Schule in Bevern und Addrup

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Bauerschafts- oder Nebenschulen

Die Schule in Addrup

Als älteste der Volksschulen auf den Bauerschaften, den sogenannten Nebenschulen, wie sie im Gegensatz zur Hauptschule im Orte genannt wurden, wird 1669, ca. 15 Jahre nach der Gründung der Hauptschule, eine Schule in Addrup mit 22 Kindern erwähnt. Sie wurde besucht von den Kindern aus Addrup, Bevern, Uptloh und einem Teil von Osteressen. Um 1703 unterrichtete Lehrer Strop an der Schule. Die Stropsche Schule, wie sie im Volke kurz genannt wurde, besuchten 14 Kinder aus Addrup, 20 aus Bevern, 15 aus Uptloh und 10 aus Osteressen. 1732 war Lehrer an der Schule Johann Cramer sive Eilers. Die Addruper Schule wird dann 1772/73 wieder erwähnt. Als Overberg 1784 die Schulen des Niederstifts visitierte, amtierte in Addrup Lehrer Johann Hermann Moorkamp, ein Heuermann, der "cum consensu pastoris" seit 1763 die Schule geleitet hatte. Das Schulgebäude war brauchbar, doch fehlten die Schreibtische. Moorkamp war damals 55 Jahre alt und unterrichtete im Winter 30 - 60 Kinder. Von jedem Kind erhielt er 24 Grote Schulgeld. Die Kinder wurden unterrichtet in Religion, Schreiben, Buchstabieren und Lesen nach der Lehrart Felbigers Overberg, der bei der Beurteilung der Führung und Lehrertätigkeit einen strengen Maßstab anlegte, bezeichnete Fleiß und Aufführung als gut, die Lehrtätigkeit als mittelmäßig. Er fand die Kinder ziemlich gut unterrichtet, nur die Handschrift bemängelte er. Die Schule, so berichtet er ferner, war besucht von den Kindern aus Addrup, Gut Lage, Nordholte und Stadtsholte. Bei Regenwetter wurde die Niederung am Beverner Mühlenbach oft überschwemmt, sodass die Kinder dann nicht alle zur Schule kommen könnten. Im Jahre 1812 war Gottlieb Brockhagen Lehrer an der Addruper Schule. Nach gut bestandener Prüfung, die alle drei Jahre stattfand, erhielt er eine halbe Zulage, die nach seinem Tode 1816 auch an seine Erben ausbezahlt wurde. Sein Nachfolger Gerhard Kayser wurde in der Prüfung 1817 als kaum geeignet zum Lehrer befunden, sodass er keine Zulage erhielt und die Prüfungskommission vom Generaldechanten Haßkamp in Vechta einen Bericht forderte, ob er in seinem Amte erhalten bleiben könne. Kayser muss sich aber doch bewährt haben, denn er leitete noch 1834 die Schule. In Addrup befand sich damals keine Lehrerwohnung, auch erhielt der Lehrer keine Wohnungsentschädigung. Die Schule wurde von 76 Kindern besucht, die pro Semester 24 Grote bezahlten. Die Neujahrskollekte brachte drei, die Erntekollekte 10 Rthlr.; außerdem erhielt er eine Zulage von 10 Rthlr., insgesamt also rund 60 Rthlr. Schulzeit war im Sommer wie im Winter wie in Bevern. Für die Erntekollekte betet der Lehrer an Sonn- und Feiertagen nachmittags vor und hielt zuweilen auch Christenlehre. Das jetzige Schulgebäude wurde 1861 an der Straße Bevern - Lüsche errichtet und das alte Schulgebäude zur Lehrerwohnung umgebaut. Nach Gerhard Kayser wurde sein Sohn Bernhard Kayser Lehrer in Addrup. 1888 wurde die Schule von 65 Kindern besucht. Am 29.01.1881 wurde Josef Willenborg Lehrer in Addrup. Nach dem Tode Bernard Kaysers war vom 14.04.1889 bis zum 30.05.1900 Lehrer Bernard Wichmann an der Schule tätig. Im Jahre 1921 wurde die Schule in Addrup zweiklassig und 1940 wurde sie durch einen Anbau vergrößert, wodurch eine Klasse und der Flur vergrößert und ein Raum für Lehrmittel geschaffen wurde. Die Schule besitzt eine vorbildlichen, eingefriedigten Spielplatz. Nach dem Zustrom der Flüchtlinge aus dem Osten (1946-47) wurde an Stelle des geplanten Werkraumes eine weitere Schulklasse ausgebaut.

