Alte Essener Zeitgenossen

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Hohes Alter Essener Zeitgenossen vor 250 Jahren

Im Dreißigjährigen Kriege

Vor etwa 200 bis 250 Jahren erreichten unsere Vorfahren durchschnittlich ein hohes Alter. In der Gemeinde Essen, wozu damals zum Teil auch Warnstedt und Bevern zählte, starben in der Zeit von ca. 1700 bis 1762 ungefähr 100 Personen im Alter Von 80 — 90 Jahren, 53 wurden 90 bis 100 Jahre alt und 15 sogar 100 Jahre und darüber hinaus. Diese Zahlen entbehren zwar der Vollständigkeit, denn das Sterberegister der Kirche, dem diese Arbeit entnommen ist und 1651 beginnt, weist um jene Zeit manche Lücken auf, und oft fehlt die Angabe des Alters und leider auch des Wohnortes. Wenn man aber bedenkt, wie gering damals die Einwohnerzahl der Gemeinde war. und in welch schwerer Zeitepoche diese Vorfahren lebten, dann muß man doch staunen über die verhältnismäßig große Zahl der alten Veteranen jener Zeit.

Die Bevölkerungsziffer von Essen (ohne Warnstedt) betrug:

Jahr:

1473 = 611 Einwohner

1535 = 747 Einwohner

1568 = 920 Einwohner

1651 = 668 Einwohner


Zu den Hundertjährigen zählten in der Zeit von 1700 bis 1762 folgende Personen:

Name Vorname Sterbedatum Alter
von Bokel Catharina 13.01.1704 102 Jahre alt
Brahm Lucas 21.11.1713 100 Jahre alt
Hönemeyersche - 09.01.1712 100 Jahre alt
Brinkmann Gerhard 29.11.1713 100 Jahre alt
Ochtmann Walburgis 18.01.1736 104 Jahre alt
Milius Wessel 09.04.1737 100 Jahre alt
zum Quade vulgo Meyer Marg. 14.03.1740 100 Jahre alt
Plump Marg., 01.12.1742 100 Jahre alt
Reisenhuber Henrich 25.10.1743 100 Jahre alt
Crusen Henrich 04.08.1747 100 Jahre alt
Rosemann, Bartmannsholte Gerhardus 22.02.1748 100 Jahre alt
Stroop Joannes 10.11.1749 100 Jahre alt
Ruthmann ex Essen Henrich 03.01.1759 100 Jahre alt
Barklage, Pastor von Calhorn Joanes 29.04.1757 100 Jahre alt
Dinckgreve, Addrup Eilardt 31.03.1761 100 Jahre alt


Nachfolgende Personen wurden 92 bis 100 Jahre alt:

Name Vorname Sterbedatum Alter
Tepe, Joan. 09.12.1699 92 Jahre alt
Siemer Geseke 02.11.1701 92 Jahre alt
Flerlage Lucretia 08.09.1792 95 Jahre alt
Wiese gt. Halenkamp Thalia 28.04.1722 95 Jahre alt
Heidtmann Joannes 09.05.1722 94 Jahre alt
Halenkamp Theodorus 24.12.1722 95 Jahre alt
Ufferheide Joes. 29.12.1725 91 Jahre alt
Eillers Rusolphus 10.12.1726 97 Jahre alt
Busmann Henzcke 13.11.1729 97 Jahre alt
Meyer Helene 15.04.1731 95 Jahre alt
Hopman ex Herbergen Henricus 31.08.1731 95 Jahre alt
Dinckgreve, Christina. 16.05.1733 97 Jahre alt
Heidtman. Joanes. 1734 94 Jahre alt
Heidtmeyer, Joes. 12.12.1734 97 Jahre alt
Fresenburg, Anna. 09.10.1736 94 Jahre alt
Hammohr Gerardus 07.03.1738 94 Jahre alt
Arkenau Adelheid 27.04.1739 97 Jahre alt
Waschefolt Helene 17.06.1739 96 Jahre alt
Brockhage, Meinardus 02.06.1741 95 Jahre alt
Bene Bernardus 27.04.1742 98 Jahre alt
Schmidt gt. von Bokel Henricus 07.12.1743 95 Jahre alt
Lübken Joan 02.09.1745 98 Jahre alt
Roseman, Bartmannsholte Gerardus 22.02.1748 95 Jahre alt
Waschefort, Addrup, Deitel, 21.01.1749 98 Jahre alt
Hülskamp, Catharina, 12.05.1749 98 Jahre alt
Brüggehagen vom kl. Rebell Joannes, Henricus, 04.05.1750 98 Jahre alt
Meyer gt. Kramer, Ahausen Adelheid, 27.08.1751 98 Jahre alt
Kamman, Wiek Essen Sophia, 24.12.1758 94 Jahre alt
Meyer gt. Rüwe, - 27.08.1761 99 Jahre alt
Huslage, Georg, 20.08.1762 97 Jahre alt
Schmidt, Bartmannsholte Henrich, 23.01.1763 96 Jahre alt


