daß es infolge eines verlorenen Kirchenkapitals an Mitteln zur Restauration der Kirche und zur Wiederbeschaffung der Glocken fehle.


1651 klagt der Pastor, daß die Kirche noch 600 Reichsthaler Schulden habe, die wahrscheinlich von dem inzwischen beschafften Geläut herrührten. Das Gotteshaus selbst bestand aus dem 114 Fuß langen und 42 Fuß breiten Kirchenraum und dem Glockenturm. Nach altem Brauche war die Kirche so angelegt, daß das Chor nach Osten schaute, also dorthin, wo früher die Schule lag [zwischen Tepe und Ellerkamp]. Der Eingang befand sich in der Fortsetzung des vom Achterort kommenden Weges und des Zugangs zwischen Nobis und Bednarzyk. An der linken Seite [gleich hinter Nobis] erhob sich der hölzerne Glockenturm. Die Kirche lag also quer zum jetzigen Gotteshause und trug als einzigen Schmuck einen winzigen Dachreiter mit einer kleinen Glocke. Mehr als einmal sind an dem düsteren Bau Verbesserungen vorgenommen worden. [Schon 1703 bemerkte Pastor Vagedes, daß die Kirche für die damals 3000 Seelen zählende Gemeinde zu klein sei.]


Nach einem Visitationsbericht aus dem Jahre 1651 waren alle Fenster entzwei. Von den vier Altären befand sich nur einer in leidlichem Zustande. Die andern konnten nicht konsekriert werden und waren unzugänglich, weil Bänke davor standen. Ein Beichtstuhl war damals [kurz nach der lutherischen Zeit] noch nicht vorhanden. Das Kirchengerät war, abgesehen von zwei schönen Kandelabern, armselig: Zwei silberne vergoldete Kelche, eine kleine silberne Pixis, eine schwarze Kasel, eine zerbrochene Monstranz, ein römisches Missale und zwei Alben.


Als Ergebnis der Revision wurde dem Pfarrer aufgetragen: Beschaffung von Paramenten verschiedener Farbe, Reparatur der Monstranz, Aufstellung von Kreuzen auf den Altären, Entfernung des vierten Altars, Rückverlegung der adeligen Sitze von den Seitenaltären, Entfernung der zerfressenen oder zerrissenen Bilder, Beschaffung eines Beichtstuhles, Instandsetzung des Pfarrhauses, Neubau von Schule und Küsterhaus, Einfriedigung des Friedhofes und Errichtung eines Beinhauses. Wie neue Visitationen von 1654 und 1658 ergaben, war von dem Dekret 1651 fast nichts ausgeführt worden. Es ergingen daher neue Bestimmungen und Wiederholung der alten, z.B. Beschaffung eines Pluviale und eines weißen Meßgewandes, neue Bedachung der Kirche und des Pfarrhauses, Forderung einer jährlichen Abgabe von den Anbauern auf dem Kirchhofe, Kündigung des Küsters und Anstellung eines neuen, der zugleich die Schule bedient, Aussetzung sicherer Lebensbedingungen durch die Gemeinde für Küster und Lehrer, Ankauf des Schlingmannschen Hauses auf dem Gosekamp für den Küster, Einbeziehung des Zehnten von säumigen Einwohnern, Sauberhaltung des Taufsteins, Unterhaltung eines Ewigen Licht es . In den folgenden Jahren müssen die Mänge1 abgeste11t worden sein, denn auf der Visitation 1660 werden nur wenige mehr erwähnt.


