Essen - 1870 Neubau der Kirche
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Essen - Neubau der Pfarrkirche
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war für das Oldenburger Münsterland eine kirchenbaufreudige Zeit.
Im Amte Cloppenburg sind in diesem kurzen Zeitraum allen achtzehn neue Kapellen und Kirchen gebaut worden. In der nächsten Umgebung Essens hatten Lastrup 1861, Lindern 1862, Emstek 1865 und Garrel 1871 neue Gotteshäuser erhalten, darunter Gemeinden, die sich wirtschaftlich noch schlechter standen als die Gemeinde Essen. Dabei war für die ausgedehnte Gemeinde ein Kirchenneubau schon seit Jahren zu einer zwingenden Notwendigkeit geworden.
Die alte nach dem großen Brande 1601 errichtete und von Pastor Frye 1771 umgebaute Kirche war "ein häßlicher trister Steinhaufen", 144 Fuß lang und 42 Fuß breit, der wegen der kleinen Fenster nur spärliches Licht bot und die Zahl der Gläubigen nicht fassen konnte. Mit Neubaugedanken hatten sich Pfarrer, Kirchenvorstand und Gemeinderat schon seit Anfang des Jahrhunderts beschäftigt. Pfarrer Mönnig [1810–1848] faßte gleich nach seinem Amtsantritt den Plan, die düstere, schmucklose Kirche durch ein neues Gotteshaus zu ersetzen. Aber der große Brand im nächsten Jahre und die daraus sich ergebende Armut der Bevölkerung vereitelte alle Bauabsichten. Erst seinem Nachfolger Pfarrer Meyer war es vorbehalten, 1870 mit dem Bau einer neuen Kirche zu beginnen und Pastor Mönnig ist der letzte Pfarrer gewesen, der unter dem Chor der alten Kirche bestattet wurde. Nach einem Bericht Dr. Kloppenburgs vom 08.01.1966 in der Münster1ändischen Tageszeitung über die alte Essener Kirche, hat schon 1843 Baurat Lasius in seinem Gutachten über den Zustand der Kirche erwähnt, daß sich verschiedene Einwohner Essens für einen Neubau entweder auf dem alten Platze oder auf dem Gosekamp entschieden hätten. Auch Pfarrer Mönnig war wegen der Armut der Bevölkerung zu einem Gegner des Kirchenneubaues geworden, zumal er sich überzeugt hatte, daß durch den Bau des Oratoriums in Calhorn kein Platzmangel mehr herrschte.
Als aber Kaplan Johann Heinrich Meyer 1850 Pfarrer in Essen wurde, fand der Kirchenneubau in ihm einen eifrigen Verfechter. Einwohner aus der ganzen Gemeinde richteten daher am 23.02.1867 ein Protestschreiben an das Offizialat, an das Amt Löningen und an die Regierung in Oldenburg, in dem es u. a. heißt: " Seit der Zeit, wo wir Herrn Johann Heinrich Meyer zum Pastor haben, ist immer heimlich darauf hingearbeitet worden, nur Gemeinderäte zu wählen, die für einen Kirchenneubau waren. Unter ihnen befinden sich allein drei, die bei dem Neubau und in der Platzfrage ein großes Sonderinteresse, am alten Kirchhof wohnen und nur für einen Neubau auf dem alten Platze zu gewinnen sind. Am Neujahrstage hätte Pastor Meyer die Kirche eine Lumpenkammer genannt. Alle diejenigen, die gegen den Neubau ihre Unterschrift gegeben hätten, kämen nach Vechta ins Zuchthaus. Diejenigen, die in Menschengestalten mit dem Lumpenpapier [Protestschreiben] umhergingen und Unterschriften gegen den Neubau suchten, wären Antichristen und die jenigen, die es unterschreiben würden, wären seine Anhänger und kämen bei Luzifer und dem reichen Prasser in die Hölle!"
In dem Protest schreiben wurde auch auf die Bewohner der Bauerschaften Addrup, Bevern und Uptloh hingewiesen, für die 1853 Freiherr von Falkenstein auf Calhorn eine neue Kapelle erbaut hätte, die von einem Deservitor verwaltet wurde, der in Essen wohne, an den Sonntagen Gottesdienst in Calhorn hielt und an den Werktagen in Essen in der Seelsorge aushalf. Die Gläubigen wollten vom Gut Calhorn so viele Ländereien ankaufen, das aus dem jährlichen Ertrag der Unterhalt des Geistlichen und des Gotteshauses bestritten werden könnte.
