Kirchspiel Essen

Aus LostBooks

Wechseln zu: Navigation, Suche

Aus Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster und der angränzenden Grafschaften Diepholz, Wildeshausen.

Ein Beitrag zur Geschichte und Verfassung Westphalens.

Vom Gemeinheits-Commissair E. H. Nieberding zu Lohne.

Zweiter Band

1841.

Auszug

III. Im Kirchspiele Essen.


In diesem Kirchspiele befanden sich ursprünglich 4 Güter, später nach der Theilung des Gutes Arkenstede 5. Sie sind wohl die ersten, welche im vormaligen Amte Cloppenburg entstanden, und ihre große Anzahl in einem Kirchspiele haben sie der Nähe der Stadt Quakenbrück zu danken. Graf Otto von Tecklenburg hatte in dem Friedensschlusse mit dem Bischofe Conrad von Osnabrück 1236 versprechen müssen, keine neue Burg zwischen Wulfena und Osnabrück anzulegen, und noch 1374 hatte Graf Otto zur Zerstörung der Münsterschen Burgen mitgeholfen; bis dahin dürfen wir hier also noch keine Burg suchen. Als aber 1379 der Graf Otto mit dem Bischofe zu Osnabrück in einer heftigen Fehde begriffen war, in welcher die Stadt Quakenbrück ihm starken Widerstand leistete, und als hierdurch die Bürgerschaft dieser Stadt gr0ße Rechte erlangte, können wir die Entstehung dieser Burgen als eines Zaumes für diese Stadt annehmen. Die Erbauer derselben waren demnach Burgmänner dieser Stadt, welche, über die zunehmenden Rechte der Bürger unzufrieden, auf ihren Lehnen in der Nähe der Stadt sich ansiedelten, und 1400 bei dem Übergange des Amtes Cloppenburg an Münster als Vasallen an diese Hochstift übergingen.

Das Gut Arkenstede, in der Bauernschaft Brokstreek eine Viertelstunde von der Stadt Quakenbrück, ist ein solches Münstersches Lehngut und besteht aus einer Burg und zwei Bauernstellen. Eine dritte Bauernstelle, welche denselben Namen führst, aber nicht zum Gute gehört, liegt unmittelbar an demselben, und ebenfalls die Wiese, in welcher die alte zerstörte Burg Arkenau kag, so wie die Bauernstelle dieses letzten Namens; ein Beweis, daß die Gegend, in welcher dieses Gut und die Stellen lagen, dessen Bedeutung wohl schwerlich noch zu ermitteln sein möchte.

Wir finden zuerst Jasper oder Caspar von Aßwede 1419 im Besitze der Burg, imdem er mit seiner Schwester vom Bischofe zu Osnabrück mit einigen zu derselben gehörenden Lehngüter belehnt wurde. Er war verheiratet mit Elske Hadewich, und erhielt mit dieser einen Brautschatz von 400 Goldgulden, also nicht die Burg; diese musste er demnach schon geerbt haben. Die von Aßwede besaßen früher das Lehn auf Querenhorst im Oldenburgischen, welches sie 1396 an das Kloster Hude abtraten; zu der Zeit mögen sie in das Niederstift Münster gezogen sein. 1539 brannte die Burgwohnung mit dem Nebengebäuden ab, und Jasper von Aßwede erhielt vom Bischof zu Münster 30 Malter Rocken aus der Amtsrentei zu Cloppenburg zum Geschenk als Unterstützung wegen des Brandes. Auf Jasper folgte dessen Sohn Burchard, und auf diesen sein Sohn Caspar, verheirathet mit Metta Nagel, Wittwe des Johann von Dorgelo.

Caspar hatte 1615 zwei Söhne Heinrich und Andreas, welche beide vor 1635 unverheiratet gestoben waren, und zwei Töchter Helena und Gertrud. Helena war an Heinrich Adam von Langen zu Sögeln verheirathet, und Gertrud heirathete 1620 Otto Kobrink zu Daren. Als nun ihre Eltern und Brüder gestorben Theilten die beiden Schwestern und ihre Ehemänner mit Cinsens des Lehnsherrn 1635 das Gut in zwei Theile, nannten den Theil des Otto Kobrink Groß-Arkenstede und den des von Langen Klein-Arkenstede, wahrscheinlich nach dem Namen der frühern Bauernstelle, aus welcher jedes dieser neuen Güter bestand.

Groß-Arkenstede vererbte, wie das Gut Daren, später auf Otto Schade, nach dessen Tode aber 1742 als Lehn auf von Elmendorf zu Füchtel, dessen Großmutter Sophia Metta eine Tochter der Gertrud von Aßwede war, und seitdem ist es bei er Familie von Elmendorf geblieben.

