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Essen in vorgeschichtlicher Zeit

Allgemeines:

Tiefes Dunkel breitet sich über die Uranfänge unserer Heimat und ihrer Urbewohner aus. Geschichtsforscher haben versucht, den dichten Schleier vorgeschichtlicher Zeit zu lüften. Sie haben nachgewiesen, dass die ersten Ansiedler unserer Gegend urgermanischer Abstammung waren, jedenfalls von Nordosten kamen und dem um das Ostseebecken beheimateten Kulturkreis angehörten. Aber nirgends findet sich ein Runenzeichen oder ein Runenbuch dieser Urväter, das und von ihrem Leben erzählt und uns einen Einblick in die Bodenverhältnisse unserer Gegend in alter Zeit verschafft. Nur die Heimaterde selbst gibt uns dunkle Anhaltspunkte. Sie ist das einzige aber auch das älteste und größte Archiv aus vorgeschichtlicher Zeit. Erdschichten verschiedener Art liegen in ihr übereinander wie Bände in einer Bibliothek. Geologen und Gelehrte durchforschten sie, um aus ihnen Alter und Entstehung unseres Heimatbodens herzuleiten. Urkunde aus Stein, Bronze und Eisen hält die Erde durch zwei- bis viertausend Jahre in ihrem Schoß geborgen. Es sind die alten Findlinge, Hünengräber, Urnen, Münzen, Waffenstücke und Gebrauchsgegenstände, welche teils durch Naturereignisse, teils durch unserer Vorfahren oder durch die Römer und andere Völker einst über unsere Gegend verstreut wurden. Als Erbstücke unserer Väter werden sie nun in unseren Heimatmuseen aufbewahrt. Sie entrollen uns eine alte, wenn auch dunkle Geschichte von unserer Heimat, von der Bodenbildung und Besiedlung unserer Heimat, von der Art und Lebensweise unserer Vorfahren. Was weiß uns die Erde mit ihren verschiedenen Schichten zu erzählen?

