Pfarrer an der Essener Kirche
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Die Pfarrer an der Essener Kirche.
a) In vorlutherischer Zeit
1. Herr Joannes. In einer Urkunde vom 09. Sept. 1279 wird er laut Mitteilungen des historischen Vereins Osnabrück plebanus in Essen genannt.
2. Herr Henricus, Stifter der Vikarie St. Nikolai et Catharinder 1338.
3. Herr Blanke, Stifter der Vikarie St. Joannis evangelistae et Pankratii, 1402.
4. Roleff uffm Orde war am 23. November 1491 Kerkher in Essen.
5. Gerd Rameshusen ist 1521 Kerkher in Essen, denn am Sonntag nach Bekehrung Pauli d. J. bekennt Otto Voß, Senior der Domkirche in Osnabrück, Probst von St. Sylvester in Quakenbrück und Archidiakonus zu Essen, daß vor ihm erschienen sei der Kerkrath [Kirchenvorstand] der Kirche des hl. Bartholomäus in Essen und erklärt hätte, das Kirchspiel habe zu ewigen Besitz dem Herrn Gerd Rameshusen, jetzigen Kerkhern zu Essen, sowie seinen Nachkommen das Wempen Erbe zu Lohe im Kirchspiel Essen übergeben mit der Verpflichtung, daß der Kerkher alle Dienstage eine singende Messe zu Ehren der hl. Mutter Anna halte. Der Kerkrath gibt dazu Wein und Lichter her und setzt für den Kapelan 6 Pfennige und für den Küsten 3 Pfennige aus. Das Opfer, welches der hl. Anna gegeben werde, solle zur Hälfte dem Kerkrath zur Beschaffung von Licht, Wein und Brot zufallen. Das andere sollen Kerkher und Kerkrath zusammenlegen und zwar solange, bis man jährlich Vigilie und Seelenmesse für die Stifter der St. Annen-Bruderschaft davon halten könne. Am 16.02.1524 verzichtet Rameshusen zu Malgarten, Priester der Diözese Osnabrück und curatus in Essen ohne Zwang vor der priorissa Adelheid von Raden, der subpriorissa Sophie von Meppen und der Cell. Hildegunde von Basten auf seine Parochialkirche in Essen mit allen Rechten zugunsten des Herrn
6. Gerhard Hoven [1524 – 1548]. In seiner Amtszeit wurde die lutherische Lehre im Niederstift und auch in Essen eingeführt. Ob Hoven die Schwenkung mitgemacht oder sich einen Merzenarius oder Vicecuratus gehalten hat und selbst katholisch geblieben ist und vielleicht anderswo wohnte, ist nicht bekannt.
b) In nachlutherischer Zeit
1. Konrad Grüther, Priester der Diözese Osnabrück [1614 – 1622]. Über seine Präsentation berichtet die Malgartensche Chronik: 1613, den 20. Dezember alten Stils erschien vor dem Notar Nikolaus Poggelmann, Hermann Westhof, Abt in Iburg, Alheid von Langen, Domina, Agnese Vincke, priorissa, Barbara von Schiepegreil, Küsterin und der ganze Konvent. Es wurde vorgetragen, daß Herr Johannes Molan, Pastor in Essen "ob certas causas" seines Dienstes entsetzt ist, somit die Präsentation zur Pfarrstelle in Essen an den Konvent zu Malgarten zurückgefallen sei, einen qualifizierten Priester für genannte Kirche zu präsentieren. Dieser verspricht, der Pfarrkirche zum heiligen Bartholomäus in Essen als seiner ihm angetrauten Braut wie ein guter Pastor vorzustehen, den reinen, unbefleckten, wahren, katholischen Glauben zu lehren und zu verkündigen, die Sakramente nach dem Ritus der katholischen Kirche und gemäß den Dekreten des Konzils von Trient zu spenden, keine Irrlehren in seiner Gemeinde zu verbreiten und weder im geheimen noch offenen Konkubinat zu leben. Er darf außerdem keine Ländereien veräußern und hat jedesmal auf Verlangen des Konvents ein genaues Register der zur Pfarre gehörenden Güter beizubringen. Jedes Vergehen gegen obige Bestimmungen zieht sofortige Amtsentsetzung nach sich. Darauf schwört Grüter dem Konvent in Malgarten den Eid. Anfangs scheint Grüther seinem Versprechen nachgekommen zu sein und das Volk fing an, sich mit der neuen Ordnung zu befreunden. Dr. Hartmann bemerkt im Visitationsprotokoll 1619: "Selbst an gewöhnlichen Sonntagen geht man zur hl. Kommunion!" Aber dann ließ sein Wandel zu wünschen übrig. Im August 1622 wurden schwere Anschuldigungen gegen ihn erhoben, weshalb er zu 30 Thalern Brüche und dreiwöchiger Haft auf der Burg verurteilt wurde. Bald darauf lief er fort, als offenkundig wurde, daß er sich mit seiner Magd vergangen hatte.