Für die Bewohner der drei Bauerschaften, die etwa zwei Fünftel der Bevölkerung des Kirchspiels ausmachten, würde es eine große Wohltat bedeuten, wenn sie sich von Essen trennen könnten, um den Gottesdienst in ihrer Mitte zu haben. Sie würden aber zu den Kosten einer neuen Kirche [30.000 Taler] keinen Zuschuß leisten; die Restgemeinde würde aber einen Neubau allein nicht tragen können [Kapellenbauverein Bevern wurde erst 1903 gegründet]. Am 01.05.1854 kam Warnstedt auch kirchlich nach Krapendorf, 1864-1867 wanderten rund sechzig Personen nach Ungarn und Übersee aus, so daß alles in allem 500-600 Seelen weniger zum Gottesdienst nach Essen kämen, so daß die Bänke auf der großen Bühne unter dem Orgelboden nur zur Hälfte besetzt wären.
Bezüglich der Platzfrage für einen evangelischen Kirchenneubau wurde Oberschulrat Driver, Advocatus piarum causarum beim Offizialat in Vechta zur Stellungnahme aufgefordert. Am 15.07.1867 antworten Offizial Reismann und Oberschulrat Driver, daß der Platz, der alten Kirche zu beschränkt sei und daß die neue Kirche, um ihr die erforderliche Größe zu geben, die Stellung von Süden nach Norden [statt wie bisher von Osten nach Westen] haben müsse. Auch nach einer Untersuchung des Architekten Bensen aus Osnabrück wurde der alte Kirchplatz in dieser Ausrichtung, der auch der Bischof von Münster zustimmte, zum Neubau ausreichen. Bereits am 07.12.1866 hatten Bischof und Offizial ihr Plazet für den Neubau auf dem alten Platz gegeben.
Auch unter Mönnigs Nachfolger waren die Zeitumstände zum Neubau einer Kirche nicht viel günstiger. Die Kriege 1864 und 1866, die Cholera- und Typhusepidemie und vor allem die Auswanderung hatten der Gemeinde viel gesundes Bauernblut entzogen. In den Jahren 1864-1867 waren allen sechzig Personen teils nach Ungarn, teils nach Übersee ausgewandert. So wäre auch jetzt aus dem Kirchenbau nichts geworden, wenn nicht der kunstverständige Bischof Müller von Münster und der bischöfliche Offizial zum Neubau getrieben hätten. Am 01. August 1866 weilte Offizial Reismann zu einer Kirchenvisitation in Essen, wo wiederum der Kirchenneubau ernstlich erwogen wurde. Schweren Herzens entschieß sich Pfarrer Meyer trotz der allgemeinen Notlage auf dem Platz der alten Kirche ein würdiges Gotteshaus zu errichten und sofort mit dem Bau einer Notkirche zu beginnen. Freudig erregt über den Beschluß, brachte der Offizial ein kräftiges Hoch auf die mutige Gemeinde aus. Der Bau einer geräumigen Notkirche im Garten der Witwe des Kaufmanns Josef Schade wurde schon im folgenden Jahre in die Tat umgesetzt. Die Wände wurden aus Mauerwerk aufgeführt und ein flaches Walmdach ruhte auf den Wänden und den eingebauten Pfeilern. Der Innenraum war so groß, daß er in drei Schiffen alle Bänke der alten Kirche aufnehmen konnte und noch Raum für hundert neue Sitzplätze bot. Zur inneren Ausstattung der Notkirche verwendete man das Inventar der alten Kirche, die nach Abnahme der Dachziegel und Herausnahme der Fenster und Türen innerlich und äußerlich vollends einer Ruine ähnlich sah. Die Notkirche wurde nach Ermächtigung der kirchlichen Behörde am 30.11.1867 durch Pfarrer Meyer eingeweiht und am folgenden Tage konnte der Sonntagsgottesdienst in ihr gefeiert werden. Nach den Planungsarbeiten für den Neubau, die sich durch mehrere Jahre hinzogen, sollte die neue Kirche nicht nur räumlich größer, sondern auch in anderer Lage erbaut werden. Es mußte also ein Tei1 des sowieso schon sehr beengten Kirchhofs mit in die Planung einbezogen werden.