Über die Entstehung des Heimatbodens

a) Bildung des Heimatbodens im Diluvium

Scheinbar hat der Boden unserer engen Heimat nichts gemein mit den wechselvollen Schichten des deutschen Bodens. Er gehört nämlich der jüngsten Formation, dem Quartär, an. Und doch haben die vorgenommenen Bohrungen in Oldenburg zu dem Resultat geführt, dass sich der Boden des Landes und damit auch unserer Gemeinde gebildet hat wie im weiten Vaterlande. Demnach hatte unsere Gemeinde vor Zeiten ihre Berge und Täler, doch liegen sie tief unter uns und sind mit einer mächtigen Schicht loser Erde überdeckt. Diese obere Schicht besteht aus Sand, Ton und Gesteinsmassen. Unter ihr hat man in Nachbargemeinden Spuren von Tieren entdeckt, die in wärmeren Gegenden beheimatet sind, so Knochenreste von Krokodilen, Elefanten und Affen. Mithin muss hier in Urzeiten ein wärmeres Klima geherrscht haben, dem vor etwa 30000 Jahren ein überaus kaltes Klima folgte, weshalb große Gebiete im nördlichen und mittleren Europa, also auch unsere Heimat, unter Schnee und Eis begraben wurden. Die Pflanzenwelt ging unter, die Tiere entwichen nach dem Süden oder gingen ebenfalls zugrunde. Das kalte Klima dieser Zeitepoche ist die Ursache, dass unser Gebirgsland später mit einer gewaltigen Erdschicht bedeckt und in ein Flachland umgewandelt wurde. In dieser Kälteperiode, der Eiszeit, hatten sich nämlich auf dem skandinavischen Hochgebirge und in Finnland sehr hohe Eismassen aufgetürmt. Langsam schoben sich in Form von ungeheuren Eisgletschern, deren Mächtigkeit man Stücken auf mehr als 1000 m, in unserer Heimat abdachend, noch auf 100 bis 200 m schätzt, über die Nord- und Ostsee hinweg, die damals jedenfalls noch nicht vorhanden waren und drangen auf ihrer Wanderung bis Mitteldeutschland vor. Sie kamen auch über unsere Gegend, große Steinblöcke, aus nordischem Granit und Verwitterungsschutt der gestreiften Landflächen mit sich führend. Das mitgenommene Material wurde teils an der Sohle gerieben, teils als ganze Masse in Vertiefungen aufgehäuft. So entstand ein Flachland, das durch die später nachfolgenden Schmelzwasser noch mehr geebnet wurde. Man teilt die Eiszeit in mehrere Untereiszeiten, zwischen denen eine mildere Temperatur geherrscht haben soll. Dem kalten Klima folgte endlich dauernd ein warmes, das die Eismassen an den Südrändern zum Schmelzen brachte. Nach und nach begannen sie sich infolge der Druckwirkung nach Nordwesten zu bewegen, weil in dieser Linie die Abschmelzrichtung verlief. Gewaltige Schmelzwasser drängten nach und bahnten sich einen Weg nach der gleichen Richtung. So entstanden die Urstromtäler, so entstand auch unser Hasetal, diese breite Tieflandsmulde, welche zu jener Zeit die weite Sandebene, unser heutiges Flachland südlich von Essen, als tiefe Wasserrinne von Osten nach Westen durchfurchte, alles Wasser diesseits der Wasserscheide des nördlichen Münsterlandes aufnahm und zum Urstromtal der Ems führte. Unsere Heimatflüsse, die Lager Hase und Osnabrücker Hase, fließen also als Überbleibsel des Urstromtales in den Betten der alten Urströme. Die Schmelzwasser brachten Sand, Ton und Gesteinsmassen zur Ablagerung. Dieses Bodenmaterial bildet heute die Grundlage unseres Heimatbodens. Die Gesamtmächtigkeit der in der Eiszeit abgelagerten Schicht beträgt 50 bis 100 m. Die Gesteinsmassen sind als unverwüstliche Denkmäler der Eiszeit über unsere ganze Gemeinde verbreitet. Erinnert sei an die vielen großen und kleinen Felssteine unter und neben unseren Bauernhäusern, z.B. Burke in Ahausen, unter und neben der jetzigen Kirche, die dem Mauerwerk der alten Kirchen entnommen sind und zum Teil zur Abgrenzung des Dreiecks bei Kleier verwendet wurden, in Straßen, Grotten und in Äckern. Lange haben Schmelzwasser und andere Naturgewalten an ihnen geformt, bis sie ihre jetzige, meist runde Gestalt erhielten. Gewichtige Blöcke sind durch das Fortwährende Rutschen an einer oder zwei Seiten spiegelglatt gerieben. Von besonderer Größe waren zwei Findlinge, welche kurz vor Ausbruch der ersten Weltkrieges aus der Heide des Eigners Barlage in Sandloh gegraben, zum Marktplatz gebracht und dort nach Jahren versenkt wurden. Ein Findling von großem Umfang liegt auf dem Grundstück des Eigners Gösling im Hülsenmoor, dicht unter der Oberfläche.

b) Fortschreitende Bildung des Heimatbodens in der Alluvialzeit.

Mit der Zeit entwickelte sich unter dem Einfluss eines günstigen Klimas übera11 Pflanzenwuchs. Es begann die jüngste und oberste Form geologischer Formation, das Alluvium, eine Periode, in der wir uns noch jetzt befinden. Sie umfasst alle seit Ausgang der Diluvialzeit entstandenen und noch fortdauernden Neubildungen an der Oberfläche der Erde. In unserer Gemeinde zählen wir dazu die Randablagerungen der Hase und ihrer Zuflüsse nach der Eiszeit, die Bildung der Grünlandmoore im Hasetal, der Märschen wie: Vehr-Märsch, der Rieden - Deepen Riede- , des Bruches - Grimbrook, Essener Brook, Brokstreek- des Hochmoores an niedrigen Stellen in höher gelegenen Teilen nördlich und südlich von Essen, der Ortsteinlager, der Tonschichten über dem Diluvialboden, endlich der Sandschichten und der Sandwehdünen in Sandloh, im Hülsenmoor, in Osteressen, auf Calhorn.