Das neue Gut Klein-Arkenstede vererbte auf der Helena vonAßwede Sohn Adam von Langen zu Kreyenburg, dann auf dessen Sohn Heinrich Engelbert von Langen, dessen einzige Tochter den Herrn von Cloedt zu Remblinghausen heirathete und diesem das Gut zubrachte, bei dessen Nachkomme es bis hiezu geblieben ist.

Bei der Theilung der Mark 1826 erhielt jedes dieser Güter seinen Antheil gleich zwei Vollerben.

Das Gut Calhorn liegt an beiden Seiten des sogenannten Calhorner Mühlenbaches, welcher die Fränze zwischen den Bauernschaften Addrup und Bevern und deren Feldmarken bildet, und besteht aus einer Burg und zwei Bauernstellen. Die Burg und die alte Wilken Stelle zu Calhorn liegen westseits hart an diesem Bache, so wie die de, Gute einverleibte lehnpflichtige Lohmanns Stelle und die Wassermühle an der Ostseite desselben; erstere gehören zu Bevern, letztere zu Addrup.

1350 am Tage Processi et Martiniani (2. Juli) verkaufte Otto und Jacob von Schmerten den Zahten aus Wilken Stelle und Kotten zu Calhorn an die Vicarie der h. 3 Könige zu Quakenbrück, und in dem Osnabrückschen Lehnregister von 1350 – 1361 wurde Hermann van Pennete an Dienstmann Statt mir der Mühle auf Calhorn belehnt, welche dem Kloster Malgarten gehört hatte, von diesem aber 1306 an van Pennete vertauscht worden war. Später war dies Mühle und das Lohmanns Erbe Münstersches Lehn, also von Osnabrück an Münster übergegangen.

Die Burg und die Wilken Stelle zu Calhorn sind Allodium, und wir finden die Familie von Bockroden zuerst in deren Besitze. 1432 tauschten Wille van Bockroden und seine Frau Alveke die am Gute belegene Holthaus Stelle zu Bevern von Herm Ruthus zur Hälfte und von Hille de Radensche zur anderen Hälfte, und schon 1421 wurde er mit den nach Aslhorn gehörenden Oldenburgischen Lehen belehnt vom Grafen Diederich; hiernach scheint dieser Wille zu Calhorn sich angebauet und daselbst zuerst gewohnt zu haben. Sein Sohn Johann war verheiratet mit Frderen (Frederike) van Lutten zu Lage, und hat mit dieser als Erbin der van Pennete wahrscheinlich die Mühle und Lohmanns Stelle erhalten. Dieser Johann wurde 1500 vom grafen Johann von Oldenburg mit den Oldenburgischen Lehen (dem Patronatrechte zu Lastrup und Lindern und 4 Bauernstellen nebst einer Mühle zu Lastrup) belehnt.

Johanns Wittwe übertrug 1543 ihrem Sohn Wille von Bockroden die Güter, welcher Margaretha Schulte 1578 an Rolf Grevenitz zu Lankum, und Fredeke an Cord von Dinklage zu Duderstadt verheirathet; die drei Söhne Hermann, Nicolaus und Johann starben, ohne Leibeserben zu hinterlassen, und zwar Hermann als der letzte 1632. Er hatte seiner Schwester Sohn Wilhelm von Dinklage zu sich genommen und diesen 1625 mit den Oldenburgischen Mannlehnen belehnen lassen; aber nach dessen und Hermanns Tode wurden diese Lehne eingezogen und am 2. Januar 1657 dem gräflichen Cammerpagen von Binke verliehen, von welchem 1662 Conrad Friedrich von Dinklage sie für 1000 Rthlr. wieder erwarb und die Belehnung wieder erhielt.

Nach dem Tode des Wilhelm von Dinklage und des Hermann von Bockroden folgte des Wilhelm Bruder Otto von Dinklage auf Calhorn und in den Kunkelehnen, die Alloiden theilte er am 11. März 1632 mit den übrigen Erben des von Bockroden. Otto, verheitathet mit der wegen ihrer Religion aus Brüssel vertriebenen Catharina von Bahlen, trat am 5. November 1658 die Güter ab an seinen Sohn Conrad Friedrich von Dinklage, welcher seinen Bruder Wilhelm bei sich auf dem Gute behielt, am 29. November 1658 Eva Sophia Brawe vom Gute Diekhaus heirathete und am 17. August 1667 starb. Sein Bruder Wilhelm wurde 1659 in Essen von de, dortigen Krämer Heinrich Sandmann, oder lange Heinrich genannt, mit einem Brotmesser erstochen. Der Mörder entfloh, sein Nachlaß wurde 1676 der Wittwe des Conrad Friedrich von Dinklage zuerkannt, diese aber schenkte ihn den Armen zu Essen.