Nur vom Pfarrhause klagt 1660 Pastor Schröder, daß es verfallen sei, Dieben offen stehe und nicht repariert werde. 1703 berichtet Pastor Vagedes: "Die Kirche ist gut, nur ist sie für die 3000 Seelen zählende Gemeinde zu klein." Als Inventar und Geräte führt er an: drei Altäre, vier Glocken, zwei römische Missale, eine silberne Monstranz, zwei silberne Kommunikatenbecher, zwei Meßkelehe und ein Ziborium. In der Nacht vom 04. zum 05. September 1642 wurde in die Kirche eingebrochen und die Monstranz und das Ziborium gestohlen. Pastor Frye ließ 1770 einige neue Fenster einbauen, so daß man auch "zur Winterzeit das Evangelium vorlesen konnte." Die unregelmäßig ausgehauenen Fensterhöhlen machten aber das an und für sich unschöne Gebäude noch häßlicher. Außerdem wurde 1770 die Orgel repariert, auch die Sakristei wurde verbessert und neue Statuen wurden angeschafft, so daß Pastor Frye stolz schreib: "Wer jetzt hineinkommt, kennt die Kirche, die ich beim Dienstantritt hier vorgefunden habe, kaum wieder." Wie mag dann also wohl die Kirche vorher ausgesehen haben? 1837 waren Kirche und Glockenhaus bei der Brandkasse für 3.800 Reichsthaler versichert. Nach dem Brande am 14. Juli 1601 , bei dem sämtliche Glocken zugrunde gingen, wurde vorerst nur eine Glocke, die große Glocke oder Kleppglocke, beschafft, Sie zeichnete sich durch ihren wunderbaren Klang aus, der nach einer sagenhaften Überlieferung auf folgenden Grund zurückzuführen ist:


Als sie im Hülsenmoor gegossen wurde, trugen die adeligen Damen von Gut Lage goldene und silberne Kostbarkeiten in ihren Schürzen herbei und mischten sie unter die Glockenspeise. Dadurch soll die Glocke ihren wundervollen Klang erhalten haben. Dieser fiel sogar der verrohten schwedischen Besatzung während des 30-jährigen Krieges auf Als nämlich 1653 die Schweden abzogen, nachdem sie vorher die ganze Gemeinde ausgeraubt hatten, läuteten die Essener vor Freude mit ganzer Kraft die prächtige Glocke. Als die Schweden das herrliche Geläut vernahmen, kehrten sie zurück, um auch dieses wertvolle Beutestück noch mitzunehmen. Ein resoluter Bürger Essens aber stieg schleunigst in den Glockenturm und schlug mit einem eisernen Hammer ein Stück aus dem unteren Rand der Krone, wodurch sie an Wert verlor und von den Schweden verschont blieb.


In Wirklichkeit wird es wohl so gewesen sein, daß das Stück beim Läuten herausgeflogen ist. Sie wurde zuletzt nicht mehr benutzt und mußte im ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Erst 1632 war man imstande, den Glockengießer Ottink, der damals mehrere Glocken in unserer Gegend goß oder umgoß, zum Guß zweier neuer Glocken zu gewinnen. So entstanden die Läuteglocke und die Bartholomäusglocke. Hinzu kamen 1884 die kleine Meßglocke, gegossen von den Brüdern Petit in Edelbrock. Näheres über die Inschriften der Glocken siehe unter "Kunstdenkmäler - Heimatkunst. Auch das Innere der Kirche war nicht dazu angetan, eine andachtsvolle Stimmung zu erzeugen. Der Blick auf den Hochaltar und die beiden Seitenaltäre, sowie der Zugang zu den Beichtstühlen war durch die Chorstühle der Adeligen zum größten Teil verdeckt. In der lutherischen Zeit hatten nämlich alle Adeligen entweder auf dem Chor oder im Schiff vor den Seitenaltären, wo früher die Beichtstühle gestanden hatten, ihre Kirchenstühle aufgebaut. Als dann nach Einführung der katholischen Lehre wieder Kirchenstühle aufgestellt werden mußten - 1669 war ein Beichtstuhl beschafft -war daher kein Platz dafür vorhanden, so daß der Pastor im Chorstuhle Beichte hören mußte. Der erste Beichtstuhl konnte nur von einer Seite benutzt werden, da an der anderen Seite der große Kirchenstuhl eines Adeligen im Wege stand. Der Stuhl der Adeligen von Ca1horn war so hoch, daß er , wie 1651 gek1agt wurde, über die Kanzel ragte. Eine weiter Verunstaltung erhielt das Innere der Kirche durch mehrere Pricheln oder Bäöns. Auf dem "Calhorner Bäön" an der Nordwand der Kirche, konnten etwa zwölf bis sechzehn Personen Platz finden. Er wurde in der Regel von Leuten aus Bevern benutzt. Woher der Name stammt, kann man nicht mehr feststellen, wahrscheinlich hat der Gutsherr von Calhorn die Kosten der Errichtung teilweise oder ganz getragen. Die größte Prichel war unter dem Orgelboden und reichte fast über das halbe Kirchenschiff hinweg. Traurig war es, wie schon ausführlich erwähnt, auch mit dem Inventar, den Paramenten und den heiligen Geräten bestellt.


