Gründung: Kirche und des Klosters zu Essen
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Gründung der Kirche und des Klosters zu Essen (968-978)
Aldburg, vermutlich die Gemahlin des Grafen Heinrich im Gaue Leri ließ in der Bauerschaft Assini, dem jetzigen Essen, zu Ehren des hl. Pancratius eine Kirche erbauen.
Die Gründungsurkunde dieser Kirche ist in den Regierungsjahren des Bischofs Ludolf von Osnabrück [968-978] ausgefertigt und hat in der Übersetzung folgenden Wortlaut:
"Im Namen Gottes des Herrn und unseres Erlösers Jesu Christi. Wir Aldburgis geben durch Gottes ordnende Vorsorge unter dem herrlichen Kaiser Otto mit Wissen der Erben im Dienste Gottes zum Bau einer Kirche einen an dieser Stelle bekannt gemachten Teil unseres Gutes dort und einen Teil der Gebung des zehnten Teils und wir suchen dort unser ferneres sterbliches Leben hinzubringen. Daher wollen wir, daß es allen unseren Gertreuen, gegenwärtigen und zukünftigen, bekannt werde, daß wir auf dem Meierhofe unserer Besitzung, welche Essen genannt wird, eine Kirche zu Ehren des heiligen Pancratius und der anderen Heiligen, deren Überreste hier zurückzuhalten beschlossen ist, erbaut und mit Zustimmung meiner Erben, des Bischofs Ludolf und des Gaugrafen Gottschalk, meiner Söhne, dauernd diese Ausstattung bewilligt haben. Auch zur Mitgift der vorgenannten Kirche zwei Höfe in Essen, der eine, der hier gelegen ist, mit jeglichem Gebrauch der Wegnehmung des zehnten Teils, den anderen aber ohne Wegnehmung des zehnten Teils, den dritten in Evenkamp, den vierten in Lage, den fünften in Herbergen, den sechsten in Suhle, den siebten in Garthe, den achten in Addrup, den neunten in Carum – von dem 10. ist Besitz genommen -, und befestigen sie mit Eigentums- und einigen anderen Rechten zum Gebrauch des Priesters, damit der Gottesdienst ganz und gar von der Geistlichkeit verrichtet werden kann. Wenn jemand diesen Vorbenennungen widerspricht, indem ihn Übermut oder eine andere rasende Begierde antreibt, der möge aus Christi Vorsehung und der aller Erwähnten und von mit und aus der bischöflichen Regierung meines gegenwärtig herrschenden Sohnes Ludolf, der jenen Ort mit dem Segen Gottes geschmückt hat, ausgeschlossen werden. Ich, Bischof Ludolph , habe dieses unterschrieben und zugestimmt und, damit es fest geglaubt werden kann, mit bischöflichem Bann bestätigt.
Ich, Kuno durch Gottes Gnade Bischof, habe diese zusammengefallene und vom Gaugrafen wieder erbaute Kirche zu Essen eingeweiht und auf Bitten desselben die oben beschriebenen Widmungen erneuern lassen und mit eigener Hand unterzeichnet."
Die ursprüngliche Holzkirche in Essen stürzte dem letzten Satz dieser Gründungsurkunde infolge schon bald nach dem Tode des Bischofs Ludolf, der im Jahre 978 erfolgte, ein, und der Bruder des Bischofs, Graf Gotschalk stellte sie in den Jahren 978-980 wieder her. Die folgenden beiden Jahrhunderte erwähnen nichts von der Kirche in Essen.