Catharina Grevenitz hatte ihrem Vetter Conrad Friedrich von Dinklage das Git Lankum un die ihrer Mutter von Calhorn zum Brautschatz mitgegeben 7 Bauernstellen als Fidei-Commiß vermacht; da er aber vor der Erblasserin gestorben war; setzte seine Wittwe Eva Maria Brawe sich in derer Besitz, heirathete wieder und bezog Gut Lankum. Ihr Sohn Carl Wilhelm Friedrich von Dinklage heirathete am 27. April 1687 Dorothea Elisabeth vor Dorgelo vom Gute Bretberg und starb am 6. April 1733. Von 15 Kindern ihrer Ehe starben die beiden ältesten den Ehrentod auf dem Schlachtfelde in Ungarn gegen die Türken, der dritte daselbst an einem Fieber; der vierte Caspar Ludolph zeichnete sich in der Schlacht bei Essek so aus, daß der Bischof zu Münster ihm seinen Ring und sein Portrait zum Andenken schenkte; er nahm als Oberst seinen Abschied und starb 1769 unverheirathet auf Calhorn. Der folgende, damals noch lebende Sohn Franz Arnold von Dinklage war von seinen Brüdern als Stammfolger anerkannt, und hatte, nahe an 60 Jahre alt, im September 1763 Wihelmine von Haen vom Gute Opherdike geheirathet und mit derselben einen Sohn und drei Töchter gezeugt; er starb am 17. Januar 1784.

Der Sohn Cammerjunker Maximilian Caspar Franz folgte im Besitz des Guts, erbte von seiner Tante das Gut Bretberg, wie bei diesem Gute bemerkt ist, und starb am 4. März 1797, wo ihm nach seinem Testamente seine Schwester Hedwig Louise und ihr Gemahl Hauptmann von Falkenstein in dem Besitze der Güter folgten; nur die Oldenburgischen Mannlehne wurden als heimgefallen eingezogen. Der Hauptmann von Falkenstein verkaufte das Gut Lankum und mehrere eigenhörige Stellen; auch das Gut Bretberg ist, wie schon bemerkt worden, verkauft, das Gut Calhorn aber noch im Besitze des Sohns der Hedwig Louise von Dinklage, Hauptmanns Maximilian von Falkenstein.

Das Gut Lage liegt auf der äußersten östlichen Gränze des Kirchspiels hart an der Aue, welche hier den Namen Lager Hase führt und das Gut von der Dinklageschen Bauerschaft Wulfena trennt. Es wird zur Bauerschaft Addrup gerechnet und besteht aus einer alten Burg und zwei alten Bauernstellen, Wichmann und Hinrich to Lage genannt, welche noch 1471 und 1494 nach den Cloppenburger Amtsrechnungen ihre jährlichen Pflichten an das Amt entrichten mussten, ersterer 4 Schillinge Herbstbede, letzterer eine Kuh, 8 Schillinge Maibede und 18 Schillinge Herbstbede. In der Rechnung von 1539 zu 1540 fehlen sie und sind schon zum Gute gezogen; in welchem Jahre dieses geschehen, ist nicht zu ermitteln, weil die Amtsrechnungen aus der Zwischenzeit fehlen.

Die Burg finden wir zuerst im Besitze der Familie van Pennete, welche von einer auf ihrem Meyerhofe, jetzt Burgmannshofe, in der Bauerschaft Pente im K. Bramsche um 1300 errichteten Burg, deren Spuren noch zu sehen sind, ihren Namen führte, diese Burg nebst andern Gütern 1306 an das Kloster Malgarten, dem sie nahe lag, vertauschte und dafür Güter in der Gegend von Lage wieder erhielt, nämlich die Höfe des Albert und Johannes zu Wulfena, den Hof zu Hörsten, Werners Hof in Lage mit 2 dazu gehörenden Wiesen und die Mühle zu Calhorn. Diese Familie verbreitete sich dann in kurzer Zeit in den Ämtern Vechta und Cloppenburg; ihre Glieder wurden Burgmänner zu Vechta und Quakenbrück, erwarben sich daselbst großen Güterbesitz und machten sich gefütchtet, verschwanden aber schon am Ende des 14. Jahrhunderts so ganz wieder, daß im 15. Jahrhunderte sich kaum eine Person dieses Namens mehr findet. Die Brüder Wessel und Rabodo van Pennete und ihre Mutter Adelheid waren es, welche 1306 am Vorabend Jacobi ihre Burg zu Pente an das Kloster Malgarten vertauschten; Wessels Enkel Hermann wurde vom Bischof Johann zu Osnabrück (1350-1561) mit den eingetauschten Gütern belehnt, und wahrscheinlich bauete auch dieser einige Zeit nachher die Burg zu Lage sich zur Wohnung. Mit seiner Frau, 1334 Jütte genannt, hatte er eine Tochter, welche 1365 Fredeke genannt wird, wo er selbst schon der Alte heißt. Wahrscheinlich heirathete diese den Vechtaschen Burgmann Dethard oder Dietrich van Lutten, brachte ihm das Gut zu, und bewog ihn, seine Burg zu Lutten zu verlassen und nach Lage zu ziehen.