So ergab sich naturgemäß die Forderung nach An1age eines neuen Friedhofs. Pfarrer Meyer und der Kirchenvorstand der zugleich Gemeinderat war, griffen zurück auf den Küstereigarten und den unbebauter Teil des Gosekamps gegenüber dem Pfarrhause, die ja schon seit ewigen Zeiten der Pfarrgemeinde gehörten. Das niedrige Gelände wurde nach der Westseite aufgefahren und zur Aufböschung, die noch heute bei Hillen Garten zu sehen ist, benutzte man die Ortsteine aus dem Fundament der alten Kirche. Der neue Friedhof wurde schon vor Beginn des Kirchenneubaues [1869] eingeweiht und seit der Zeit ist auf dem a1ten Kirchhof keine Beerdigung mehr vorgenommen worden. Im gleichen Jahre begann Baumeister Römer mit dem Abbruch der alten Kirche . Bei den Ausschachtungsarbeiten 1870 wurden vie1e Überreste von Verstorbenen freigelegt, die Pastor Meyer sammeln und an der Südostecke des neuen Friedhofes beisetzen ließ. Aus wohlerwogenen praktischen und ästhetischen Gründen wurde das neue Gotteshaus quer zur alten Kirche gebaut. Man ging also von dem alten Brauch ab, die Kirche mit dem Chor nach Osten zu errichten. Während sich der Haupteingang zur alten Kirche in der Fortsetzung des Zugangs zwischen Nobis und Bednarzyk befand, der noch durch den hölzernen Glockenturm gleich hinter Nobis eingeengt wurde, konnte jetzt vor dem Turm der neuen Kirche ein geräumiger Kirchplatz geschaffen werden, den man durch drei Zugänge bequem erreichten konnte.
Die Bauarbeiten, die durch den deutsch-französischen Krieg 1870/71 verzögert wurden, zogen sich durch vier Jahre hin. In dieser Zeit starb Pfarrer Meyer [20.06.1871], der sich um den Neubau große Verdienste erworben hat, und unter seinem Nachfolger, dem Pfarrer und späteren Dechanten Heinrich Möhlmann, wurde der Bau 1875 zu Ende geführt. Der dreischiffige gotische Bau, der ohne Zweifel zu den schönsten des Münsterlandes gehört, legt Zeugnis ab von dem Kunstsinn seiner Bauherren und von der Opferwilligkeit der Bevölkerung. Der schlanke, gefällige Turm grüßt weithin in die Runde nach allen Himmelsrichtungen und jeder Bahnreisende ist entzückt über das liebliche Bild der Altstadt, in dem sich die Wohnhäuser eng aneinander um das hochragende Gotteshaus scharren. In den auf die Einweihung der Kirche folgenden Jahren wurde auch das Innere von Künstlerhand ausgestattet. Neben den Altären und Fenstern waren besonders der Kreuzweg sowie die von Meister Benker aus Lohne hergestellte Kanzel, ferner die kunstvoll geschnitzten Chorstühle und die Kommunionsbank sehenswert. Im Turmeingang erinnert ein in die Wand eingelassener Grabstein an die Herren von Lage, die in der alten Kirche ihren Begräbnisplatz hatten. Eine in einer Flasche verschlossene Urkunde aus dem Jahre 1877, die beim Abbruch der Altäre im Rahmen der Umgestaltung der Essener Pfarrkirche 1957 unter dem Josephsaltar gefunden wurde, gibt uns Auskunft über die Kosten der Kirche, ihre Einrichtung, über Geist1ichkeit, Lehrer und Gemeinderat. Darin berichtet der damalige Küster Hellebusch, daß die Kirche in den Jahren 1870-1874 für ungefähr 50.000 Taler errichtet wurde. Die drei, gemalten Chorfenster, die am 01.04.1945 schwer beschädigt wurden, kosteten je 500 Taler. Der Hauptaltar wurde 1875, die Nebenaltäre [Marien- und Josephsaltar] 1877 durch Bildhauer Wöhrmann, Münster, fertiggestellt und von seinen Gesellen Anton Wagner, B. Brüggemann, Joh. Wagener und dem Arbeiter Niekamp aufgestellt. Als Geist1iche amtierten zu der Zeit in Essen Pastor Heinrich Möhlmann, Kaplan Bern. Tapke und Vikar Ernst Johanning. Kirchenprovisor war Christian Meyer und Lehrer in Essen Anton Sehrand. Nach der Urkunde zählte die Gemeinde damals ungefähr 3000 Seelen [in Wirklichkeit 2700], welche mit Ausnahme von 30 - 40 Personen katholisch waren.
