Pastor Bernard Mönnig als Schulmann
Aus LostBooks
Aus dem Essener Dorfbuch
von Heinrich Bockhorst
Pastor Bernard Mönnig als Schulmann
Aus der Gemeinde Essen sind eine Reihe bedeutender und bekannter Theologen hervorgegangen, von denen Pfarrer und Kanzler Heinrich Borges aus Addrup und P. Amandus Bahlmann aus Bartmannsholte zu den höchsten kirchlichen Ämtern emporgestiegen sind. Ein dritter, Pfarrer Lambert Meyer aus Essen, wurde bischöflicher Offizial, und drei weitere erwarben sich wegen ihrer Verdienste um die theologische Wissenschaft den Doktorgrad (Dr. Hermann Rump, Dr. Franz Hülskamp und Dr. Engelbert Wulf).
Aber auch unter den Theologen, welche in den letzten Jahrhunderten als Pfarrer der Kirchengemeinde Essen vorstanden, findet man bedeutende Persönlichkeiten. Drei von ihnen bekleideten lange Jahre das Amt eines Dechanten für das Dekanat Cloppenburg. (Johannes Vagedes (1729 bis 1746), Bernhard Frye 1758—1870; und Heinrich Mählmann (1893—1900). Die meisten Verdienste um die Pfarrgemeinde aber hat sich unter den Pfarrern der letzten Jahrhunderte wohl Pastor Bernard Mönnig erworben.
Erstammte aus der Gemeinde Bakum, besuchte das Gymnasium In Vechta, studierte Theologie In Münster und wurde 1803 zum Kaplan In Essen ernannt. 1810 wurde Mönnig als erster Pfarrer, der nicht mehr der Präsentation von Malgarten bedurfte, in Essen angestellt mehr als 40 Jahre leitete und beeinflußte er die kirchlichen, politischen und sogar die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde. Daneben fand er noch Zeit, sich als Dichter, Schriftsteller, Komponist und Heimatfreund zu betätigen.
Vor allem auf dem Gebiete des Schulwesens hat Pastor .Mönnig bahnbrechende Arbeit geleitet. Er war ein persönlicher Freund Bernard Overbergs und stand mit diesem angesehensten westfälischen Pädagogen in ständigem brieflichen Verkehr. Als Schulinspektor suchte er Lehrer und Kinder mit den Ideen und Gedanken Overbergs bekannt zu machen. Zu dem Zwecke führte er Overbergs Katechismus und Biblische Geschichte in den Schulen Essens ein. In einem Hand- und Mittelbüchlein, das er 1810 auf eigene Verantwortung herausgab, stellte er die wichtigsten Lehrstoffe in Religion, Deutsch und Rechnen kurz zusammen. In der 2. und 3. Auflage des Büchleins (1826 und 1836) findet man auch ein Verzeichnis der Schulen der, Gemeinde und der Lehrer.
Er gab sich die Mühe, für die Schulen der Gemeinde Stoffverteilungspläne aufzustellen, und an den Sonntagen nach dem Hochamte diktierte er den Lehrern den Lehrstoff für die kommende Woche. Es zeugt von psychologischer Einsicht, wenn er vor Beginn der trockenen Arbeit den Lehrern einen Schnaps zur Stärkung einschenkte. Allmonatlich besuchte er die Schulen seines Kirchspiels und verstand es meisterhaft, den Eifer der Kinder anzuspornen. Viermal im Jahre wurden
Schulprüfungen abgehalten, bei denen die besten Schüler mit Prämien bedacht wurden. Auch für die Christenlehren in der Kirche und auf den Bauerndielen hatte er sich für den Eigengebrauch Lehrpläne ausgearbeitet, die er später in einem Büchlein niederlegte.
So nahm es nicht wunder, daß die Schulverhältnisse in der Gemeinde damals auf beachtlicher Höhe standen. Gewecktere Kinder konnten schon allein aus dem berühmten „MittelbüchIein" bei gehörigem Lerneifer sich auf der Volksschule ein umfangreiches Wissen aneignen. Hinzu kam, daß Pastor Mönnig auch seine Konfratres in der Gemeinde, Kaplan Hackstedt und Kooperator Meyer, für die Schule zu begeistern verstand. Kaplan Hackstedt hat neben dem „Freundlicher - Wegweiser für die weibliche Jugend" eine „Deutsche Sprachlehre“ verfaßt, die lange Zeit von der Schulbehörde als Schulbuch für die Schulen des Offizialatsbezirks vorgeschrieben war. Auch die Lehrer profitierten bei dieser intensiven Weiterhilfe, wie die Visitationen bei den Essener Schulen beweisen.
Im Spiegel damaliger Zeit gesehen, kann man Pastor Mönnig als einen modernen Pädagogen bezeichnen, denn er führte wie Pastor Wulf in Lastrup in den Mädchenklassen sogar den Handarbeitsunterricht ein. Das einfache Volk brachte diesen Bestrebungen vorerst kein Verständnis entgegen, aber die Zeit gab ihm, wie die Erfahrung lehrt, recht. - Aufgeschlossen für die kleinen Anliegen und Wünsche der Kinder lud er sie im Herbst zum Obstpflücken ein und gestaltete durch muntere Lieder und Tänze auf der Diele des Pfarrhauses dieses Ereignis zu einer vergnügten Feier.
Gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Schülerinnen feierte er Fastnacht im Schulzimmer. Der kleinen Feier ging eine kurze Prüfung in Religion voraus, auch Gedichte und Sinnsprüche mußten die Kinder aufsagen. Dann wurden die Bänke ausgeräumt und Jürgen Wilken, der Spielmann, griff zur Fidel. Es wurde getanzt und gesungen. Dazu tranken die Kinder leichtes, obergäriges Bier, das vorher; in einem Viehkessel selbst gebraut worden war. Sie aßen Kuchen dazu, den die Mutter zu Hause gebacken hatte. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die Feier beendet, denn Pastor Mönnig hielt streng darauf, daß sich nach dem Kleppen kein Kind mehr auf der Straße aufhielt.
Von seinem dichterischen Talent zeugen seine Heimatlieder, von denen man mehrere im Hand- und Mittelbüchlein findet, die auch in der Schule liebevolle Pflege fanden. Sie sind entweder allgemeinen Inhalts oder auf bestimmte Bräuche und Tätigkeiten der Heimat zugeschnitten, wie Ernte-, Schnitter-, Dreschlieder. oder solche, die beim Spinnen, Weben und Waschen gesungen wurden. Sie waren von Mönnig nicht nur verfaßt, sondern auch in Noten gesetzt worden.
Außer den obengenannten Büchern stammen von Pastor Mönnig das Bruderschaft-, und Ablaßbüchlein. Er ist ferner der Verfasser der „Deutschen Vesper", die im Münsterlande vielerorts bekannt war und noch nach der Jahrhundertwende in Essen und Dinklage gesungen wurde.
Quellen
- Heinrich Bockhorst - Manuskript
- Entnommen der Beilage: "Volkstum und Landschaft", Druck: Imsieke Cloppenburg;
- digital aufgearbeitet h. br.