2. Albert Kramer aus Vechta [1623 – 1628] gehörte der deputierten Kommission zur Abnahme der Kirchenrechnungen an und wurde Pastor in Krapendorf. Als nach Aufhebung der Archidiakonate - Essen unterstand dem Archidiakonat des Probstes von Quakenbrück - am 01. Mai 1630 in Vechta und Cloppenburg Dechanten ernannt wurden, betraute man Pfarrer Albert Kramer mit diesem Posten.
3. Kornelius Arnold übernahm nach Kramers Abgang die Verwaltung der Pfarre und wird Vizekurat genannt. Wegen nicht guter Aufführung muß er Essen verlassen und wurde später Pastor in Lindern.
4. Johannes Brand oder Brandt, Caplan in Cloppenburg [Sommer 1630 - 19.8.1661]. Bereits am 11.12.1629 war ihm vom Abt von Iburg und vom Konvent in Malgarten die Pfarrstelle übertragen worden, aber da Arnold im Juni 1630 Essen noch nicht verlassen hatte, trat Brandt erst verspätet die Stelle an. Über seine Absetzung durch die Schweden berichtet der Aufsatz "Wiedereinführung der katholischen Lehre" und über seine Bemühungen um den Gosekamp der Aufsatz "Streit um den Gosekamp". In der Visitation vom 13.06.1654 heißt es über ihn: "Pastor Brandt hat bei sich eine Schwester und einen Neffen und hält fleißig Kathechese. Früher war sein Wandel nicht frei von Tadel und er ist dieserhalb ermahnt worden, doch jetzt ist seine Führung über allen Verdacht erhaben. 1660 wohnten in seiner Pfarre neunzehn Andersgläubige.
5. Hermann Ferdinand Brogberen [25.08.1661 – 1666]. Bei seiner Präsentation durch Malgarten erhob sich gegen ihn, weil er keine geeignete Persönlichkeit sei, ein heftiger Widerspruch, der zu Aufruhr und Tumult führte. Malgarten bestand zwar auf seinen Willen, doch liest man nichts von seiner Installation; er wird vielmehr Vizekurat genannt, über den Streit zwischen den Pfarreingesessenen und Malgarten unter Brogberen und seinem Nachfolger Schröder berichtet der Aufsatz "Folgen der Klostergründung". Unter solchen Umständen hat Brogberen keine angenehmen Tage in Essen verlebt und die Abneigung gegen ihn hat wahrscheinlich den Keim zu einer Krankheit gelegt, von der er sich nicht wider erholen sollte. Kurz vor dem Tode berichtet der Richter Hülshorst über die ernstliche Erkrankung Brogberens und bittet im Namen vieler Eingesessenen, daß die Äbtissin doch einen in Wort und Werken guten exemplarischen Pastoren präsentieren möge. Nach dem Tode Brogberens, etwa im Oktober 1666, präsentierte Malgarten wiederum gegen den Willen der Essener Bevölkerung den bisherigen Kaplan von Alfhausen
6. Rudolph Hermann Schröder, der am 15.01.1667 durch den Dechanten in sein Amt eingeführt wurde. Aber noch am gleichen Abend stürmte die wütende Volksmenge das Wehdumhaus und der Pastor wurde auf die Straße gesetzt. Die Stelle wurde vorläufig bis auf weiteres von dem Kaplan Wersing von Krapendorf verwaltet, bis März 1667 Pastor Schröder zurückkehrte und von der Zeit an nicht mehr behelligt wurde. Jedenfalls hat die Strafe, welche die Anführer und Meuterer traf, abschreckend gewirkt. Unter Pastor Schröder wurde 1669 die Essener Himmelfahrtsprozession eingeführt. Er starb 1689.
