Bauerschaft Ahausen
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Die Bauerschaff Ahausen
von Heinrich Bockhorst
Hart an den Ort Essen grenzt die Bauerschaft Ahausen. Unter dem Namen Hahuson- Haus oder Siedlung am Wasser tritt sie schon im 12. Jahrhundert auf. Ihr hohes Alter verrät auch die ziemlich geschlossene Lage der Bauernhöfe in der engeren Ortschaft Ahausen selbst.
Mit dem Kirchdorfe Essen, von dem es kaum 2 km entfernt liegt, hat Ahausen stets in engsten Beziehungen gestanden. So haben z.B. die Kinder von Ahausen stets die Schule in Essen besucht, wenn ihnen auch in Regenzeiten der Weg zur Schule durch Überflutung der Hase oft schwer gemacht wurde. Auch die Ahauser Mark war mit der des Kirchdorfes stets gemeinsam.
Die Bauerschaft besteht aus den Ortschaften Ahausen, Gravenhorst und Sandloh sowie dem Meierhof Münzebrock. Alle Ortschaften, außer Gravenhorst, haben Chausseeverbindung mit dem Kirchdorfe Essen. Eine Straße, die beim Richthofe abzweigt, führt durch den Ort Ahausen und weiter zum Meierhofe Münzebrock. Kurz hinter der Abzweigung der Ahauser Straße von der Bundesstraße 68 liegt das Galgenmoor, jene vor Zeiten gefürchtete und berüchtigte Stelle, wo ehemals der Galgen stand, an dem die vom Essener Gericht zum Tode verurteilten Verbrecher aufgehängt wurden. Auf dem Gelände des sog. „Galgens“ ist 1950 eine Siedlung von neun neuen Häusern entstanden. Dadurch ist der früher verfehmten Gegend der Spukcharakter genommen, und von dem Unwesen, das dort die Gerichteten früher getrieben haben sollen, haben die Siedler nichts gespürt.
Im Dorfe Ahausen wendet sich die Straße, die bis dahin genau in westlicher Richtung vertief, in scharfer Kurve nach Süden und überquert die Neue und die Lager Hase. Die Gegend ist hier recht sumpfig, vor allem das zwischen den beiden Flüssen liegende Ahausener Meer. Neue Hase und Lager Hase vereinigen sich im Wiesengelände nördlich Völker (Holtkamp) zu einem Fluß, der Hase, die dann, mehrmals reguliert, in gerader Richtung der Gemeindegrenze gegen Löningen zustrebt. Die verschiedenen, durch die Regulierung entstandenen toten Arme, vor allem der 1,5 km tiefe und 0,8 km breite Bogen an der Gemeindegrenze haben heute nur noch Bedeutung für die Jünger Petri, die hier ein lohnendes Fanggebiet finden. Hart an der Grenze bei Langemeyer, liegt in landschaftlich reizvoller Gegend das Stauwehr, durch das die Wassermassen beliebig geregelt werden können.
Am Ende der Straße liegt der Meerhof Münzebrock, einer, der bedeutendsten Bauernhöfe der Gemeinde Essen. Der Plan, die Straße bis zur Chaussee Bunnen — Brokstreek durchzuführen, ist bis jetzt noch nicht zur Wirklichkeit geworden.
Die Ortschaft Gravenhorst, westlich von Ahausen gelegen, soll nach alter Überlieferung ein Adelssitz gewesen sein, doch bietet die Geschichte keinerlei Anhalt dafür. Hinter dem Hofe (jetzt Scherbring) liegt auf einer Anhöhe in einer sumpfigen Niederung der bekannte Wacholderhain, der einzige dieser Art im Münsterlande. Er mußte unter Naturschutz gestellt werden, da besonders bei der Prozession auf Maria Verkündigung die -Bewohner des Achterorts die Sträucher, die hier bis zu 3 m aufragen, für den Schmuck der Straße plünderten. Der Essener Heimatverein würde in der Verschönerung des Hains durch Schaffung einer besseren Zuwegung und durch Anlage von Spazierwegen ein dankbares Arbeitsgebiet finden.
Die in der abwechslungsreichen und anmutigen Haseniederung hübsch gelegenen Bauernhöfe sind von Eichenwäldchen umgeben, wodurch die Gegend dem Wanderer noch lieblicher erscheint.
Zwischen Ahausen und Gravenhorst fallen in einem Ackergelände zu beiden Seiten des Kirchweges zwei sich lang hinziehende Vertiefungen auf. In einer derselben soll früher eine Kirche gestanden haben, die während des Gottesdienstes mit allen Gläubigen in die Tiefe versunken ist. Wenn man an dieser Stelle ein Ohr an den Boden drückt und scharf zuhorcht, soll man noch das Orgelspiel des Küsters vernehmen können. In der zweiten Vertiefung soll der Sage nach die Schule versunken sein. Sagenhaft ist auch die Kapelle an der Farwieks - Brücke, die von Pastor Frye (1749 und 1780) erwähnt wird. Wahrscheinlich hat es sich hier um eine einfache Feldkapelle gehandelt haben.
In der Nähe, nördlich der Löninger Straße, liegt das sog. „Schwedenriek“, eine Geländefläche, auf der wahrscheinlich zu Zeiten des 30 jährigen Krieges die Soldaten der Schweden ein Lager gehabt haben.
Die an der Straße Essen — Löningen liegende geschlossene Ortschaft Sandloh ist ohne Zweifel eine der ältesten Siedlungen, von der die Besiedlung der Essener Gegend ausgegangen ist. Sie wird als „laa" bereits 950 erwähnt und nahm später zum Unterschied von dem östliches „lob" (Uptloh) den Namen Sandloh an. Die in einer Reihe an der Straße liegenden Bauernhöfe zeigen im Giebelschmuck noch die gekreuzten Pferdeköpfe, wie sie bei unseren heidnischen Vorfahren in Gebrauch waren.
Von der Löninger Straße zweigt in Sandloh die Straße nach Herbergen — Lastrup ab, die als Oelstraße noch große Bedeutung gewinnen wird. Die Wetterführung der Straße durch den Östlichen Teil Sandlohs und den Essener Brook zur Bundesstraße 68 bei Vorwerk ist in Aussicht genommen. Sie wird jedenfalls in der Nähe der Abdeckerei vorbeiführen, einer Fabrik zur Verwertung gefallener Tiere. Am Sandwege, im Volksmunde „auf dem Kadaver", ist in den letzten 20 Jahren ein umfangreiches Siedlungsgelände erschlossen worden.
Quelle:
Heinrich Bockhorst, geschrieben für "Volkstum und Landschaft" Beilage der "Münsterländischen Tageszeitung, Cloppenburg. Verlag: Imsieke
Heft aus dem Jahre 1957, Nr. 40; Seite 15
Aufgearbeitet H. Bruemmer