Zur Kirchengemeinde gehörte der Ort Essen, die Bauerschaften Brokstreek, Ahausen, Grafenhorst, Sandloh, Herbergen, Felde, Barlage, Bartmannsholte, Osteressen, Uptloh, Bevern, Addrup sowie die adeligen Güter Groß- und Klein- Arkenstede, Gut Vehr, Gut Lage und Gut Calhorn.
Der Gemeinderat, der mit dem Kirchenausschuß identisch war, setzte sich zusammen aus dem Gemeindevorsteher Zeller Smits, Klein Arkenstede und den Mitgliedern:
- Kaufmann Rud. Witte, Essen;
- Zeller Deeke, Barlage;
- Zeller Holtkamp, Bevern;
- Zeller Heinrich Thole sive Viek, Addrup;
- Zeller Diers, Uptloh;
- Zeller Neeße, Osteressen;
- Zeller Gerh. Kleine Arkenau, Brokstreek;
- Verwalter G. Rößing, Lage;
- Maurer Nikolaus Bunning, Osteressen und
- Mühlenbesitzer Meyer-Holzgrefe, Uptloh.
Die folgenden achtzig Jahre haben das äußere und innere Bild der Essener Pfarrkirche kaum verändert bis 1957 das Innere der Kirche eine grundsätz1iche Umgestaltung erfuhr.
Umbau der Pfarrkirche
Bis zum 15. Oktober 1950, als Essen das 75-jährige Bestehen von St. Bartholomäus feiern konnte, waren am Gotteshause keine nennenswerten Veränderungen vorgenommen worden. Wohl waren in den Kriegs- und Nachkriegsjahren Mängel verschiedener Art aufgetreten und noch in den letzten Kriegstagen 1945 hatte ein Artillerietreffer ein Loch in die Wand oberhalb des Marienaltars gerissen, hatte den Altar selbst beschädigt, das Dach der Sakristei demoliert und Verheerungen an den Chorfenstern und am Turmdach angerichtet. Die Schäden wurden zunächst notdürftig behoben und dann, soweit sie sich auf den baulichen Zustand des Gebäudes nachteilig auswirken konnten, fachgerecht beseitigt. Wegen der unsicheren Geldverhältnisse und des Währungsschnittes 1948 konnte an eine umfassende Renovation der Kirche vorläufig nicht gedacht werden. Deshalb wurden seit 1949 die bestehenden Mängel nach und nach beseitigt, bis das deutsche Wirtschaftswunder eine gründliche Umgestaltung ermöglichte. In den acht Jahren bis 1957 wurden u.a. folgende Arbeiten ausgeführt: Schon lange war der Friedhof auf dem Gosekamp ein Stein des Anstoßes gewesen. Die lebende Hecke verfallen, morsch und an vielen Stellen niedergetreten wurde Anfang 1951 durch ein dauerhaftes Holzgeländer ersetzt; der Friedhof selbst wurde vom wilden Baumwuchs gesäubert, die Gräber neu in Ordnung gebracht und die bisher freie Überwegung unterbunden. Ostern 1951 veranstaltete Pfarrer Kruse eine Sammlung für eine neue Glocke, die Christ-Königsglocke, die am Feste Peter und Paul feierlich eingeweiht werden konnte. Sie war den Ton "h“ eingestimmt, wurde 1952 an das elektrische Läutewerk angesch1ossen und ergab mit den bei den anderen Glocken auf "dis" und "fis" ein harmonisches Geläute. Auch die unzuverlässige Kirchenuhr wurde wieder auf Draht gebracht und Zeiger und Ziffern mit Leuchtfarbe bestrichen. Ende 1952 wurden auf Antrag und mit Unterstützung des Männergesangvereins die unhaltbaren Zustände auf dem Orgelboden behoben. Die Orgel wurde um 1,5 m zurückgesetzt, so daß der Chor bei kirchlichen Gesängen besser Platz finden konnte. Der Boden wurde im mittleren Teil abgekleidet, wodurch die Akustik verbessert und der dauernde Luftzug vermieden wurde. Eine Gefahr für das Kirchendach bildeten seit Jahren die hohen Linden, die das Gotteshaus weit überragten, so daß weder Licht noch Sonne herankommen konnten. Sie wurden im März 1953 niedergelegt und für Wochen glich der alte Friedhof einem abgeholzten Waldstück, bis die Forstverwaltung die gesunden Stämme übernahm. Anfang 1954 begannen Kolping und Landjugend mit der Planierung des Kirchplatzes, eine schwere Arbeit, da die Wurzeln fast an das Mauerwerk der Kirche reichten. Eine Ligusterhecke wurde gepflanzt. In der Folgezeit wurden dann von Gärtner Rump, der auch die Sorge für den neuen Friedhof übernahm, neue Anlagen mit Sträuchern und Rabatten geschaffen. Hinter dem Chor wurden 1956 Terassen erbaut, die zu einem wuchtigen, hochragenden Kreuz mit kunstvollem Corpus führten, ein idealer Ersatz für den alten Prozessionsaltar.