c) Entstellung der Grünlandsmoore

Im Urstromtal der Hase hat das Wasser seit Jahrtausenden gearbeitet: transportiert, aufgeschwemmt und nivelliert, bis der Boden zur Ansiedlung von Menschen brauchbar wurde. Daher die vielen verschiedenfarbigen Sandschichten an der Hase, die man bei den Begradigungen beobachten konnte. Infolge Aufschlickung und Ablagerung der im Wasser schwebenden Sinkstoffe und Kleinlebewesen wurde der Boden immer höher. Feuchtigkeit und Wärme weckten die Keime der Riedgräser und Binsen, der Schachtelhalme, Seerosen und Hahnenfußgewächse, der Birken, Erlen und Eichen zu neuem Leben. Wo aber das Wasser keinen rechten Abzug hatte, vermoderten die Wurzeln, die Pflanzen versanken im Wasser und bildeten den Brutplatz für kommende Pflanzengeschlechter. So bildete sich das Niederungs- und Grünlandsmoor, das wir als Marsch, Ried, Brok und Dobben vornehmlich an der Lager Hase antreffen. Es enthält keinen Torf, ist aber nährstoffreich und bot unseren Vorfahren Sommer- und Winterfutter fürs Vieh. Auf sumpfigen Untergrunde bildete sich stellenweise Raseneisenerz oder Ortstein. Die Oberfläche dieser Moorbildungen ist nicht gewölbt, sondern flach oder muldenförmig und hat geringere Tiefe als die Hochmoore. Viele Grünlandsgebiete unserer Gemeinde sind durch die Kultivierung so geändert, dass ihre natürliche Beschaffenheit nicht mehr zu erkennen ist. Die Wiesen, welche unsere Grünlandsmoore decken, unterscheiden sich kaum von denen anderer Böden. Das Durchschnittsprofil ergibt folgende Schichten: Bauerde, Kniek = zäher eisenstreifiger Boden, Darg = torfiger Boden = schwarze Moorschicht, wie man sie im Ahauser Meer und an der Hase auf Ostendorpe antrifft und Diluvialsand.

d ) Bildung der Hochmoore

In den nördlichen höher gelegenen Teilen unserer Gemeinde entwickelte sich die Flora zunächst in den Vertiefungen und Mulden, fiel aber dem Niederschlagswasser, das nicht abfließen konnte, alljährlich wieder zum Opfer. So entstanden die Hochmoore = Heidemoore. Zoll um Zoll eroberten sie den Boden ringsumher, versumpften ihn und überdeckten ihn mit Torfmoosen, Wollgräsern und Heidekraut. Selbst Tümpel, Seen und Baumwuchs zogen sie in ihren Bereich. Sie bildeten mit der Zeit einen zusammenhängenden Moorkomplex, der sich heute über einen Teil von Herbergen, Suhle und Barlage erstreckt, aber auch jenseits der Gemeindegrenzen in Hemmelte, Elsten und Warnstedt große Flächen bedeckt. Kleine Moorflächen finden sich in Calhorn, Bartmannsholte, Osteressen und auf Lage. Bäume, vornehmlich Birken und Kiefern, wurden im Moor langsam krank, erstickten im ewigen Sumpf, zu dem der Sauerstoff der Luft nicht Zutritt hatte. Daher die Baumleichen und das Kleinholz am Grunde des Moores. Das Barlager Moor ist größtenteils abgegraben, ebenfalls das Moor in Lage, das eine sandige Torfschicht von 3/4 m Dicke hat. Das Herberger Moor, etwa 50 ha groß, ist stellenweise 2 - 3 m tief. Beim Bau der Kirche 1870 - 1875 wurde es stark abgegraben, weil man den Torf zum Brennen der Ziegel benutzte, die in Bartmannsholte hergestellt wurden. Rechnet man für 1 mm Moorwuchs ein Jahr, so ist das Alter des Herberger Moores auf 2000 - 3000 Jahre zu schätzen. Ein senkrechter Schnitt durch das Hochmoor zeigt unten Diluvialsand, darüber eine Torfschicht aus Wollgras und Torfmoos, endlich Dopp- oder Besenheide, die in Barlage etwa bis zu einem 1/2 m lang ist. Der Heiderohhumus hat stellenweise inselartig zur Ortsteinbildung geführt.

