Kröger Johanna zum Gedenken

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Johanna Kröger zum Gedenken von Hermann Bockhorst

Nach einem von rastloser Arbeit im Dienste der Schule, der Kirche und der Heimat erfüllten Leben hat die im ganzen Münsterlande bekannte Lehrerin und Heimatforscherin Johanna Kröger in Essen am 10. Dezember 1966 die müden Augen zur letzten Ruhe geschlossen. Im Sommer erlitt sie in ihrem trauten Heim an der Schulstraße einen schweren Unfall, von dem sie im St. - Leostift Heilung suchte. Nach Entlassung hoffte sie, ihrer Forscherarbeit wieder nachgehen zu können. Mit Aufbietung der letzten Lebenskräfte konnte sie einige Tage vor ihrem Tode die letzte Arbeit ihres reichbewegten Schaffens vollenden, bis ein Herzanfall ihrem Leben ein plötzliches Ziel setzte.

Johanna Kröger wurde am 25. 03.1883 als jüngstes von neun Kindern der Eheleute Kröger auf der früher Nuxollschen Halberbenstelle in Bahlen geboren. Nach dem Besuch der Mädchenschule in Dinklage unter Frl. Drüding entschloß sie sich für das Lehrerstudium und legte 1903 in Ahaus ihr Examen ab. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Osterfeine und Rüschendorf wurde Ihr 1908 die neu eingerichtete „Wichterschaule" (Mädchenklasse) in Essen übertragen, die sie bis zum Beginn des nationalsozialistischen Regimes vorbildlich betreute. Der Anfang wurde ihr nicht leicht gemacht, da ein eigenes Klassenzimmer noch eingerichtet werden mußte. Aber mit der ihr eigenen Energie und Tatkraft verstand es die junge Lehrerin, jeden Tag vormittags und nachmittags ihre 70 — 80 Schulmädchen für den Eintritt ins Leben vorzubereiten. Als nach der Machtübernahme Ihre Klasse aufgehoben wurde, betraute man sie zunächst mit dem 4. Schuljahr, bis auch sie das Schicksal einer Strafversetzung erleiden mußte. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Lehmden und Cloppenburg mußte sie 1936 aus ihrem so lieb gewordenen Berufe ausscheiden, wurde aber 1941 wegen des herrschenden Lehrermangels wieder in Essen angestellt, bis sie 1947 in den wohlverdienten Ruhestand trat.

Als Erzieherin versah Fräulein Kröger Ihren Dienst mit größter Gewissenhaftigkeit, paarte Liebe und Güte mit Ernst und Strenge, gab durch ein echt christliches Leben das beste Beispiel und sicherte sich dadurch die Anerkennung der Kinder und Eltern. Auch nach der Schulzeit verfolgte sie den Lebensgang ihrer ehemaligen Zöglinge, die ihrerseits immer wieder bei ihrer alten Lehrerin Rat und Zuspruch suchten. Neben ihrem Beruf arbeitete sie in echt katholischem Geiste in verschiedenen kirchlichen Vereinen an der Weiterbildung der weiblichen Jugend. 25 Jahre war sie Präfektin der Jungfrauenkongregation, und aus den musikalisch begabten Kräften bildete sie einen Frauenchor, der vor allem in der Kriegszeit zur Verschönerung des Gottesdienstes an Feiertagen und Vereinsfesten beitrug. Eifrig tätig war sie auch in dem von ihr gegründeten Paramentenverein und nahm sich stets an den Wochenenden Zeit, mit ihren Schülerinnen die Altäre des Gotteshauses zu schmücken.

Einer breiten Öffentlichkeit ist Johanna Kröger bekannt geworden durch ihre Freizeittätigkeit als Heimatforscherin und Schriftstellerin. Ihr langjähriges Wirken an demselben Schulort, wie es nur wenigen Erziehern beschieden ist, gab ihr die Möglichkeit, sich ein umfassendes Wissen über die Geschichte, die Lebens Verhältnisse und vor allem über die alten Sitten und Gebräuche der ausgedehnten Gemeinde zu erwerben. Gerade dadurch hat sie bahnbrechende Arbeit für das Münsterland geleistet, da sie weit über das Gebiet der Gemeinde hinausgingen. Ihre ungezählten Arbeiten legte sie nieder in den Heimatzeitungen und Beilagen, im Heimatkalender und den Dinklager Mitteilungen, in „Kirche und Leben“ und in der von ihr herausgegebenen „Geschichte der Gemeinde Essen“. Auszüge aus diesem Werk hat Prof. Dr. Reinke in seinen „Wanderungen“, Band 7, veröffentlicht. Wegen ihrer Verdienste wurde sie zum Ehrenmitglied des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland und des Heimatvereins „Herrlichkeit Dinklage" ernannt.