Viel geklagt wurde von alten Leuten über die Eiseskälte im Winter in der Kirche. Daher wurde im Juni 1953 mit dem Bau eines Heizkellers neben der Sakristei begonnen, wodurch zugleich die Sakristei erweitert werden konnte [30.000,00 DM]. Leider war der Heizofen zu klein, so daß Ende 1955 ein größerer Ofen eingebaut werden mußte. Im gleichen Jahre wurde im Hauptportal ein Windfang eingebaut, wodurch die von draußen einströmende, direkte Kaltluft abgehalten wurde. Zu einer umfassenden Umgestaltung im Innern der Kirche kam es erst im Jahre 1957. Dazu drängte nicht nur die Geistlichkeit, sondern auch ein großer Teil der Bevölkerung, die nicht verstehen konnte, daß Jahr für Jahr in Kollekten und durch Sammlungen beträchtliche Summen für den Neubau fremder Kirchen aus der Gemeinde flössen und dabei das eigene Gotteshaus vernachlässigt wurde.
So wurden 1951 Sammlungen abgehalten für die Diasporakirchen in Lemwerder [Pfarrektor Blum], Herz-Marien in Oldenburg [P. Michel], St. Marien, Delmenhorst [Probst Niermann], St. Christopherus, Düsternort [Pfarrer Huslage], 1954 für Rastede [Pfarrer Otto Jaritz] und Eversten [(Kaplan Enneking], ferner für Bokelesch [Rektor Korfhage] und Petersdorf [Kaplan Kater], außerdem für den Dom in Münster [durch G. Vorwold], für die Jesuitenniederlassung in Oldenburg [P. Vleugel], für das Waisenhaus in Stapelfeld, für die Diaspora - Miva, für die Weißen Väter und die Steyler Mission. Die Pfarrgeistlichen unterzogen sich der Aufgabe, die Gläubigen von der Kanzel aus und durch gedruckte Erläuterungen über die Notwendigkeit und den Plan der Renovation aufzuklären, die nach modernen, heute zeitgemäßen Grundsätzen erfolgen müsse. Am 19.06.1955 war die erste Kolleckte und im November begannen die Haussammlungen in Bartmannsholte und Herbergen, denen im Laufe des Jahres 1956 auch die anderen Bauernschaften folgten. Leicht war es nicht, die Bevölkerung unter einen Hut zu bringen, denn zum Leidwesen der älteren Generation mußte viel Altes und Liebgewordenes aufgegeben werden.