e) Ortsteinbildung

Zu den alluvialen Bildungen gehört der unter Torf-, Heide- und Heideschichten mit sumpfigem Untergrund stark verbreitete Raseneisenstein oder Ortstein. Er findet sich die ganze Lager Hase entlang von Addrup bis Ahausen, an ihren Nebenflüssen, z.B. am Storkshagenbach, auf dem Schützenplatze am Nadorster Bach und in den niedrigen Wiesen und Mooren außerhalb des Flussgebietes, nicht aber an der Osnabrücker Hase. Dort treffen wir Flächen an mit grobkörnigem Sand, der namentlich nach der Melioration 1907-08 bloßgelegt, aber auch von jeher aus dem Preußischen angetrieben wurde. Der Ortstein ist entstanden, indem die in der Humusdecke enthaltenen Eisenverbindungen von den Pflanzensäuren aufgelöst wurden, abwärts senkten und sich unter dem entfärbten wasserdurchlässigen Bleichsande stellenweise zu Erzbänken ansammelten. Das auf ihnen sich stauende Sickerwasser war von jeher stark eisenhaltig und tritt noch heute in Quellen, Tümpeln und Brunnen zutage. Das Wasser bedeckt sich mit einer dünnen, regenbogenfarbigen Haut, die allmählich eine gelbbraune Farbe annimmt und in Flocken niedersinkt. Das Eisenerz besitzt zwar geringen Metallgehalt, ist hier aber, weil es ohne erhebliche bergmännische Arbeit gewonnen werden kann, schon seit alter Zeit zur Herstellung von Acker- und Hausgeräten verarbeitet worden. Die Ortsteine wurden neben den Findlingen auch zum Bau der vorigen und vorvorigen Kirche verwandt und sind noch heute teils als Bordsteine um die Kirche aufgeschichtet, teils haben sie in der Einfassungsmauer an der Südseite des Kirchhofes auf dem Gosekamp Verwendung gefunden. Der Erzschichten an der Lager Hase wechseln ab mit sandigen und moorigen Flächen und sind von ganz ungleicher Tiefe und Ausdehnung. Manche Wiesen sind nach ihnen benannt, wie: Markus "Auert" in Ahausen und "Schänzken Auert" auf Schmitz-Barklagen-Stelle in Osteressen. In den 70er Jahren stieß man bei der Begradigung der Hase auf eine Ortsteinlage von 75 cm Stärke, das der Arbeit großen Widerstand entgegensetzte. Nach Aussage alter Leute soll das Erz an dieser Stelle abgebaut und in Kähnen über die Hase zur Eisenschmelze des Emslandes befördert worden sein. Weil aber die Abbaufläche zu klein war, hat man später den Betrieb wieder eingestellt. Auch in den Bauernschaften, die nicht zum Flussgebiet der Hase gehören, treffen wir Eisenerz an, so am Hülsenmoor, in Barlage und Bartmannsholte. In Stadtsholte fand der bekannte Altertumsforscher von Alten eine Stätte, wo der in sumpfigen Wiesen reichlich vorhandene Ortstein zum Schmelzen gebracht war. An den Resten der Schmelzgruben, die mit Ton ausgeschmiert waren, konnte man dies deutlich erkennen.