Stolz war Fräulein Kröger mit Recht auf ihr größtes literarisches Werk „Essen im Weltkriege", das mit seinen 756 Seiten wohl von keinem anderen Kriegsbuche des Münsterlandes Übertroffen wird. Es gibt nicht nur einen umfassenden Überblick über die Opfer und Teilnehmer des 1. Weltkrieges, sondern auch über die wirtschaftlichen, politischen und kirchlichen Verhältnisse während und nach dieser Zeit.

Besonders fruchtbar hat sich die Arbeit der lieben Verstorbenen auf kirchlichem Gebiet erwiesen. In der Offlzialatsbeilage zu Kirche und Leben brachte sie z. B. eine umfangreiche, durch ein volles Jahrtausend laufende Geschichte der aus der Gemeinde Essen stammenden Priester und Theologiestudenten. Mit regem Interesse verfolgte sie die Lebensgänge ihrer früheren Schüler und Schülerinnen im Priester- und Ordensstande, stand mit mehreren von ihnen in ständigem brieflichem Verkehr und berichtete über deren missionarische Tätigkeit in den weltweiten Missionsgebieten. So wirkte sie als wahre Laienmissionarin im Bereiche der engeren Heimat.

Echte Pionierarbeit hat Johanna Kröger gemeinsam mit den aus ihrer Heimatgemeinde stammenden Brüdern Franz und Hans Ostendorf geleistet auf dem noch wenig begangenen Gebiet der Familienforschung. In vielen Bauernhäusern zieren noch heute künstlerisch ausgeführte und sauber eingerahmte Ahnentafeln und Stammbäume die Wände der Wohnstuben. Unterlagen boten ihr die Kirchenbücher und die Standesamtsregister in Essen und anderen in Frage kommenden Gemeinden. Auch für die Familienchroniken in der Gemeinde (Crone-Münzebrock, Taphorn) stöberte sie die erforderlichen Unterlagen auf. Das gleiche gilt von den von Fräulein Kröger verfaßten Berichten über zahlreiche Alters, und Ehejubiläen in der Gemeinde.

Johanna Kröger war nicht nur als Schriftstellerin bekannt, sie betätigte sich auch als Heimatdichterin, und ungezählt sind ihre Prologe und Festgedichte zu Vereinsfestlichkeiten und kirchlichen Veranstaltungen.

Nicht vergessen wird die Gemeinde Essen das rege Interesse, das sie dem Wohl der Gemeinde entgegenbrachte, im 1. Weltkrieg arbeitete sie im Frauenverein eifrig mit, um die Väter und Söhne der Gemeinde an der Front, in den Lazaretten und in den Gefangenenlagern mit Liebesgaben und Lesegut zu versorgen, ihrem regen Geiste entsprangen die Berichte über die Kirchen und Schulen der Gemeinde und über die kirchlichen und weltlichen Vereine, wie Jünglingssodalität, Mütterverein, Gesellenverein, Schützenverein und Landwirtschaftlicher Verein. Noch im letzten Jahre war sie entscheidend mitbeteiligt an der Namensgebung von Straßen in den neuen Siedlungsgebieten Ahausen, Hülsenmoor und Hengelage.

Still und unbemerkt von der Außenwelt ist in Johanna Kröger eine der markantesten Persönlichkeiten der Gemeinde Essen aus diesem Leben geschieden. Der gute Samen aber, den sie in viele Kinderherzen gelegt hat, wird weiterhin ihre Früchte tragen, und die hohen Werte ihrer literarischen Arbeit werden noch von kommenden Geschlechtern voll gewürdigt werden.


Heinrich Bockhorst

Quellen:

Bericht abgeschrieben aus dem 1968 erschienen „Heimatkalender für das Oldenburger Münsterland“

Seite 134-135 bearbeitet im Auftrage des Heimatbundes von Alwin Schomaker-Langenteilen.

Druck und Verlag: Vechtaer Druckerei und Verlag GmbH, Vechta Oldb.

Aufgearbeitet v. H. Brümmer

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