Als nach der Gegenreformation im Niederstift Pastor Konrad Grüther a1s erster kath1ischer Geist1icher 1614 die Pfarre antrat, feh1te es an allem und jedem. Gelder waren nicht vorhanden und ein Prozeß gegen den 1etzten 1utherischen Prediger Johann Molan. wurde angestrengt, daß er Güter der Kirche verschleudert habe. Daher mußte Generalvikar Dr. Hartmann den Beamten in Cloppenburg den Befehl erteilen, eine Steuer für die Gemeinde Essen auszuschreiben , damit wenigstens das Notwendigste zur Darbringung des heiligen Meßopfers beschafft werden könne. Als 1618 Dr. Hartmann nochmals zur Visitation in Essen erschien waren vorhanden: eine Monstranz, ein Ziborium, ein Krankenkreuz, Fahnen und ein Weihkessel. Die Besitzer des Gutes Lage hatten in der a1ten Essener Kirche einen eigenen Begräbnisp1atz. Eine Grabplatte ist in der neuen Kirche am Turmeingang angebracht worden. Gut Calhorn hatte einen Begräbnisplatz außerhalb der Kirche. Eine Grabplatte auf dem östlichen Teile des Kirchhofs mit dem Bilde eines Ritters kennzeichnet noch heute die Grabstelle. Die verstorbenen Adeligen von Vehr und Arkenstede sowie ihre Angehörigen wurden nicht in Essen begraben. Dagegen versuchte um 1820 die Familie Cloedt auf Klein Arkenstede ein Erdbegräbnis auf dem Kirchhof zu erhalten.


Die Adelsfamilie von Schorlemer auf Gut Vehr erwarb bei der Anlage des neuen Friedhofs auf dem Gosekamp eine eigene Grabstätte auf dem westlichen Teil des Friedhofes. Im Inneren der Kirche haben auch die Pfarrgeistlichen ihre letzte Ruhestätte gefunden, als erster der 1848 verstorbene Pastor Bernard Mönnig. Von der alten Essener Kirche wird folgende Spukgeschichte erzählt mit der der Bericht über die alte Kirche seinen Abschluß finden soll:


Ein Knabe, der zur Beichte gewesen und in der Kirche eingeschlafen war, wurde abends aus Versehen vom Küster eingeschlossen. Gegen Mitternacht wurde er von einer Stimme geweckt, die rief: „Ist jemand da, der mir zur Messe dienen kann?“ Der Junge sah zu seinem Schrecken eine mit dem Messgewande bekleidete Gestalt am Altare stehen. Er wagte aber nicht, sich bemerkbar zu machen, sondern verhielt sich ganz still, worauf die Erscheinung unter tiefen Seufzen wieder verschwand. Als der Knabe am Morgen die Kirche verlassen konnte, eilte er sofort zum Pastor und erzählte ihm die seltsame Erscheinung. Auf dringendes Zureden des Pfarrers ließ sich der mutige Knabe in der folgenden Nacht abermals einschließen. Wiederum trat zu Mitternacht die Gestalt an den Altar und wiederholte die Frage. Jetzt trat der Knabe hervor und erbot sich zum Messedienen. Als die Handlung zu Ende geführt war, verschwand die Erscheinung mit dem jubelnden Ausruf: "Ich bin erlöst!" Seitdem wurde sie nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hatte ein verstorbener Geistlicher es verabsäumt, eine bestimmte Pflichtmesse zu lesen.