f) Bildung von Ton

Der Moorboden unserer Gemeinde mit seinen Ortsteinlagern deckt etwa 257 ha = 2,78 % der Gesamtfläche. Der größte Teil unseres Bodens hat folgendes Durchschnittsprofil: unten Diluvialsand von unbestimmter Tiefe, darüber kalkigen, feinsandigen Ton oder lehmstreifigen Sand, dann reinen Sand oder humosen Sand, der auch Bau-, Acker- oder Muttererde heißt. Der Ton ist ein Verwitterungsprodukt tonerdehaltiger Silikatsteine. Er wurde in den Zwischeneiszeiten und später als feinpulverige, kalkhaltige Erde, Löß genannt, durch die Einwirkung von Wind und Wasser in Schichten abgelagert und ist recht fruchtbar. Im Alluvium setzte sich die Umwandlung und Umlagerung älterer Gesteinsmassen fort. Der Verwitterung durch Hitze und Frost sowie der zersetzenden Tätigkeit niederer Pflanzen - Algen, Flechten, Moose- vermochten auch Felsen nicht zu widerstehen. Der Ton findet sich in unserer Gemeinde teils tief, teils nur eben unter der oberen Sandschicht verborgen. Es ist meistens sogenannter magerer Ton, der stark mit Sand vermischt ist und daher wenig plastisch und noch weniger feuerbeständig ist. Nur stellenweise findet sich fetter Ton. Nach seiner Fettigkeit und Brauchbarkeit unterscheidet man Ziegelton, Töpferton, Lehm und Tonmergel. Unsere Tonschicht ist, nach der Anlage von Röhrenbrunnen zu urteilen, von ganz verschiedener Stärke. Tiefbohrungen auf Vehr ergaben eine Tonschicht, deren Mächtigkeit etwa 15 m beträgt und die auf kl. Arkenstedt allmählich ausläuft. Unweit der Pastorat beginnt eine Lehmschicht, die sich in etwa 2 m Dicke über Richters Esch bis in die Gegend von Tierarzt Gerdes hinzieht. Beim Wasserturm erreicht sie eine Stärke von 10 m. Die Diekmannsche Mühle steht auf dem alten Essener Lehmstich. Auf Holtkamps und Engelken Stelle in Bartmannsholte befinden sich Tonschichten von besonderer Güte. Sie sind inselartig über das Gebiet verbreitet, liegen weniger tief und wurden für die Kirchenbauten in Essen – 1870, Bunnen und der Wärterhäuschen von Essen bis Hemmelte ausgebeutet. Die Ziegler, z. B. Ziegelmeister Dreyer, kamen aus dem Lippeschen. Auf Engelken-Stelle – Vahrstelle genannt, weil die der Kirche gehörte – befindet sich oben humoser Sand, darunter lehmiger Sand und Gestein von 2 Meter Tiefe, dann eine fette Tonschicht – Kleiboden – von 10 Meter Stärke. Diese Tonschicht schließt sich an die Tonschicht auf Holtkamps Stelle an und reicht einerseits bis in Barlage hinein, andererseits soll sie als fette Lehmader über das nördliche Bartmannsholte, an Brahm, Hemmen und Wilking nach Cappeln und Tenstedt ziehen. Auf Holtkamps Stelle errichtete Bauer Budke eine Ziegelei, die sich aber nicht rentierte. Auf Engelken Stelle pachtete Bauunternehmer Römer, Damme, tonhaltige Flächen für 50 Taler Pacht und errichtete dort eine Ziegelei, in der 2/3 aller für den Kirchenbau notwendigen Steine hergestellt wurden. Die Messer zum Zermahlen der Tonerde, Überreste des Steinmaterials, namentlich zu den runden Säulenteilen und die entstandenen Kleikuhlen sind noch vorhanden. Jeder Stein musste einzeln geformt werden. Zuerst heizte man mit Tannenholz, das der alte Kammann aus Essen an der Löninger Straße verkaufen ließ, das Fuder zu 3 Mark, dann grub man das Herberger Moor ab. Bald nach Beendigung des Kirchenbaues stellte auch die Ziegelei ihre Arbeit ein. Andere mit Sand vermischte Lehmschichten befinden sich im Beverner .Esch, bei Krusen Bäuken, wo man roten Lehm findet, in Loher Schwarten, wo die Osteressener ihre Lehmkuhle haben, in der Gegend der alten Blocksmühle, in Sandloh, wo der Ort Essen seinen Lehmstich hatte. Überhaupt hatte früher wohl jede Bauernschaft ihren Lehmstich wie ihre Wegeerdeplacken. Dem Lehmstich entnahmen sie das zum "Klemmen" der Lehmwände in den Fachwerkhäusern erforderliche Material, die Wegeerdeplacken lieferten Sand zur Überschüttung der Landwege. Nachdem die im Besitz der Gemeinde sich befindlichen Placken ihre Bedeutung verloren hatten, wurden sie vor allem nach dem 1. Weltkrieg an Siedler verkauft. Lehmstiche von der Gemeinde erwarben Theo Roberg in Uptloh, Lohmann in Barlage, Klünemann in Uptloh, Bernard Eckhoff in Uptloh, kl. Burhoff in Addrup, Roberg in Osteressen, Stienke bei Krusen Bäuken in Osteressen, Mergelstiche an G. Biermann in Herbergen. Alle diese Flächen sind klein und stehen miteinander in keinem Zusammenhang. Lehmboden von etwas größerer Ausdehnung findet sich auf Wilkings Stelle in Calhorn.