Van Lutten war eine alte Familie, schon 1177 wird Heryo oder Eryo van Lutten genannt; sir hatten eine Wohnung auf ihrer Stelle in Lutten, jetzt noch thor Borg (zur Burg) genannt, Münstersches Lehn, 3 andere Bauernstellen und das Patronatrecht über die dortige Kirche und Pfarre, und prätendirten das Holzgericht. Sie hatten aus sämmtlichen Gärten im Dorfe Visbek eine jährliche Rente von 1 Mark und 12 Hühnern und viele Eigenhörige in der Umgebend, welche mit nach Lage übergingen.

Nach einem Hebungsregister des Klosters Malgarten von 1489 hatte dieses Kloster noch behalten:

„Hynrichs Hus to Lage op der Wuluena, de 4 de Garue ouer all syn Lant, 2 emmer Botterer, 2 vette swyne on de Mast halff, on to allen 4 Hochtyden Fische vor 2 kl. ghewert von onser Fyscherie op den vorgl. onsen Water ter Wuluena to malgarden to brengen.“

Diedrich van Lutten entrichtete 1510 bis 1513 noch jährlich 3 Malter Rocken dafür an das Kloster, und 1531 löste Jost van Lutten „dat Erve tor Borgtede vor de Wuluena“ mit 200 Goldgulden von dieser Pflicht ab.

Auf Dietrich van Lutten folgten nach der Reihe folgende Descendenten: Rolf, 1399 bis 1421 genannt in Urkunden; Diederich und seine Frau Gösche, beide 1446 Todt; Rolf, 1455 Drost zu Cloppenburg; Diederich 1510 bis 1528, Dann Rolf oder Rudolf, und Jost; ersterer erhielt durch Vergleich das Gut Lage und Zubehör. Er war Kriegsmann und zeichnete sich 1534 und 1535 bei der Belagerung der von den Wiedertäufern besetzten Stadt Münster aus; auch war er Mitglied des Schmakaldischen Bundes. Als nun der zur Züchtigung derselben beorderte kaiserliche Erecutions-General Chrsitoph von Wrisberg sich im Amte Cloppenburg aufhielt, überfiel ihn Rudolph van Lutten am Tage Laurentii und führte ihn gefangen nach Lage. Auf Befehl des Bischofs zogen die Drosten von Vechta und Cloppenburg mit aufgebotener Mannschaft vor Lage, nahmen es am Sonntage vor Catharina und befreiten den Wrisberg aus seiner Gefangenschaft, nachdem diese beinahe 15 Wochen gedauert hatte. Ein Notarius Johannes Dinkgrefe begleitete die Belagerer und nahm ein Protokoll über die Einnahme der Burg auf; dieses wurde dann mit Bericht an den Bischof gesandt, der sich zu Stadtlohn aufhielt. Als Rudolph van Lutten 1572 starb, behielt seine Wittwe Anna Gehle bei der Minderjährigkeit ihrer Kinder die Verwaltung. Zum Gute gehörten damals der Beverner und 6 andere Zehnten, wovon abwechselnd die Winter- oder Sommerfrucht gezogen wurde, das Gut Schwede und 41 eigenhörige Stellen.