Nachtrag "Alte Kirche in Essen"


Über Renovierungsarbeiten an der alten Kirche berichtet Dr. Walter Kloppenburg in der Münsterländischen Tageszeitung vom 08. Januar 1966: "über den Zustand der alten Kirche in Essen urteilt Hofrat Lasius ins, Oldenburg, im Auftrage des erst n Offizia1s Hero1d am 20. Januar 1843 in einem zwanzig Seiten umfassenden Gutachten. [Staatsarchiv]: "Seit 1833 existieren Akten über Mängel und Schäden an der Essener Pfarrkirche. Als Baustoffe waren gebraucht: gesprengte Feldsteine [Kieselsteine, Granitquader, Ortstein [Raseneisenerz] aber nur selten Ziegelsteine. Architekt Niehaus, Hase1ünne, der als Bausachverständiger zu verschiedenen Kirchenbauten herangezogen wurde, hat die Kirche in Essen 1833 besichtigt und keine Gefährdung der So1idität der Kirche gesehen. Ende 1836 zeigten sich Risse im Gewölbe der Kirche, welche wahrschein1ich von einem Orkan am 09. November des Jahres rührten. Zur Befestigung der Mauern ließ Maurermeister Wahl aus Lengerich eiserne Anker am Dachgewölbe anbringen. Am 27. April 1837 schlug Bauinspektor Niehaus zur Beseitigung der Einsturzgefahr der südi1ichen Außenmauer fünf oder sechs äußere Spitzpfei1er vor, dessen Bau aber vom Kirchenausschuß abgelehnt wurde. Ledig1ich Dachgerüst und Bedachung wurden verbessert . In den Jahren 1842 hatten sich die alten Risse bedeutend verbreitert und Baurat Lasius wies mit Besorgnis auf den Löninger Kirchturm hin der auch zuerst Risse im Ortsteinmauerwerk gezeigt habe und dann eingestürzt sei. Pastor Mönnig aber erklärte Neujahr 1843, daß die Risse im Gewölbe ohne Bedeutung seien und daß der Zustand der Mauern nicht den leisesten Grund zur Besorgnis gebe. Maurermeister Wahl schlug vor, die schadhafte Mauer auf 42 Fuß Länge abzubrechen, ohne die Treppe im Innern neu aufzubauen und am Dach Verstrebungen anzubringen. Der Ausschuß stimmte für die Reparatur, doch Baurat Lasius brachte als Gegenvorschlag, die am stärksten ausgebauchten Stellen des Mauerwerks abzustützen, die äußere Verkleidung der Mauern zu erneuern und das Dachgerüst so zu verstreben, daß es keinen nachhaltigen Schub auf das Mauerwerk ausüben könne und das Zimmerwerk des Daches zu erneuern. Er schließt seinen Vorschlag mit den Worten: "Bei dem vorzüglich guten Zustand der inneren Mauern und der Gewölbe glaube ich, daß diese Kirche vor vielen anderen verdiene, erhalten zu werden und dürfe dem Bedürfnis nach einer eventuellen Erweiterung durch Anlage eines geräumigen Querschiffes an Stelle des Chores [wie in Dinklage] gerecht werden. Im Hinblich auf eine solche Erweiterung kann die sorgfältige Conservation des Vorhandenen [für die er Maurermeister Wahl vorschlägt] nicht genug empfohlen werden."


Diese Ansicht des höchsten Bausachverständigen im Lande hat ihre Wirkung auf die Verfechter eines Kirchenneubaues nicht verfehlt. Zu ihnen gehörte anfänglich auch Pastor Mönnig, der schon beim Antritt der Pfarre 1810 den Plan gefaßt hatte, die alte düstere Kirche durch eine neue zu ersetzen. Aber durch den großen Brand im Jahre 1811 war die Bevölkerung verarmt und der Platzmangel spielte auch nicht mehr die Hauptrolle, weil der Besitzer auf Gut Calhorn ein eigenes Oratorium für die Bewohner der östlichen Bauerschaft erbaut hatte, weil die Gläubigen aus dem Süden der Gemeinde nach Quakenbrück und die aus Warnstedt nach Krapendorf zur Kirche gingen.



Quellen


  • Heinrich Bockhorst - Manuskript
  • Willoh - Geschichte der kath. Pfarreien
  • Heinz Strickmann
  • aufgearbeitet h. br.
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