Dienstsiegel der Gemeinde Essen Olbg.
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Dienstsiegel der Gemeinde Essen Olbg., verliehen am 5. Nov. 1936
1. Deutung des Siegels
Das Siegelbild geht davon aus, dass die älteste Burganlage in Essen eine Gründung des Grafen von Tecklenburg war, in deren Wappenschild sich drei Linden- oder Seeblätter befanden. Eines davon ist für das Essener Siegelbild entlehnt. Weiter enthält das Siegelbild einen sechsstrahligen spitzen Stern. Dieser findet sich im Wappen der Ritterfamilie von Pennethe, die ehemals in der Gemeinde Essen von großer Bedeutung war und unter anderen zu Calhorn und Gut Lage begütert war.
2. Entstehung des Dienstsiegels In einer Gemeindevorsteher-Besprechung am 08. November 1934 in Cloppenburg hielt Archivdirektor Dr. Lübbing einen Vortrag und am 26. November 1934 ersuchte der Amthauptmann Münzebrock die Gemeinden um Vorschläge für die Ausführung eines Dienstsiegels bis zum 12. des Jahres. Inzwischen war vom Amte - Cloppenburg am 16. Nov. 1934 als Siegelbild ein Holzschuh nach folgendem Muster vorgeschlagen: Daraufhin richtete Kaufmann August Meyer am 29. November 1934 im Auftrag der Gemeinde an Herrn Amthauptmann Münzebrock folgendes Schreiben: "Im Auftrag unseres Gemeindevorstehers teile ich Ihnen mit, dass der vorgeschlagene Holzschuh für ein Gemeindesiegel nicht seinen Beifall findet. Auch, soweit die Vorlage in der Bevölkerung gezeigt ist, lehnt man sie allgemein ab. Die Holzschuhmacherei ist hier in der Gemeinde nicht von Bedeutung, namentlich nicht für den Handel gewesen. In den Bauernschaften verstand sich der eine oder andere darauf und wurde dann im Winter besonders bestellt, um Vorrat für das kommende Jahr anzufertigen. Holzschuhe mit Leder auf der First sind auch erst in viel späterer Zeit gemacht worden. In meiner früheren Eingabe in dieser Angelegenheit habe ich auf die zahlreichen Flüsse und die Brücken in hiesiger Gegend hingewiesen, insgesamt, mit Löninger Brokstreek 36 Stück. Dazu kommen noch zahlreiche Durchlässe und Privatbrücken. Ich lege zwei Photographien von Brücken bei, sowie ein Bildchen von der Wetterfahne des alten Taphornschen Hauses, früher Schade, welches auf den in Essen stark betriebenen Handel hindeutet." In den nächsten zwei Jahren wurden dann die Dienstsiegel vom Landesarchiv entworfen und den Gemeinden mit folgendem Schreiben zugestellt:
Der Amthauptmann Cloppenburg, den 21.9.1936
Betr.: Dienstsiegel der Gemeinde
Da Wappen und Siegel verliehen werden, können keine langen Debatten in den Gemeinderatssitzungen über dieses oder jenes Motiv gehalten werden.......... Die von sachkundiger Hand gemachten Entwürfe sind als künstlerische Ganzheit zu werten und können Abänderungswünsche dazu nicht mehr gemacht werden. Sie sollen nach Anhörung der Gemeinderäte unter Beifügung eines entsprechenden Auszuges aus der Niederschrift Ihren Beschluss über die Zustimmung zu dem Entwurf mir nunmehr bis zum 15.10. vorlegen, gez. Münzebrock
Von der Bauernstube zum Rathaus.