Nach der Jahrhundertwende unterrichteten an der Schule in Addrup

a) als Hauptlehrer: August Bunker als Verwalter vom 05.06.1900 - 01.10.1900,

Hauptlehrer Heinrich Vornhusen vom 20.10.1900 - 1.10.1929. Er versah auch das Amt eine Organisten an der Kapelle in Bevern.

Hauptlehrer Joseph Diekgerdes vom 01.10.1929 bis 1959. Er konnte 1954 sein silbernes Ortsjubiläum und sein 40-jähriges Dienstjubiläum feiern und genoss vor allem wegen seines goldenen Humors in der Bauerschaft Achtung und Wertschätzung.

b) als zweite Lehrer:

Willi Schürmann vom 01.01.1921 - 26.4.1924, danach Berufschullehrer in Cloppenburg,

Joseph Meyer vom 21.04.1924 - 01.10.1926, wurde Hauptlehrer in Bevern, im 2. Weltkrieg gefallen,

Franz von der Heide vom 01.10.1926 - 01.04.1930, danach Hauptlehrer in Vahren,

Joseph Riesselmann vom 01.4.1930 – 01.10.1932, danach Hauptlehrer in Bahlen,

Frieda Bröring vom 1.10.1931 - 1.4.1932, danach Lehrerin in Dinklage,

Heinrich Buschmann vom 1.4.1932 - 1934, im 2. Weltkrieg gefallen,

Bernard Thomann von 1934 - 1936, danach Hauptlehrer in Herbergen,

Edgar Fichtner bis 1948, danach Lehrer in Ramsloh,

Joseph Jaspers bis 1.4.1949, danach Lehrer in Calhorn,

Franz gr. Kohorst vom 1.4.1949 - 1.7.1952, danach Lehrer in Ambühren und Kreisjugendpfleger,

Karl Flottemesch vom 1.5.1952 - 1.4.1954, danach Mittelschullehrer in Damme,

Hans Hellkamp vom 1.4.1954 - 30.10.1956, danach Lehrer in Großeging, Joseph Bergmann vom 30.10.1956 –1958

F. Nienaber 1958 – 1959

J. Klinker 1959

M. Sandhaus 1959 – 1962

A. Marx 1962

E. Lübbers 1963

H. Ast 1964 – 1966

Am 1. März 1966 wurde die Schule in Addrup aufgelöst. Durch den starken Einsatz der Eltern wurde ein kostenloser Transport der Kinder zur Schule in Bevern erreicht. (Sitzung Gemeinderat am 27. Juni 1966) Der Kampf die baufällige Schule zu ersetzen und zu erweitern konnte nicht durchgesetzt werden.