g) Heimatboden im Wandel der Zeit

Durch die Plaggendüngung hat sich die obere Erschicht im Laufe der Jahrhunderte um ein Bedeutendes erhöht, im Essener Esch z.B. um 1 bis 1 1/2 Meter. Aber nicht allein durch Menschenhand, sondern auch durch die Einwirkung durch Frost und Hitze, Regen und Wind wurde bis in unserer Gegenwart der Boden langsam und fast unbemerkt umgestaltet. Quellen tauchten mit der Zeit auf und versiegten, Flüsse und Bäche änderten ihren Lauf, so Lager Hase und Osnabrücker Hase, die noch heute zur Zeit des Hochwassers ganze Strecken unter Wasser setzt, wie zum Beispiel das Ahauser Meer, hier werden Schichten fortgerissen und dort wieder aufgebaut. Noch heute kann dieses an der Neuen Hase jenseits Vorwerk beobachten werden. Holzbestände gingen in ihren Fluten unter. Gelegentlich der Melioration der Hase jenseits Münzebrook fand man im Flußbett soviel Eichenholz, dass es versteigert werden konnte, aber als es an der Luft trocknete, zerfiel es. Sanddünen wurden in der Zeit des Alluviums durch den Wind weitergetrieben, so die Sandwehdünen in Sandloh und schließlich durch Pflanzenwuchs in ihrer Wanderung gehemmt. Tongesteine verwitterten zu Pulvererde, die sich über die Umgegend verbreiteten. Infolge der Niederschläge wurden Höhen abgetragen und Niederungen aufgebaut. Auch der Pflanzenwuchs trug alljährlich bei zum Wachstum des Bodens, er beeinflusste das Klima und förderte die Niederschläge. Die Tierwelt endlich lockerte die Erde, wie die Maulwürfe und die Millionen Regenwürmer im Innern des Erdbodens. Was der Natur in der Umgestaltung des Bodens versagt blieb, das vollendete Menschenhand mit Pflug, Kultivator, Bagger und anderen neuzeitlichen Maschinen. So gab er dem Gesichte der Heimat ein ganz anderes Gepräge. Neben der leblosen Natur waren und sind aber auch Tier- und Pflanzenwelt unausgesetzten Veränderungen unterworfen. So war und ist seit der Diluvialperiode alles und jedes in fortwährendem Wechsel begriffen. Langsam und stetig ändert sich vor unserem menschlichen Auge das Gesicht des Heimatbodens. Im Gang der angedeuteten Kleinarbeit finden wir die Wahrheit der Lehre des griechischen Philosophen Heraklit um 500 vor Christus bestätigt. „In denselben Fluss kannst Du nicht zweimal steigen, denn immer andere Massen fließen zu und ab."