Der Zuwachs der Bevölkerung und die ständig zunehmenden Aufgaben einer Gemeindeverwaltung in den letzten Jahrzehnten finden überall im Münsterland ihren augenfälligsten Ausdruck im Bau neuer Rathäuser. Die Gemeinde Essen hat in dieser Hinsicht eine glückliche Hand bewiesen, als sie kurz vor dem 2. Weltkrieg die Meyersche Villa, die heute die Gemeindeverwaltung beherbergt, erwarb. Bis zum Jahre 1922 verfügte die Gemeinde noch nicht über ein eigenes Dienstzimmer. Die laufenden Geschäfte wurden vom Gemeindevorsteher fast allein bewältigt, der in seinem Hause eine Bauernstube als "Büro" eingerichtet hatte. An den Sonntagen nach dem Hochamt konnten dann in einer Sprechstunde im "Hotel zur Post" die Bürger ihre Anliegen dem "Vogt", wie der Gemeindevorsteher früher genannt wurde, vortragen. Ihm zur Seite stand Rechnungsführer Heinrich Schwegmann, der seine Aufgaben im Hause erledigte [später Bernard Schwegmann, Schröer und Meyer, Clemens Nordmann]. Die Aufgaben des Standesamtes erledigte Küster Anton Tiemann im Küstereigebäude. Das erste Gemeindebüro wurde in zwei kleinen Räumen an der Gartenseite der Küsterei eingerichtet, die nur auf dem Wege durch den Laden zu erreichen waren. Deshalb wurden die Geschäftsräume der Gemeinde in den Ostflügel der Küsterei verlegt. Hier, in den beiden kleinen Räumen, spielte sich die Verwaltungsarbeit der Gemeinde ab, die von Gemeindesekretär Josef Tiemann und dem jeweiligen Rechnungsführer erledigt wurde. Eine zweite Tür der Küsterei führte auf einen schmalen Gang, der zugleich als Warteraum diente. Im Büro selbst stand man direkt vor den "Schranken des Gerichts". Mehr als fünf Personen konnten hier nicht Platz finden. Als dann nach dem ersten Weltkriege die neuen Arbeitsgesetze zur Durchführung kamen und die Arbeitslosen zu versorgen waren, musste an den Auszahlungstagen der Unterstützungen die Straße zu Hilfe genommen werden. Notgedrungen musste sich die Gemeinde nach neuen Räumen umsehen, vor allem, als bei Beginn des zweiten Weltkrieges die Lebensmittelbewirtschaftung eine neue Abteilung mit neuen Räumen verlangte. Daher wurde schon kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges das an der Langen Straße gelegene Wohnhaus des Auktionators und Kaufmanns Bernhard Diekmann [Fawer] für die Zwecke der Gemeindeverwaltung in Pacht genommen. Nunmehr konnten die einzelnen Abteilungen: Sekretariat, Gemeindekasse, Bewirtschaftung und Standesamt in eigenen Räumen untergebracht werden. Auch der jeweilige Bürgermeister erhielt nunmehr sein eigenes Dienstzimmer. Nach dem Tode, des Kaufmanns August Meyer 1936 erwarb die Gemeinde dessen Villa auf dem Peterort, die von ihm 1905 neu erbaut worden war. August Meyer, der Besitzer der Taphornschen Holzhandlung, hatte sich in dem Hause gegenüber ein beträchtliches Vermögen erworben. Das als herrschaftliche Wohnung neuerbaute Haus wurde zunächst von der Familie Meyer und nach dem Tode seiner Frau und dem Fortzuge seiner vier Kinder von August Meyer, der zuletzt das Amt eines Kirchenprovisors bekleidete und seiner Hausdame, Fräulein Storm, bewohnt. Vor dem zweiten Weltkrieg wurde in der Ville ein weibliches R. A. D. - Lager eingerichtet, das bei der Kapitulation 1945 aufgelöst wurde. Dann bemächtigten sich englische und danach polnische Besatzungstruppen des schönen Gebäudes. Nach deren Abzug wurden Flüchtlingsfamilien in der Villa untergebracht. Als die Absicht, in dem Hause ein Erholungsheim bzw. Altersheim einzurichten, fehlschlug, wurde es 1950 im April Sitz der Gemeindeverwaltung, nachdem das verwahrloste Gebäude zeit- und zweckentsprechend in Ordnung gebracht worden war. In den oberen Räumen wurde im Februar 1952 das Forstamt Oldenburg – Süd, der Landwirtschaftskammer Weser-Ems untergebracht, das bis dahin im Posthotel amtiert hatte.
- Quellen:
- Ein Großteil des Textes wurde mir von Herrn Strickmann übergeben.
- Aus Erzähungen meiner Mutter und ihren Unterlagen.
- Private Recherchen.