Die alte Schule in Bevern

In der Zeit von 1703 - 1732 wurden nach der ersten Nebenschule in Addrup auch eine neue Schule in Bevern eingerichtet, denn 1703 besuchten die Kinder aus Bevern noch die Addruper Schule. An der neuen Schule, die bald die Mutterschule überflügelte, wird 1732 als Lehrer Heinrich Rantze genannt. 1759 wurde mit Genehmigung des Pastors der Heuermann Philipp Hormann für die Winterzeit als Lehrer angestellt. Die 45 Kinder zahlten jährlich als Schulgeld je 24 Grote. Die Fähigkeit des Lehrers wird als mittelmäßig bezeichnet, Fleiß und Aufführung werden nicht getadelt. Lehrstücke waren wie überall Religion, Lesen und Schreiben. Überschwemmungen hinderten die Kinder zuweilen am Schulbesuch. In die Beverner Schule gingen auch die Kinder aus Uptloh, von denen einige einen Schulweg von mehr als einer Stunde hatten. Um 1812, als Bernard Mönnig Pastor in Essen war, leitete die Schule der junge Lehrer Heinrich Horn, der 1817 die alle drei Jahre stattfindenden Prüfung nicht bestand und infolgedessen als kaum geeignet für den Schuldienst befunden wurde. Er muss sich aber doch bewährt haben, denn um 1732 war er als Lehrer in Bartmannsholte angestellt. Ihm folgte Heinrich Högemann, der mit Frau und Kindern nach Amerika auswanderte, was damals bei der Bevölkerung großes Aufsehen erregte. 1834, als Friedrich Thöle aus Lutten als Lehrer in Bevern amtierte, bestand noch keine Lehrerwohnung, auch erhielt der Lehrer keine Wohnungsentschädigung. Die Schule lag zwischen Uptloh und Bevern auf dem Grundstück des Zellers Niehe und musste von der Bauerschaft unterhalten werden. Sie wurde von 110 - 120 Kindern aus Bevern, Darrel, Uptloh und dem Gute Calhorn besucht. Das Schulgebäude war zwar neu, aber für die vielen Kinder reichte es kaum aus. Thöle erhielt als Schulgeld 24 Grote für jedes Kind, also für 110 Kinder 73 Rhtlr. 24 Grote, außerdem bekam er eine jährliche Zulage von 10 Rthlr. und 5 Rthlr. Prämie. Über seine schulische Tätigkeit berichtet Lehrer Thöle sehr interessant:

"Ich bin verpflichtet, im Sommer und Winter Schule zu halten. Im Winter dauert die Schule von 9-12 Uhr mittags und von 1-4 Uhr nachmittags. Der Lehrer muss auf sein Kosten den Ofen heizen. Die Schule hat einen Ofen, eine schwarze Tafel, einen Tisch und einen Stuhl für den Lehrer. In der Woche vor Fastnacht hält der Lehrer mit 4 - 6 Schülern in der Schulacht eine Kollekte und bekommt dann Eier, Würste und etwas bares Geld. An Sonn- und Feiertagen, an den Feiertagen in der Fastenzeit und an den drei letzten Tagen der Karwoche betet der Lehrer nachmittags in der Schule vor. Dafür werden ihm von den Beerbten in der Ernte Roggen- und Hafergarben im Werte von durchschnittliche 12 Rhtlr. gegeben. Das Herkommen der Fastnachts- und Garbenkollekte ist schon alt."

Um 1876, als Lehrer Johannes die Schule in Bevern leitete, wurde sie von 72 Schulkindern aus Bevern, Calhorn und Uptloh besucht. Am 22.10.1882 kam Lehrer Heinrich Timmen von Herbergen nach Bevern (Schülerzahl 1888 = 84). Er starb am 01.05.1919 in Münster/Westf. Wegen der steigenden Schülerzahl infolge zunehmender Besiedlung musste schon um die Jahrhundertwende eine zweite Klasse eingerichtet werden. Durch den Schulneubau in Calhorn, eröffnet am 15.04.1931 und die Errichtung einer neuen Schule in Uptloh in national-sozialistischer Zeit (1937) wurde die Beverner Schule fühlbar entlastet. Trotzdem nahm nach der Kapitulation die Schülerzahl derart zu, dass die alte Schule nicht mehr ausreichte. Deshalb wurde 1950 gegenüber der alten Schule eine moderne Schule mit drei Klassen, einem Werkraum und Lehrerwohnungen neu erstellt. Der Werkraum wurde als Klassenzimmer für die von Addrup nach Bevern verlegte evangelische Schulklasse eingerichtet, die aber 1856 wegen zu geringer Schülerzahl wieder aufgehoben werden musste. Nach der Jahrhundertwende wirkten an der Schule

a) als Hauptlehrer:

01.05.1910 - 15.10.1926 Hauptlehrer Anton Kock, vorher in Herbergen, +15.11.1926,

15.10.1926 - 01.04.1927 als Vertreter Gustav Hackmann, später Uptloh, 01.04.1927 - zum 2. Weltkrieg zunächst als Verwalter, dann als Hauptlehrer

Joseph Meyer. Er war Organist, Leiter des Kirchenchores und in der national-sozialistischen Zeit Ortsgruppenleiter.

10.10.1941 -27.01.1942 Konrektor Heinrich Bockhorst als Vertreter des zum Kriegsdienst einberufenen Hauptlehrers Meyer, ebenfalls 27.01.1942 Lehrerin Maria Apke. Beide führten auch die Unterklasse.

01.04.1948 - 01.10.1950 als Verwalter Lehrer Heinrich Müller, später Hollenermoor,

01.10.1950 - Hauptlehrer Hubert Eveslage, früher in Essen. Er war Vorsitzender des Heimatvereins Bevern und Ratsmitglied.

b) 2. Klasse:

01.10.1901 - 01.05.1903 Lehrer Georg Vogelpohl, später in Ruhestand in Vechta,

01.05.1903 - 01.10.1904 Lehrer Viktor Stukenborg, lebte im Ruhestand in Cloppenburg,

01.10.1904 -01.05.1909 Lehrer August Bünker, später Hauptlehrer in Lastrup,

01.05.1909 - 01.05.1912 Lehrer Fritz Suhrenbrock, später Hauptlehrer in Vahren, + 20.1.1957,

01.05.1912 - 01.10.1915 Lehrerin Maria Blömer,

01.10.1914 - 16.01.1915 Lehrer Franz Rolfes, später Lehrer in Sierhausen. 16.01.1915 - 01.04.1920 verwalteten die Stelle Hauptlehrer Kock, die Lehrerinnen

01.05.1919 - 01.04. 1920 Arkenau und Wallenhorst und Lehrer Herrn Meyer,

01.04.1920 - 01.04.1923 Lehrer Joseph Krapp, später Lehrer in Mühlen, 01.04.1923 - 01.10.1926 Lehrer Franz Börgershausen, später in Ellerbrock,

01.10.1926 - 01.04.1927 Lehrer Joseph Meyer,

01.10.1929 – 01.10.1931 Lehrer Joseph Südkamp

01.10.1929 - 01.10.1931 Lehrerin Dora Klinker, verunglückt durch Unfall,

01.05.1937 Lehrer Heseding, später Taubstummenlehrer in Wildeshausen, Lehrer Heinrich Schillmöller,

Wilhelm Carstens, später Lehrer und Bürgermeister in Lohne,

Lehrerin Frieda Hölscher,

Lehrer Martin Brämswig, später a.D. in Lohne,

6.8. - Lehrerin Margarethe Kaschny,

01.08.1948 - 01.04.1953 Heinrich Müller, später Lehrer in Garthe.

01.10.1954 – 01.04.1958 Lehrer Hans Georg Koll

01.04.1953 – 01.10.1954 Lehrerin Maria Kulik, Fr. Dreiling als Lehrerin.

Meine Mutter hatte Unterricht beim Lehrer Kock in den Jahren von 1920 – 1923 in Bevern und hat diesen Lehrer als „furchteinflößend“ beschrieben. Täglich musste sie an dessen Wohnung vorbei und, sie war stets von Angst begleitet.


Benutzte Quellen:

private Unterlagen

Manuskript von Herrn Strickmann

Aufgearbeitet: H. Brümmer

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