7. Nikolaus Christoph Vincke [19.7.1689 – 1692] wurde als Pastor nach Damme berufen, was aber von Münster nicht anerkannt wurde, da es auch die Jurisdiktion von Damme beanspruchte. Von Vinckes Weggange an verwaltete der Essener Kaplan
8. Bernard Kersiens, dem Namen nach als Vizekurat, in Wirklichkeit als Pastor vom 31.03.1692 - 12.03.1700 und nach dessen Tode der Kuratgeistliche Bern. Studtbrock für zwei Jahre die Pfarre Essen.
9. Johannes Vagedes aus Löningen [18.02.1702 – 1745]. Ihm wurde bereits am 27.03.1700 vom Konvent Malgarten die Pfarre übertragen. Er konnte sich aber erst im Sommer 1702 antreten, weil Münster von seiner Ansicht, Vincke sei noch Pastor von Essen, nicht abgehen wollte. Die Seelenzahl Essens gibt Vagedes mit 3000 an, einschließlich 100 Nichtkatholiken. 1729 wurde er zum Dechanten des Amtes Cloppenburg ernannt. Trotzdem am 04.07.1718 eine Entscheidung des Generalvikariats Münster erfolgte, daß die Kirche in Essen nicht mehr ein Patronat Malgartens sei und daß die Vergebung allein dem Bischöfe vom Münster zustände, präsentierte die domina
10. Hermann Frye, Vikar in Visbek, für die Essener Pfarrstelle. Drei Jahre mußte er auf die Bestätigung von Münster warten und die Pfarre als Vizekurat bedienen. Am 20.02.1749 wurde ihm endlich das Pfarramt übertragen und 1758 wurde er von der kirchlichen Behörde mit der Führung der Dekanatsgeschäfte für das Amt Cloppenburg betraut. Dechant Frye starb 1780.
11. Heinrich Anton Backmann, Kaplan in Lohne [1780 – 1810] ist der letzte von Malgarten präsentierte Pfarrer, nachdem die domina in Malgarten ihn schon im Jahre vor Fryes Tod vorgesehen hatte.
12. Bernard Mönnig, bisher Kaplan in Essen, von 1810 - 1848. Seine Verdienst sind im Aufsatze "Pastor B. Mönnig", gewürdigt.
13. Heinrich Meyer aus Bakum, vorher Kaplan in Essen [01.09.1850 -20.06.1871]. Eine Differenz wegen des Präsentationsrechtes hatte die Neubesetzung der Pfarre verzögert. Unter ihm wurde 1870 mit dem Neubau der Pfarrkirche und im Jahre 1869 mit der Anlage des neuen Friedhofs auf dem Gosekamp begonnen.
14. Heinrich Möhlmann aus Mühlen bei Steinfeld [09.08.1873 -16.10.1899] führte den Kirchenbau zu Ende. Unter ihm wurde 1892 auch das Krankenhaus St. Leo-Stift erbaut, das 1893 bezogen wurde. Möhlmann war Dechant des Amtes Cloppenburg und wohnte noch im alten Pfarrhause. Besondere Sorge trug er um die Mütter der Gemeinde und durch seine tätige Hilfe milderte er manche Not in den Familien. Er selbst und noch mehr seine Haushälterin waren durch ihre Originalität in der ganzen Gemeinde bekannt.
15. Heinrich Kühling, geb. 15.09.1848 wurde 1900 Pastor in Essen. Als vorzüglicher Katechet und Pädagoge war er besonders bei den Kindern beliebt. Sein durchgeistigtes Gesicht verriet eine echte Künstlernatur. Er war ein großer Botaniker, der Blumen, Bäume und Sträucher in sein Herz geschlossen hatte. Auf dem Friedhofe sammelte er Blumen aller Art an und pflanzte seltene Blumen und Sträucher. Als begnadeter Maler schuf er eine Reihe kunstvoller Bilder und Landschaften mit Motiven aus der Gemeinde, die noch heute manche Bürgerhäuser zieren [Pfarrhaus, Schade, Fresenborg]. Als Altertumsfreund ließ er an die achtzig Findlinge aus Barlage und Herbergen nach Essen bringen, wo er sie zur Ausschmückung des Kirchvorplatzes aufstellen ließ. Auch die Dichtkunst fand in Pfarrer Kühling einen Förderer; leider sind seine Gedicht bis heute nicht veröffentlicht worden. Sofort nach seiner Ernennung zum Pfarrer von Essen gründete er den Mütterverein. Am 18. Juni 1916 erlitt er auf der Kanzel einen Schlaganfall und starb noch während des Hochamtes.