h) Römerzeit

Bodenfunde und Berichte römischer Geschichtsschreiber erzählen von den grimmigen Kämpfen, in denen germanischer Heldenzorn die Ketten zerbrach, die Roms Legionen den freien germanischen Völkern auferlegen wollten. In Scharen zogen sie unter Varus von Süden und vom Rhein her im Jahre 9 nach Christus zum Teutoburger Wald. Auch die Männer aus unserem Hasegau werden zum Volksthing geeilt sein, um gegen die artfremden Eindringlinge zu ziehen. Erstmalig haben sich Männer aus allen deutschen Stämmen zu einer Volks- und Kampfgemeinschaft zusammengefunden, die wegen ihrer Wehrhaftigkeit Roms überlegene Macht zu brechen verstand. Von der Grotenburg her grüßt noch heute das aus Erz gegossene Denkmal Hermanns des Cheruskerfürsten als ewiger Mahner zur Einigkeit und zum Friedenswillen. In den dann folgenden Römerzügen trafen die obersten Führer der Römer größere Vorbereitungen zu einem Feldzug durch das weite Land. Drusus, der Stiefsohn des Kaisers Augustus ließ einen Kanal vom Rhein zur Nordsee graben und besetzte die Insel Borkum. Dann zog er von der Emsmündung aus in das Land der Chauken, dem er ein Bündnis aufzwang. Über den Volksstamm der Chauken, der unsere Gegend ausfüllte, berichteten mehrere römische Schriftsteller. Um 5 vor Christus nennt Veleus Paterzulus die Chauken riesenhafte Gestalten und moderne Forscher – Waller – leiten den Namen von „hauk“ = hoch ab, eine Bezeichnung, die noch heute bei uns üblich ist. – Achterhauk und Peiterhauk in Essen, Hauk in Cloppenburg - .Tacitus lobt sie in seinem Buch „Germanien“ als das edelste Volk unter den Germanen, das seine Größe gern durch Gerechtigkeit zu behaupten versucht. Ohne Unbändigkeit, ruhig und abgesondert, reizen sie nie zum Kriege und verheeren nie durch Rauben und Plündern. Und dies vorzüglich zeugt von ihrer Stärke, dass die ihre Überlegenheit nicht durch Unrecht gewinnen. Bereits haben aber alle die Waffen, auf den Notfall ein Heer, Mannschaft und Rosse die Menge und im Frieden denselben Ruhm“. Fürwahr ein edles Urteil aus Feindesmund! Ptolemäus bereichtet um 150 nach Christus, dass die Wohnsitze der Chauken vom Osten der Weser bis zur Ems reichten. Sie wohnten in geräumigen, halb unterirdischen Wohnhütten und ihre weitmündigen Urnen und Gefäße zeigten eine hochentwickelte Kultur. Ihr technisches Können zeigten sie vor allem im Bau von Bohlenwegen und Knüppeldämmen durch das Moor. Sie sind also nicht von den Römern angelegt, sondern bereits 700 - 800 vor Christus erbaut worden. Das gilt z.B. von den "pontes longi“, den langen Brücken zwischen Damme und Hunteburg, die nach der Pollenanalyse von Pfaffendorf noch 400 Jahre älter sind. Das gleiche gilt von den schmaleren Knüppeldämmen zwischen Brägel und Diepholz und Bardenfleth. Nur ein kleiner Teil der Bohlenwege ist in der Römerzeit und später erbaut worden. Nach Drusus übernahm Dorraitius die Führung der Römerheere in Germanien. Von ihm ist bekannt, dass er die alten Bohlenwege mit Plaggen und Erde belegen ließ, die aber bei Regenwetter einen einzigen Morast, wenn auch mit festern Untergrund bildeten. Fest steht, dass der römische Feldherr