Die Pfarrjugend stiftete Ende 1955 drei neue Chor Fenster, von denen das Hauptfenster die Kreuzigungsgruppe, wegen seiner übermodernen und unklaren Darstellung wenig Anklang beim Volke fand. Anfang Januar 1957 begannen die Arbeiten im Schiff der Kirche. Die schlanken Backsteinsäulen wurden mit Sandstrahlgebläsen von der anhaftenden Farbe und dem unschönen Schmuckband befreit und wieder sauber nachgefugt. Gewölbe und Seitenwände erhielten einen hellen, klaren Anstrich, sodaß der Innenraum weiter und höher erscheint. Das satte, leuchtende Rot der Säulen, die farbigen Kapitale und Rippen zum Gewölbe harmonieren vorzüglich zur ruhigen Farbe der Wände und des Gewölbes. Leider mußte der dunkle Fliesenbelag, der den Socke1 isoliert, mit Farbe überdeckt werden. Die schönen, ansprechenden Kreuzweg Stationen erscheinen nach Entfernung der Farbe in reinem ursprünglichen Sandsteinton. Ein wesentlich anderes Gesicht hat das Chor der Kirche erha1ten. Die Spitzbögen hinter dem Altare wurden zugemauert und der Altar bedeutend höher gelegt, sodaß die Sichtverhältnisse zum Altar bedeutend besser wurden. Daraus ergab sich aber, daß zum Leidwesen vieler Gläubige der 1875 von Bildhauer Wöhrmann aus Münster geschaffene gotische Hauptaltar einem niedrigen, massiven Blockaltar aus schwarzem Marmor weichen mußte. Nachdem auch die eichenen Chorstühle, die doch kaum benutzt wurden, entfernt worden sind und der Altarraum im Hintergrund formschöne schmiedeeiserne Wandleuchter erha1ten hat, macht das Chor einen feierlichen, fast strengen Eindruck, der durch die unter dem Hauptfenster angebrachte Nische für das Allerheiligste, durch die vorgezogenen Stufen des Altares und die Kommunionbank, alles aus schwarzem Marmor, noch verstärkt wird. Auch die beiden gotischen Nebenaltäre aus Sandstein wurden abgebaut. Dafür hat an der Stelle des Marienaltars die aus dem 17. Jahrhundert stammende Kreuzigungsgruppe einen Ehrenplatz gefunden, die sonst im Turm ein verlorenes Dasein führte. Gut zur Geltung kommt auch der neue, von Generaldirektor Dr. Welker gestiftete Taufstein aus echtem Schopbachmarmor, der vor der Kreuzigungsgruppe aufgestellt wurde. Die äußeren Zeichen der Sakramenta1en Geheimnisse, Altar, Kommunionbank, Taufstein und Beichtstühle bilden jetzt eine geschlossene Einheit. An der Stelle des Josephaltares wurde ein kleiner Seitenaltar aus dem gleichen Stein wie der Hauptaltar aufgestellt, über den ein alter Schatz der Kirche, die wertvolle Darstellung St. Anna, einen würdigen Platz gefunden hat. Die großen Messingkronleuchter wurden durch einen neue Lichtanlage ersetzt, ferner wurde an den Chorpfeilern eine gut sichtbare elektrische Leuchtanzeige und für das ganze Gotteshaus [schon 1956] eine Lautsprecheranlage angelegt.
Vielen Essenern wird der Abschied vom gewohnten und altvertrautem Bild nicht leicht geworden sein, aber wenn man auf das Urteil Sachverständiger hört, muß man Weihbischof Baaken zustimmen, der das Gotteshaus in seiner jetzigen Form "einmalig schön" nannte. Inzwischen hat Ende 1957 das Kirchenschiff auch einen neuen Fußboden erhalten und wenn als letztes noch die unbequemen Kirchenbänke verändert werden, können die Essener mit Recht stolz auf ihr erneuertes Gotteshaus sein. Am 10. April 1957 wurde der neue Altar durch Hw. Weihbischof Baaken feierlich eingeweiht. Die bessere Sicht und der Lautsprecher ermöglichte allen Gläubigen, den sinnvollen Zeremonien zu folgen. Nach der Weihe vermauerte Meister Schmitz eine Kassette mit den Reliquien vom heiligen Aetherius und einer Gefährtin der heiligen Ursula, den der Weihbischof für den neuen Altar bestimmt hatte, im Sepulkrum. Auf dem im Lichterglanze strahlenden neuen Altar wurde dann ein feierliches Levitenamt unter Pontifikalassistenz von Pfarrer Kruse zelebriert. Frohen Herzens gab der Hw. Herr Weihbischof seiner Freude Ausdruck über das gelungene Werk und dankte den geistlichen Initiatoren Pastor Kruse und Kaplan Kohake sowie den Gläubigen für die so großherzig geleisteten Opfer an Geld und Arbeit.
Quellen:
- Heinrich Bockhorst - Manuskript
- Willoh - Geschichte der kath. Pfarreien
- Heinz Strickmann
- aufgearbeitet h. br.