Rudolphs Sohn Diederich starb am 7. März 1596; er war verheiratet mit Dorothea Voß vom Gute Diek. Diesem folgte sein Sohn Hilmar, und dann des letzten Sohn Heinrich, verheirathet mit Catharina Margaretha von Mönnighausen, von 1628 bis 1650 Herr von Lage und Schwede genannt. Sie hatten 3 Söhne:

1. Rudolph, verheirathet mit Margaretha Margaretha Magdalena von Ledebur vom Gute Dinklage, deren Sohn Rudolph Ledebur vor seinem Vater starb, wo dann dieser 1678 ohne Erben folgte; 2. Hilmar, welcher nach seines Bruders Tode auf Lage folgte, aber 1704 unverheirathet starb, und 3. Philipp, welcher in der Theilung das Gut Schwede erhielt. Eine Tochter Dorothea heirathete den preußischen Rittmeister Sigismund von Rochow, von einer alten Familie aus dem Brandenburgischen abstammend, deren Sohn Hilmar August von Rochow nach dem Testamente seines Oheims und Pathen Hilmar van Lutten vom 22. November 1698 als Herr auf Lage folgte. Als auch er 1712 unverheirathet starb, folgte ihm sein Bruder der Berghauptmann Joachim Heinrich von Rochow, verheirathet mit Gertrud Elisabeth von Milkau zu Schwede. Ihr Sohn Christian Wilhelm von Rochow, verheirathet mit Judith Agnes von Dinklage zu Schulenburg, folgte auf Lage; ihre Tochter Sophia Catharina heirathete den Land- Erbmarschall A. F. L von Rössing aus dem Halberstädtischen. Als nun des Christian Wilhelm einziger Sohn, der Major Adam Daniel August Wilhelm von Rochow, 1810 ohne männliche Leibeserben starb, folgte ihm im Besitze des Gute Lage der Sohn seiner Tante Sophia Catharina, nämlich der Landrath Ernst Conrad von Rössing, dessen Sohn, der Cammerherr und Landjägermeister Hermann von Rössing, es gegenwärtig besitzt.

Wegen vieler Schulden wurde schon 1712 der Erbkämmerer Franz Wilhelm von Galen in mehrere Bauernstellen immittirt, und 1785 war das ganze Gut von den Gläubigern in Sequester gezogen, und die mahrsten Eigenhörigen und Zehnten wurden in der Folge zur Deckung der Schulden verkauft und dadurch das Gut selbst erhalten.

1815 wurde an demselben eine neue Windmühle erbauet. Das Gut hat mit den Gütern Daren, Harme und Südholz gemeinschaftlich den Gerichtsrocken und die Gerichtshühner aus dem alten Gerichtsbezirk Bakum zu beziehen.


Das Gut Vehr liegt hart an den Gründen der Stadt Quakenbrück, und wird von denselben nur durch einen Arm der Hase, hier die Landesgrenze, getrennt. Eine Fähre über diesen Fluß mag dem Gute den Namen gegeben haben. Es besteht aus einer alten Burg und damit zusammenhängenden Gründen, wahrscheinlich dem frühern Bestande von zwei Bauernstellen, und gehört zur Bauerschaft Brokstreek.

Über die Zeit der Erbauung der Burg so wenig, als über ihren Erbauer finden sich Nachrichten; da sie aber nicht Lehn ist, möchte sie schwerlich vor 1400, oder doch nicht lange vorher entstanden sein. Wir finden sie zuerst 1522 im Besitze des Herbold van Smerten, dessen Vorfahren in und um Quakenbrück begütert und Burgmänner dieser Stadt waren. Seine einzige Tochter Elisabeth heirathete um 1540 den Johann Caspar Grodhaus zu Mesenburg und brachte diesem das Gut zu; er starb um 1560, wo sein Sohn Conrad noch minderjährig war. Dieser heirathete Anna von Scharpenberg und starb den 6. Mai 1612. Sein Sohn Schmerten Grodhaus, verheirathet mit Cornelia Sibylla von Ledebur, starb am 30. März 1650; seine älteste Tochter Nicolina Sibylla war an Otto Caspar Kobrink zu Daren verheirathet und brachte diesem das Gut zu. Es vererbte nun, wie Darten, auf Schade und dann auf Freydach zu Gödens. Georg Wilhelm Freytag von Gödens verkaufte am 1. Mai 1750 die dem Gute gehörige Windmühle bei Essen an H. H. Mönnig für 1500 Rthlr. und 1783 das ganze Gut an von Elmendorf zu Füchtel, dessen Nachkommen es noch besitze.


  • Quelle:


Aus Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster und der angränzenden Grafschaften Diepholz, Wildeshausen. Ein Beitrag zur Geschichte und Verfassung Westphalens. Vom Gemeinheits-Commissair E. H. Nieberding zu Lohne. Zweiter Band - 1841.


  • H. Nieberding Lohne
  • Aufgearbeitet und digitalisiert

von h. Bruemmer

Ansichten
Persönliche Werkzeuge