Germanikus um 15 nach Christus mit vielen Schiffen rheinabwärts gefahren ist an der Küste entlang bis zum Dollart. Tacitus berichtet: "Viele große Seen an der Küste sind von der Flotte umschifft worden. Ja, selbst den Ozean haben wir dort versucht und der Ruf hat verbreitet, dass noch des Herkules Säulen vorhanden wären." Vom Dollart fuhren sie die Ems hinauf bis Lathen, wo sie nicht mehr schiffbar ist. Dort wurde das Heer ausgeladen und zog über den Hümmling, den Peheimer Landrücken, die Elster Landwehr und bei Märschendorf über die Auefuhrt. Von dort ging es weiter nach Bokern zum Brägeler Moor. Dieser Heerweg war durch Schanzen und Landwehre geschützt. Sie folgten vorerst dem Knüppeldamm und in einer Moorgegend, wo die schützenden Brücken fehlten, kam es zur Schlacht, welche die ganze Nacht dauerte und mit der Niederlage der Römer endete. Tacitus erwähnt in seinen "Annalen", dass ein Teil des geschlagenen Heeres unter dem Unterführer Caecina auf dem Rückmarsch zur Ems so rasch wie möglich die langen Brücken überschreiten sollte. Noch ungeklärt ist die Frage, welchen der verschiedenen Bohlenwege sie für die Rückzugsgefechte in Anspruch genommen haben. Es war im Jahre 16 nach Christus, als Germanikus erneut zu einem Rachefeldzug rüstete. Die Legionen zogen zu Fuß von Gallien durch das Land der Bruckterer zur Ems und das Reiterheer durch das Land der Friesen mit dem gleichen Ziel. Dann fuhr Germanikus mit rund tausend Schiffen die Ems hinauf. Unterwegs setzte er die Soldaten aus, die am rechten Ufer der Ems entlang bis Lathen marschierten und von dort den schon bekannten Heerweg nahmen. Es ist sehr gut möglich, dass sich ein Teil des Heeres einen Weg weiter südlich durch die Gemeinden Lastrup, Löningen und Essen gesucht hat, um dann in Richtung Carum zum Heerweg zu stoßen. Funde in Nieholte, Garen , Bunnen und Evenkamp deuten darauf hin. Sehr unwahrscheinlich ist es aber, wenn im "Hausschatz" -Beilage zur Münsterl. Tageszeitung- erzählt wird, dass Germanikus selbst von Meppen die Hase hinauf nach Löningen und Essen gefahren sei und die römische Proviantflotte zur Versorgung des Heeres denselben Weg genommen habe, dass also im Raume Löningen-Essen die großen Magazine gelegen hätten, aus denen die Legionäre gespeist wurden. Man kann sich einfach nicht vorstellen, dass eine ganze Flotte die Hase hinauffahren konnte, ebenfalls nicht, dass eine Heeresversorgung über die oft überschwemmte Haseniederung möglich war. Auch hätte man gerade an diesen Stellen Münzen und Funde machen müssen. Aus diesem zweiten Feldzuge kehrte Germanikus als Sieger heim und zur Verewigung seiner Tat wurde ihm in Rom ein stolzes Denkmal gesetzt. Im folgenden Jahre feierte das römische Volk den glanzvollen Triumph des Sieges über die deutschen Stämme zwischen Rhein und Elbe. Danach zerfiel das entnervte und demoralisierte Römervolk immer mehr, bis es in den Stürmen der Völkerwanderung von jungen germanischen Völkern hinweggefegt wurde.


  • Quellen:
  • Die Unterlagen stehen zur Verfügung.
  • Private Recherchen.
  • Heimatarchiv Vechta
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