16. Georg Hegger, ein Priester nach dem Herzen Gottes, der in seiner Bescheidenheit selten öffentlich hervortrat, wurde am 12.02.1864 in Helmighausen geboren und am 31.05.1890 zum Priester geweiht. Er war vom 24.06.1890 - 09.06.1892 Kaplan in Peheim, bis Herbst 1893 Kaplan in Elsten und bis 1894 Kaplan in Vestrup. Er war dreiundzwanzig Jahre Kaplan in Wachtum und wurde 1917 Pfarrer in Essen. Tiefe Frömmigkeit kennzeichnete sein Wesen und immer wieder forderte er seine Pfarrkinder zum Gebete auf. 1937 trat er in den Ruhestand und siedelte in seine Heimatgemeinde Löningen über, wo er am 01.12.1914 starb.
17. Joseph Scheper-Stuke, 1937 - 1939. Er wurde am 03.08.1888 in Südlohne geboren, machte Ostern 1909 in Vechta sein Abitur und war u. a. als Kaplan in Carum [1920 – 1924] und als Vikar in Damme tätig, wo er auch als Lehrer an der höheren Bürgerschule unterrichtete. Während seiner kurzen Amtstätigkeit in Essen nahm er sich besonders des deutschen Kirchengesanges an. Auf Anschuldigung verschiedener Einwohner der Kirchengemeinde mußte er sich bei seiner kirchlichen Behörde wegen nicht einwandfreien sittlichen Verhaltens gegenüber seinen Meßdienern verantworten und auf seine Pfarrstelle verzichten. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in der Familie seiner verheirateten Schwester in Vestrup, wo er in der dortigen Pfarrkirche Aushilfe leistete. Bis zu seinem Tode im September 1954 führte er in seinem Exil ein wahrhaft erbauliches Leben.
18. Franz Kruse führte vom 04.01.1940 - 11.06.1954 die Pfarrgemeinde mit sicherer Hand. Er war geboren am 03.08.1888 in Ihorst, Gemeinde Holdorf, bestand 1908 in Vechta sein Abitur und wurde am 06.06.1914 zum Priester geweiht. Nach kurzer Amtstätigkeit in Lüsche, Steinfeld, Lindern und Rüstringen wurde er am 01.01.1923 Präses des Caritasheimes in Ahlhorn. Aus dem kleinen Heim wurde mit den Jahren eine ansehnliche Dorfgemeinde in der 600 Pfleglinge und Fürsorgezöglinge vor allem aus den Industriestädten Duisburg und Hamburg erzogen wurden. Auch eine katholische Privatschule mit 51 Kindern konnte eingerichtet werden. Im Heim selbst, in dem am 01.05.1930 Kruse Direktor wurde, konnten unter seiner Leitung auch Exerzitien und Haushaltungskurse abgehalten werden. 1931 beschlagnahmte die Naziregierung die segenbringende Anstalt und der Direktor mit seinen 25 Schwester U. L. F. und 5 Franziskanerbrüdern mußten ihre liebgewordenen Arbeitsplätze verlassen. Nach kurzer Tätigkeit als Pfarrverwalter in Bunnen wurde Franz Kruse Pfarrer in Essen und am 04.01.1940 eingeführt. Er nahm sich besonders der alten Leute an, denen er, soweit sie nicht zur Kirche kommen konnten, an den Herz-Jesu-Freitagen die hl. Sakramente spendete. Während seiner 21-jährigen Amtstätigkeit wurde der dritte Stock des St. Leo-Stiftes ausgebaute, der Kindergarten St. Josef eingerichtet, der im Kriege beschädigte Turm und die Sakristei renoviert, eine Heizung angelegt, Turmuhr und Orgel umgebaut, drei neue Kirchenglocken beschafft und das Innere der Kirche völlig umgestaltet. In seinen letzten Jahren wurde er von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht, die er mit großer Geduld ertrug. Er starb am 07.05.1961 und fand als erster Seelenhirt der Gemeinde seine letzte Ruhestätte auf dem neuen Friedhof.
Quellen
- Heinrich Bockhorst - Manuskript
- Heinz Strickmann
- aufgearbeitet h. br.