Fast alle aufgeführten hochbetagten Vorfahren beiderlei Geschlechts haben den Dreißigjährigen Krieg (1618 — 1648) miterlebt. Sie haben unsägliches Leid verkostet und waren in stets steigendem Maße dem Hunger, der Not, der Angst und Sorge, der Flucht, den ansteckenden Krankheiten und der Plünderung durch hin- und herziehende Truppen aller Herren Länder ausgesetzt.

Erinnert sei an den furchtbaren November des Jahres 1622, als Mansfeld, der sein Hauptquartier in Meppen hatte, als Feldherr der aufständischen Böhmen mit 2000 Mann zu Fuß und 3000 Mann zu Pferde das Münsterland verheerte. Erinnert sei auch an die kaiserlichen Truppendurchzüge unter Tilly im Jahre 1623, an die Zügellosigkeit der von Rinaker für den General Pappenheim erworbenen Truppen, an die Dänen und endlich an die Schweden, die nach 1632 im Amte Cloppenburg nach Willkür hausten.

Von 1648 — 1651 hatten schwedische Truppen auf dem sog. Schwedenrick in Sandloh bei Essen ihr Feldlager. Dort wohnten sie mit ihren Weibern, Kindern, Pferden und Hunden in schmutzigen Zelten und raubten die verarmte Gemeinde gänzlich aus. Mit Worten ist das Elend nicht zu beschreiben, das hier allenthalben herrschte. Als die Besatzung im Jahre 1651 aufbrach und über die uralte Heerstraße Löningen — Essen nach Vechta zog, ließ sie in der Gemeinde Essen ein Bild des Grauens zurück. Schwert Hunger und ansteckende Krankheiten hatten die Bevölkerungszahl in erschreckender Weise vermindert. Ueber 30 Höfe lagen in Schutt und Asche und waren teils verwaist. Vieh und Brotgetreide fehlten. In Osteressen soll noch eine Kuh übriggeblieben sein. Der Besitzer hatte sie in einem Walde verborgen gehalten. Die Felder lagen wüst, das Saatkorn fehlte. Der zeitige Fürstbischof Christoph Bernard von Galen hat sich um die Linderung der Not damals unbeschreibliche Verdienste erworben und sich dadurch im Herzen der Münsterländer ein unvergängliches Denkmal steter Dankbarkeit errichtet.

Es müssen zähe Geschlechter gewesen sein, die trotz der bitterarmen Zeitverhältnisse ein so hohes Alter erreichten. Vor allem wird die schlichte Lebensweise der damaligen Bevölkerung frei von Alkohol und Genußmitteln aller Art, auf ihre robuste Gesundheit fördernd eingewirkt haben. Das Volk war anspruchslos und sehr genügsam geworden und jedenfalls jahrelang vorwiegend auf Brot und Pflanzenkost angewiesen, weil Fleisch und Fett fehlten. Nach dem Abzug der Schweden stellte die Aufbauarbeit in Feld, Wald und Wiese und die Beschaffung von Obdach die härtesten Anforderungen an ihre Körperkräfte, aber die Arbeit in Gottes freier Natur und der Wille zum Leben und zum wirtschaftlichen Aufstieg nach dem Friedensabschluß machte sie im Ringen um das tägliche Brot widerstandsfähig und stark.


Quelle:

Bericht abgeschrieben aus dem 1954 erschienen „Volkstum und Landschaft“ Nummer 25, 14. Jahrgang,

Bericht: kein Name.

Heimatblätter der Münsterländischen Tageszeitung - Seite 12,

Beilage zur Münsterländischen Tageszeitung

Druck und Verlag: Imsieke Cloppenburg

Aufgearbeitet v. H. Brümmer

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