Essener-Nationallied-1844

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Das Essener Nationallied - 1844


1.

  • Wie London an der Themse,
  • Jedoch nicht ganz so groß,
  • Liegt Essen an der Haase
  • Und handelt frisch drauf los.
  • Auch hat es fette Wiesen,
  • Wie Gessen an dem Nil,
  • Und reiche Roggenfelder,
  • Wie kaum das Land Sizil.


2.

  • Auch schon in alten Zeiten
  • War Essen nicht gemein,
  • Es zogen hohe Grafen
  • Und edle Freau'n hier ein.
  • Und noch sind hoch und edel
  • Hier Mann und Frau gesinnt,
  • Drum ist es nur das Gute,
  • Was hier das Reich gewinnt.


3.

  • Drum mußte hier auch weichen
  • Der böse Alkohol.
  • Er brachte großes Uebel,
  • Sein Sündenmaß war voll.
  • Die Männer, Frau'n und Kinder
  • Erhoben sich zugleich,
  • Bekämpften ihn vereinigt,
  • Und aus war bald sein Reich.


4.

  • Es gibt im Ess'ner Städtchen
  • Viel schöne Mägdelein,
  • Mit ihren roten Wangen
  • Und blauen Äugelein.
  • Sie schweben wie die Elfen
  • Im Tanze leicht dahin.
  • Hoch strahlt im Kranz der Frauen,
  • Die schöne Essenerin


5.

  • Gott segne unser Essen
  • Samt Handel, Wiesen, Feld.
  • Wo wär' es denn wohl besser
  • Auf Gottes weiter Welt?
  • Steht dann die Welt auch offen
  • Nach Ost, nach West, nach Süd,
  • Wir singen hier in Essen
  • Vergnügt das Heimatlied.


  • In der Chronik von Essen in Oldenburg gilt es zu lesen:
  • 1844 - Kaplan J. M. Seling führte Mäßigkeitsbruderschaft ein.


  • Vom Jahre 1840 - 1848 hatte Johann Mathias Seling, Kaplan von St. Johann in Osnabrück im Oldenburger Münsterland als Mäßigkeitsapostel Predigten gegen den übermäßigen Gebrauch und Verzehr von Alkohol gehalten. Dem Mißbrauch sollte ein Ende gesetzt werden.
  • Er sezte seine Hoffnungen auf den volkstümlichen Gesang. So begann er für die Ortschaften Dinklage, Emstek, Steinfeld, Cappeln, Damme, Lindern, Saterland, Löningen und Steinfeld, Vestrup und Visbek Mäßigkeitslieder zu schreiben und zu dichten, welche nach bekannten Melodien gesungen wurden. Keines dieser Lieder wurde so volkstümlich, das es zum "Nationallied" aufgerückt ist, wie "das Essener Lied."
  • Es wird gesungen im ersten Teil nach einer französischen Volksweise "Pour aller à la chasse faut être matineux" - 1724. Dieser Melodie wurde zuerst der "Erneute Schwur" an den Turnvater Fried. L. Jahn von dem Dichter der Freiheitskriege Max von Schenkendorf im Juni 1814 als Text unterlegt, dann vor 1826 das Wanderslied der Prager Studenten aus dem Leben eines Taugenichts von J. Freiherr von Eichendorff: "Nach Süden nun sich lenken die Vög'lein allzumal; viel Wandrer lustig schwenken die Hüt' im Morgenstrahl".
  • Die vierte und fünfte Strophe des Liedes sind von einem unbekannten Volksdichter hinzugefügt worden. Bernhard Menke,Direktor der Essener Bürgerschule, soll nach Aussage von W. Kloppenburg den Text erstmalig in der Bonifatius-Druckerei zu Paderborn drucken und verbreiten lassen.
  • Kaplan Johann Mathias Seling, geb. in Gesmold am 2.12.1792, gestorben in Osnabrück am 27./26.November 1860.


  • Quellen:
  • Ein Großteil des Textes wurde dem Buch "1000 Jahre Gemeinde Essen Olbg." entnommen.
  • Druck und Verlag: Ferdinand Ostendorf Cloppenburg im Jahre 1968.
  • Das "Essener Nationallied" enstammt in dieser Textversion, Unterlagen aus dem Jahre 1921.
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