Wir erfahren erst um 1170, daß an dem Orte, wo Alaburg eine Kirche hatte bauen lassen, inzwischen ein Mönchskloster entstanden war. Es wird nämlich in einer Urkunde erwähnt, daß Graf Simon von Tecklenburg und Graf Moritz von Oldenburg in einem Streit zwischen den Mönchen des Klosters zu Essen und dem Erzbischof von Bremen zu vermitteln versucht habe. Aber wenige Jahre nachher, schon vor 1175, muß dieses Mönchskloster eingegangen oder zerstört worden sein. Denn 1175 gründeten Graf Simon von Tecklenburg [vermutlich ein Sohn des Grafen Gotschalk], mit dem die Stammreihe der mächtigen Grafen von Tecklenburg eröffnet wird, und seine Mutter Eilika auf ihren Gütern in Essen ein Nonnenkloster und schenkten demselben als Unterhalt die Kirche in Essen mit den oben erwähnten Gütern und außerdem noch die Mühle zu Calhorn und je einen Hof in Lage bei Essen, Lüsche, Knem [Kneheim], Emesbüre [Hemmelsbühren], Stapelvelde [Stapelfeld], Himmelte [Hemmelte], Ecopen [Epe bei Bramsche?], Ederen [Ehren bei Löningen], Beveren [Bevern bei Essen, Badberg [Badbergen], Arkenstede [Gr. und Kl. Arkenau], Arkenvelde und uppe Vorste einen Hof. Noch im Gründungjahre konnte Bischof Arnold von Osnabrück [1173-1190] das Kloster einweihen. Da die Kirche bei der Zerstörung des Mönchsklosters entweiht war, wurde auch sie wieder von neuem eingeweiht. Über die Gründung des Nonnenklosters zu Essen hat Graf Simon im Jahre 1186 folgende Urkunde ausgestellt, die übersetzt lautet:
"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Ich Graf Simon von Tecklenburg, Advocatus der Osnabrücker Kirche, mache Gegenwärtigen und Zukünftigen bekannt, auf welche Weise ich und meine Mutter Eilica in Hoffnung eines ewigen Geschenkes und zum Seelenheil meiner Vorfahren mit Zustimmung meiner Gattin und meiner Söhne auf unsere Besitzung in Essen ein Kloster errichtet und dort die Gott dienenden Nonnen versammelt haben. Wir haben ihnen zum notwendigen täglichen Unterhalt die in demselben Dorfe gelegenen Kirche, die uns nach dem Erbrecht gehörte, mit Mitgift und jedem Vorteil des Nutzens in feierlicher Schenkung übergeben, nachdem darin auch das Beten bestimmt war. Der Herr Bischof Arnold traf, vom Konvente aufgefordert und auf unsere Bitten hin Anordnungen und Weihte die Kirche ein und versicherte dann, wie es recht war, den Ort, die Bewohner und alles, was zu ihnen gehörte, mit seinem Bann. Wie viel daher uns gehört, haben wir festgelegt und bestimmt, damit der Ort selbst dann mit seinen Bewohnern in Sicherheit dieses Friedens verbleibe und was von unserer Ausstattung für jede Getreuen oder der eigenen Ankaufung oder dem Eigentumsrechte an Häusern, Äckern, Wiesen, Wäldern, kultivierten und unkultivierten Sümpfen abwiche von ihrem Recht, ihnen unverletzt und ungeschmälert verbliebe. Namentlich aber dies: Der Ort, wo die Vorratskammer gelegen ist, die Kirche mit der Mitgift, das Allodium aus dem östlichen Teile des Dorfes, aus dem nächsten die Mühle, den Acker neben der Mühle, eine andere Mühle in Calhorn, ein Haus in Lage, ein Haus in Lüsche, ein Haus in Kneheim, ein Haus in Ambühren, ein Haus in Stapelfeld, ein Haus im Hemmelte, ein Haus in Ecopen, ein Haus in Hinnenkamp, ein Haus in Ehren, Zwei Häuser in Herbergen, zwei Häuser in Lohe, ein Haus in Garthe, ein Haus in Bevern, ein Haus in Badbergen, ein Haus in Arkenstedt, ein Haus in Arkenvelde, ein Haus Uppen Vorste [Otburg].
Und damit ihnen diese unversehrt und unvermindert verbleiben und durch seine Gewaltsamkeit der Nachfolger oder unserer Erben zerbrochen werden sollen, haben wir ihnen diese Karte abfassen lassen und zur Befestigung unserer Anführung mit unserem Siegel bekräftigen lassen. Wenn aber irgend eine wiewohl mächtige Person diese unsere Versicherung ändern und die vorbesagten Dienerinnen Gottes durch irgend eine Machenschaft in unrechter Weise zu schädigen versuchen würde, der sei angeklagt auf ewige Rache und zu schärfster Prüfung, um auf diese Sachen zu antworten, vor den höchsten Richter gestellt. Außerdem wollen wir, daß über den Prozeß über diesen Ort selbst allen bekannt sei, daß wir diesen seinem aus Gefälligkeit übergeben, sondern uns selbst den Vorzug vor allen anderen vorbehalten und gemäß dem Stande der Zeit und dem Nutzen der Sache für sie als Vermittler sorgen werden. Dieses ist zuerst geschehen im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1175; darauf aber befestigt und verstärkt vor Zeugen im Jahre 1186."
Etwa 1194 wurde das Kloster in Essen durch einen Brand gänzlich zerstört. Von dieser Zeit ab fehlen alle geschichtlichen Mitteilungen über das Kloster. Nach einer späteren Mitteilung soll schon 1170 das Kloster zu Essen nach Malgarten verlegt sein. Danach muß angenommen werden, daß die Güter des Klosters zu Essen nach seiner Einäscherung zu dem schon vorhandenen Kloster Malgarten gekommen sind. - G.
entnommen dem 2. Heft vom April 1934, Volkstum und Landschaft – Heimatblatt der Münsterländischen Tageszeitung in Cloppenburg.
Aufgearbeitet, recherchiert und zur Verfügung gestellt - h. br.